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EigenheimförderungWillkommen in der Wirklichkeit, Frau Bauministerin!

Bauministerin Klara Geywitz kündigt ein neues Förderprogramm für Käufer von Bestandshäusern an. Die Abkehr vom Neubau-Kult ist ein starkes Signal – und könnte in der Immobilienkrise tatsächlich helfen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Philipp Frohn 19.09.2023 - 12:55 Uhr

Bauministerin Klara Geywitz kündigt ein neues Förderprogramm für Käufer von Bestandsimmobilien an.

Foto: dpa

Bislang fällt die Bilanz von Bauministerin Klara Geywitz (SPD) eher ernüchternd aus. Die Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr ist zu politischem Wunschdenken geschrumpft, reihenweise gehen Bauträger pleite und die Zinswende hat den Hauskauf für viele Menschen unerreichbar gemacht. Die Immobilienkrise, sie ist überall. Zuweilen sind die Probleme hausgemacht: Das derzeitige Förderprogramm steht ganz im Zeichen des Neubaus – doch den können sich ausgerechnet die, für das Programm gedacht ist, schlicht nicht mehr leisten.

Der Neubau-Kult geht an der Realität der meisten Käufer schlicht vorbei. Schon ein altes Haus mit umweltschädlicher Ölheizung ist für viele nicht mehr drin. An Lüftungskonzepte und sommerlichem Hitzeschutz für die energetische Glückseligkeit brauchen sie da keinen Gedanken zu verschwenden.

Das hat Geywitz nun offenbar verstanden: Am Freitag hat sie angekündigt, ein neues Förderprogramm für den Kauf von Bestandsimmobilien auf den Weg zu bringen.

Gleichzeitig polterte sie gegen die Sanierungspläne aus Brüssel: Die Europäische Union will, dass Wohngebäude bis 2033 im Schnitt die Energieeffizienzklasse D erreichen. Das bedeutet eine faktische Dämmpflicht für Eigentümer, die schnell mehrere Zehntausend Euro pro Haus kosten könnte. „Das lehne ich ab,“ sagte die Ministerin – und beruhigte damit sicher viele Eigentümer.

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Klar, der Neubau ist wichtig, um langfristig zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Doch auch eine gezieltere Förderung für Bestandskäufer trägt dazu bei, dass sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt wieder etwas entspannt. Aktuell sind Käufergruppen, die sich vor der Zinswende noch locker ein eigenes Haus leisten konnten, vom Markt ausgeschlossen – und drängen zusätzlich auf den ohnehin schon angespannten Mietmarkt.

Ein starkes Signal

Die neue Marschrichtung von Bauministerin Geywitz ist ein starkes Signal an die Bevölkerung. Sogar das grüne Wirtschaftsministerium, das mit dem Heizungsgesetz viele Eigentümer verunsichert hatte, gebe sich kompromissbereit, heißt es aus Regierungskreisen. Voraussetzung: am Ende steht eine ordentliche Klimabilanz. Die strengen Vorgaben, die den Hausbau immens verteuert haben, sind dafür aber gar nicht nötig.

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Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, muss zuallererst der Immobilienbestand auf Vordermann gebracht werden – das wird nur mit Förderung drin sein. Und auch beim Neubau zieht in der Politik allmählich Realitätssinn ein. Geywitz sprach sich jüngst gegen die strengen EH-40-Standards als Förderbedingung aus. Ein EH-40-Haus darf nur 40 Prozent der Energie eines gesetzlich definierten Referenzhauses verbrauchen. Solche Immobilien kosten viel Geld, die zusätzlichen Energieeinsparungen sind überschaubar.

Bislang hat sich Geywitz nur grob zur neuen Eigenheimförderung geäußert. Wenn Politik und Immobilienwirtschaft nächsten Montag zum Baugipfel zusammenkommen, dürften mehr Details durchsickern. Fest steht: Wenn das umgesetzt wird, was gerade kursiert, dürfte Geywitz ihre Ministerinnenbilanz aufbessern.

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