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MartinshornMittelständler kämpft um die Polizeisirene

Tatü tata ist zu leise: Das Bundesverkehrsministerium bringt das Alarmsignal in Verruf, mit dem ein kleiner deutscher Weltmarktführer international Einsatzfahrzeuge ausrüstet.Harald Schumacher 15.06.2013 - 09:19 Uhr

Das Unternehmer-Ehepaar Brender fürchtet die elektronische Konkurrenz des Martin-Horns würde von den Verkehrsteilnehmern überhört werden

Foto: Dominic Jan Geis für WirtschaftsWoche

Will man den sonst seelenruhigen Unternehmer Martin Brender auf 180 erleben, muss man ihn bloß darauf ansprechen, dass die deutsche Polizei künftig auch mit amerikanischen Heulsirenen unterwegs sein darf. Die sollen besser zu hören sein als das bekannte Tatü-Tata. Das Bundesverkehrsministerium hat nach einem Beschluss der Länder-Innenminister eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht.

„Das ist Rufmord an unserem Produkt“, schimpft Brender. Gemeinsam mit seiner Frau Viola ist Brender Inhaber und Chef der Deutschen Signal-Instrumentenfabrik Max B. Martin im baden-württembergischen Philippsburg, die weltweit die Rechte an der Wortmarke Martin-Horn hat. Die möchte Brender vor Schaden bewahren und weiß nun gar nicht, wo er mit den Richtigstellungen anfangen soll. Es geht schließlich um den guten Ruf eines typischen deutschen Hidden Champions – eines Mittelständlers mit 40 Mitarbeitern, der im Markt der kompressionsbetriebenen akustischen Signal- und Warnanlagen ein globaler Riese ist.

„Wenn die Polizei unsere Anlagen auf dem Dach hätte, dann hätte sie kein Problem, sich Gehör zu verschaffen auf der Straße“, sagt der 56-Jährige: „Dann müsste sie auch nicht nachrüsten.“ Bei der Feuerwehr sei das ja auch kein Problem.

Sirenen-Orchester

Die digitalen Warnsignale von Martin-Konkurrent Hella

Angriff auf das Martinshorn: Im Ausland bewährte Warnsignale statt dem typisch "Tatü-Tata" könnten bald über die deutschen Straßen heulen. Eine Kostprobe.

In der Tat: Deutsche Feuerwehren haben zu über 80 Prozent Brenders Signalhörner auf dem Dach, bei denen komprimierte Luft durch vier silbern glänzende Trompeten gepresst wird. 1000 bis 1500 Euro kostet so eine Anlage pro Fahrzeug.

Auch in den Signalbalken auf deutschen Polizeiautos wird die Tonfolge a-d-a-d erzeugt – aber elektronisch. Rund 200 bis 400 Euro pro Auto kostet solch eine akustische Signalanlage. Für einen kompletten Dachbalken mit optischen und akustischen Signalen etwa vom Lippstädter Autozulieferer Hella sind je nach Ausstattung und Bedienelementen 1000 bis 2700 Euro fällig.

Es ist ein Kampf der Systeme. Das elektronische Tatü-Tata klinge nicht so durchdringend, erklärt Brender die Vorliebe der Feuerwehr für die klassische Martin-Horn-Lösung. Mit der Überlappung von Ober- und Untertönen erzeugten Pressluft-Fanfaren einen Tremoloeffekt, der alle Verkehrsteilnehmer erreiche. Die elektronische Konkurrenz („das Quiek-Ding“) dagegen werde eher überhört.

Platz zehn: Nivea

Nivea ist die bekannteste Marke der Hamburger Beiersdorf AG. Seit 1911 gibt es die Hautcreme in der klassisch blauen Dose in Deutschland. Mittlerweile gehören zu Nivea nicht mehr nur Handcreme, sondern auch Make-up, Lippenpflege, Shampoo, Duschgel und diverse Männerpflegeprodukte wie Aftershave-Balsam. 2011 betrugt der Markenwert von Nivea 3,883 Millionen US-Dollar.

Foto: dpa

Platz neun: Porsche

Egal ob als Cabrio oder SUV - Autofahrer mögen Autos made in Stuttgart-Zuffenhausen. 1931 gründete Ferdinand Porsche dort ein Konstruktionsbüro - heute verkaufen sich die Autos weltweit. Diese Beliebtheit bescherte dem Autobauer im vergangenen Jahr einen Markenwert von 4,580 Millionen Dollar.

Foto: REUTERS

Platz acht: Allianz

An einer Versicherung hat der Kunde wahrscheinlich nicht ganz so viel Spaß wie an einem schicken Flitzer - aber immerhin bietet der Münchner Versicherer auch PkW-Policen an. Die Allianz ist nach Umsatz der größte Versicherungskonzern der Welt. Der Markenwert betrug letztes Jahr 5,345 Millionen Dollar.

