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ImpfstoffeWie gefährlich sind die Klagen gegen Biontech?

Moderna und Curevac haben bereits Patentklagen gegen Biontech eingereicht. Auch die University of Pennsylvania fordert Geld. Werden die Prozesse zum Risiko für den Konzern?Jürgen Salz 13.08.2024 - 16:35 Uhr

Etliche Kläger verweisen gern auf die exorbitanten Umsätze und Gewinne, die Biontech mit seinem Corona-Impfstoff erzielt hat.

Foto: imago images

Das Botenmolekül mRNA hat Katalin Kariko schon ihr ganzes Forscherinnenleben begeistert. Eine Art Bauplan in menschliche Körper zu spritzen, um Abwehrkräfte gegen Krankheiten zu mobilisieren – für Kariko war das immer eine faszinierende Vorstellung. Bei ihrem langjährigen Arbeitgeber, der University of Pennsylvania, hielt sich das Interesse allerdings stark in Grenzen. In den Neunzigerjahren degradierte die US-Universität ihre Forscherin. Die gebürtige Ungarin Kariko musste sich ihre Forschungsgelder selbst besorgen. Immerhin durfte sie weiter im Labor arbeiten.    

Ihre Hartnäckigkeit hat sich schließlich ausgezahlt. Kariko erhielt im vergangenen Jahr zusammen mit ihrem Kollegen Drew Weissman den Nobelpreis für Medizin. Die beiden fanden den entscheidenden Dreh, warum die Corona-Impfstoffe wirken. Kariko und Weissman gelang es, die RNA-Moleküle so zu modifizieren, dass sie nicht von der Immunabwehr menschlicher Zellen zerstört werden. Das war die Voraussetzung für den Erfolg von Biontech und Moderna. Inzwischen sieht auch die University of Pennsylvania die mRNA-Forschung in einem anderen Licht  – und will mehr mitverdienen. In der vergangenen Woche forderte die Hochschule von Biontech höhere Lizenzgebühren.

Hohe Gewinne – zumindest zeitweise

Es ist nicht der erste Patent- und Lizenzstreit, mit dem sich Biontech auseinandersetzen muss. Mit dem Erfolg der Corona-Impfstoffe sind auch die Begehrlichkeiten gewachsen. Alle wollen mitverdienen. Und die Bereitschaft zu klagen nimmt zu. Inzwischen gehen auch der erfolglose Tübinger Konkurrent Curevac, der keinen Corona-Impfstoff auf den Markt brachte, sowie das US-Unternehmen Moderna juristisch gegen Biontech vor. Umgekehrt hat auch Biontech Konkurrenten verklagt. Besorgte Aktionäre fragen sich da schon mal, wie gefährlich das alles für Biontech ist. 

Covid-Impfstoff

Biontech wegen Lizenzgebühren für Corona-Impfstoff in USA verklagt

Tatsächlich kann das Mainzer Biotech-Unternehmen den Verfahren relativ entspannt entgegensehen – aus unterschiedlichen Gründen. 

Etliche Kläger verweisen gern auf die exorbitanten Umsätze und Gewinne, die Biontech erzielt hat. Quasi aus dem Nichts erreichte Biontech 2021 Einnahmen in Höhe von fast 19 Milliarden Euro. 2022 waren es 17,3 Milliarden. Zwischen 2013 und 2022 trug auch Kariko zum Erfolg von Biontech bei – nach ihrer entbehrungsreichen Zeit an der University of Pennsylvania war sie nach Mainz gewechselt.

Weil jedoch in der Folge die Nachfrage nach Corona-Impfstoffen stark abnahm, reduzierten sich in der Folge die Biontech-Umsätze deutlich.

Lesen Sie auch: Wie gefährlich ist Corona noch?

Weitere Medikamente haben die Mainzer bislang nicht auf den Markt gebracht. Statt üppiger Gewinne wie zuvor erzielte Biontech im ersten Halbjahr 2024 einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro. Rund 18 Milliarden Euro hat Biontech aber noch auf der hohen Kante. Geld, das vor allem in die Forschung und Entwicklung neuer Krebsmedikamente fließen soll.

„Übliche Kabbeleien“

Die Klage der University of Pennsylvania wegen höherer Lizenzgebühren wird Biontech allerdings kaum ins finanzielle Mark treffen. Bei dem Streit geht es vor allem um unklare Vertragsaspekte. Strittig sind etwa die Berechnungsgrundlagen für die Lizenzgebühren – etwa die Frage, ob die Gebühren in Vertriebsländern oder in Produktionsländern anfallen. Biontech erklärt, „seit über einem Jahr in Gesprächen mit der Universität von Pennsylvania über die Lizenzgebühren“ zu sein. „Respekt und Fairness“ gegenüber Kooperationspartnern seien grundlegende Prinzipien. Biontech werde aber seinen Standpunkt „entschieden“ verteidigen.

„Die Auseinandersetzung wird sich noch ein gutes Jahr hinziehen“, sagt Axel Verhauwen, Partner bei der auf Patentverfahren spezialisierten Kanzlei Mes & Graf v. der Groeben; die selbst nicht in die Verfahren involviert ist. „Das ist ungefähr so, wie wenn ein Vermieter ausstehende Zahlungen von seinem Mieter, der sich auf Mietminderung beruft, eintreiben will.“ Letztendlich, so Verhauwen, gehe es um „übliche Kabbeleien, wie sie zwischen Lizenzvertragspartnern häufiger vorkommen.“ 

Pionier Curevac?

Die Klagen, die Curevac oder Moderna eingereicht haben, sind von anderer Qualität. Sie fordern keine höheren Gebühren, sondern klagen mögliche Patentverletzungen durch Biontech ein. Curevac etwa stützt seine Klagen vor allem auf länger zurückliegende Pionierleistungen, insbesondere ein Patent zur Stabilität der mRNA, durch das die Aufnahme im Körper verbessert werden soll. Wie viel das Patent heute noch wert ist, müssen nun die Richter entscheiden. Vor dem Landgericht Düsseldorf wird dabei um kleinste technische Details gestritten. Die Verfahren könnten sich noch Jahre hinziehen. Und wenn es gut für Curevac läuft, könnten sie in einem Vergleich enden – der dann wohl auch Biontech nicht mehr allzu sehr schmerzen würde, denn für 2026 haben die Mainzer das erste Krebsmedikament angekündigt.

Lesen Sie auch: Welche neuen Krebstherapien Biontech plant

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