Finanzpaket: Ein Paket für die Infrastruktur, ein Päckchen für Unternehmensberater
Mit Geld aus dem Infrastrukturpaket sollen unter anderem marode Straßen, Schulen, Brücken oder Kitas saniert werden.
Foto: Christian Charisius/dpaDer Geldregen ist gewaltig: Der Bundestag hat dem von Union, SPD und Grünen vereinbarten gigantischen Schuldenprogramm für Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung mit der nötigen Zweidrittelmehrheit zugestimmt. Passiert das Gesetz am Freitag noch den Bundesrat, ist der Weg frei für das Milliardenpaket. Ermöglicht werden sollen damit Kredite für ein 500 Milliarden Euro großes sogenanntes Sondervermögen zur Finanzierung von Infrastruktur- und Klimaschutzmaßnahmen. Zudem soll es für Verteidigungsausgaben, Zivilschutz, Nachrichtendienste und Cybersicherheit keine Kreditbeschränkungen mehr geben.
Dass Rüstungsunternehmen von den zusätzlichen Mitteln profitieren werden, liegt auf der Hand. Doch welche anderen Branchen dürfen auf einen Auftragsboom hoffen?
Berater und Prüfer müssen ran
„Unmittelbar ist im Verkehrsinfrastrukturbereich zu erwarten, dass die Bauwirtschaft mit all ihren Teilbereichen wie Hoch- und Tiefbau, Straßen- und Eisenbahnbau, Wasserbau und Ingenieurwesen deutliche Impulse erfährt“, sagt Mattias Schneider, Partner bei der Unternehmensberatung EY Parthenon und dort Leiter des Economics & Politics-Bereichs. Dies werde indirekt auch beim Ausbau von Stromnetzen so sein.
Die geplanten Investitionen aus dem Sondervermögen für Verteidigung würden natürlich vor allem dem Rüstungssektor zugutekommen, „mittelbar werden aber durchaus breiter auch die Metallindustrie, Dienstleister wie Transport- und Logistikunternehmen, der Metallhandel und Forschungsinstitute profitieren“, erwartet Schneider. Und Berater und Wirtschaftsprüfer?
Schneider ist skeptisch: „Wir sehen weder für Berater noch für Prüfer einen direkten Bezug zu den durch das Sondervermögen zur Verfügung gestellten Mitteln.“
„Kommunen stehen vor Herausforderungen“
Andrea Bruckner, Vorstandschefin der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, erwartet dagegen durchaus Effekte. Denn: „Infrastrukturvorhaben erfordern erfahrungsgemäß umfangreiche Vorbereitungs- und Begleitaktivitäten“, zum Beispiel für technische Planungen, Wirtschaftlichkeitsanalysen, Vergabebegleitungen oder Projektmanagementaufgaben. Das sei schon in der Vergangenheit so gewesen. Im konkreten Fall stünden die Kommunen nun „strukturellen und organisatorischen Herausforderungen gegenüber, da ihre personellen Kapazitäten nicht auf die außergewöhnliche Komplexität und den erforderlichen Umfang sowie die beabsichtigte schnelle Abwicklung der geplanten Projekte ausgerichtet sind“, so Bruckner. Heißt auch: Berater und Wirtschaftsprüfer müssen ran.
Der Aufwand von der Beantragung über die Durchführung bis zum abschließenden Verwendungsnachweis für entsprechende Projekte sei oft hoch. „Dies ist vom einzelnen Antragstellenden für einen oftmals singulären Vorgang nur schwer und effizient zu leisten“, so Bruckner. Die oft geforderte „beschleunigte Planung wird vermutlich die größte Herausforderung des gesamten Pakets“, erwartet die BDO-Chefin.
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