Foto: dpa

Platz sieben: Adidas

Adidas ist weltweit der zweitgrößte Sportartikelhersteller - nach US-Konkurrent Nike. Zu Adidas gehören die Marken Reebok und TaylorMade. Das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach hat einen Markenwert von 6,154 Millionen Dollar.

Foto: dapd

Platz sechs: Audi

Die ebenfalls zum VW-Konzern gehörende Marke Audi verkauft seine Autos in die ganze Welt - Audi gilt als Luxusmarke. Die Beliebtheit der Autos aus Ingolstadt bescherten der Marke im Jahr 2011 einen Wert von 6,171 Millionen Dollar.

Foto: dpa

Platz fünf: Volkswagen

Zum Wolfsburger Volkswagen Konzern gehören neben Audi und Porsche auch Bentley, Bugatti, Lamborghini, MAN, Scania, Seat, Škoda, Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge. Volkswagen ist europaweit der größte Autobauer - weltweit ist die Volkswagen AG die Nummer zwei. Das beschert der Marke Volkswagen einen Wert von 7,857 Millionen Dollar.

Foto: dpa

Platz vier: Siemens

Der Konzern Siemens ist in 190 Ländern der Welt mit Niederlassungen vertreten - es gibt kaum ein Land, in dem man nicht auf Geräte des Weltkonzerns aus Münchens trifft. Die Hauptgeschäftsfelder sind Energie, Industrie, Infrastruktur, Medizintechnik und Städtebau. Die gigantische Reichweite des Unternehmens und die Qualität der Produkte bescherten der Marke Siemens einen Wert von 7.900 Millionen Dollar.

Foto: dpa

Platz drei: SAP

Der Softwarekonzern SAP aus Walldorf in Baden ist die Nummer eins in Europa und die Nummer vier im weltweiten Ranking der Softwarehersteller. Die Geschäftsfelder von SAP sind unter anderem Software für die Bereiche Controlling, Einkauf, Buchhaltung, Produktion und Vertrieb. 2011 hatte SAP einen Markenwert von 14.542 Millionen Dollar.

Foto: dpa

Platz zwei: BMW

Die Silbermedaille geht an den Münchner Autobauer BMW. Zu den Bayerischen Motoren Werken gehören neben der Marke BMW auch noch der Mini sowie zwei Submarken. 2011 war die Marke BMW an sich 24.554 Millionen US-Dollar wert.

Foto: dpa

Platz eins: Mercedes Benz

In puncto Markenwert hat Mercedes Benz den ewigen Konkurrenten BMW überholt: Die bekannte Handelsmarke der Daimler AG, zu der auch noch smart und Maybach gehören, war im vergangenen Jahr 27.445 Millionen Dollar wert.

Foto: dapd

Das „Quiek-Ding“ lässt Hella nicht auf sich sitzen: „Die Wirksamkeit der Warnung hängt vom Schalldruckpegel ab, und der liegt bei unseren Produkten deutlich über den gesetzlichen Anforderungen“, sagt Manager Peter Wagner. Hella biete zudem ein der Pressluft-Fanfare entsprechendes elektronisches Signal an: „Nur Fachleute können den Klang unterscheiden.“ Eigentlicher Grund für die Umrüstung auf den amerikanischen Yelp-Ton und zusätzliche rote Lichtsignale sei der Wunsch der Polizei, vorausfahrende Fahrer leichter stoppen zu können. Aber auch bei der Feuerwehr sieht Wagner einen „Trend zum Dachbalken“ mit integrierten Licht- und Tonsignalen.

Die werden bei Martin nicht hergestellt. Brenders Angst vor Rufschädigung ist also verständlich. Profitieren von der Umrüstung kann er keinesfalls, da die jaulenden US-Signale elektronisch erzeugt werden und längst zu den 30 unterschiedlichen Signalen in den Dachbalken der deutschen Hersteller gehören. Neben Hella sind das vor allem Pintsch Bamag im nordrhein-westfälischen Dinslaken und Hänsch im niedersächsischen Herzlake. 30 bis 35 Millionen Euro werden pro Jahr in Deutschland mit akustischer und visueller Warnsignaltechnik umgesetzt. Davon entfallen vier bis fünf Millionen laut Brender auf die Pressluft-Produktpalette aus Philippsburg.

Der Betrieb startete 1880 mit Jagdhörnern und Kavallerie-Trompeten. 1932 entwickelte Viola Brenders Großvater Max B. Martin zusammen mit Feuerwehr und Polizei das seitdem verbindliche Warnsignal, das umgangssprachlich schnell Martinshorn hieß. Inzwischen produziert das Unternehmen auch Warnanlagen für Fabriken, Hafenanlagen und Hochöfen.

Martin-Horn-Varianten gibt es viele: Das Modell 2097HM für die Schweiz wird mit der Tonfolge cis-cis-gis-gis ausgestattet, was etwa wie tata-tütü klingt. Die Version für die Niederlande liegt mit fis-fis-h-h klanglich tiefer. Und die für Schweden hat dieselbe Tonfolge wie die deutsche – dauert aber eine Sekunde länger.

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