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Berühmte letzte WorteGute Vorsätze sind schlechte Strategien

Einmal im Jahr dreistündige Strategie-Breakout-Sessions? Dann denken Sie wohl auch erst Silvester um 5 vor 12 über Ihre 'Guten Vorsätze' für das nächste Jahr nach?Ralf Schwartz 07.01.2014 - 15:06 Uhr

Sie kennen das: Jedes Jahr um dieselbe Zeit muss man sich wieder mit der Zukunft beschäftigen. Muss darüber nachdenken, was falsch gelaufen ist, was man besser machen könnte, wie man mit innovativen Versprechungen noch beliebter wird. Wie man das 'Neue Jahr' mit noch besseren 'Guten Vorsätzen' für sich gewinnen kann.

Ist Ihnen aufgefallen, dass diese 'Guten Vorsätze' realiter die bloße Akkumulation unserer Versäumnisse des letzten Jahres sind? All das, zu dem wir im Tagesgeschäft des Lebens nicht kamen? All das, was wir nur allzu gerne nach vorne, in die Zukunft prokrastinierten? Was wir nicht umzusetzen wagten, weil wir daran über uns hinaus hätten wachsen müssen? Was wiederum Wandel, Entwicklung, Fortschritt zum Besseren für unser Leben bedeutet hätte!?

Genauso gehen wir mit der Unternehmens- oder Markenstrategie um. Wir schieben sie vor uns her, verbannen sie in Powerpoint-Charts, Meetingräume, Aufzüge. Nah genug, sie ab und an zu erinnern, zu fern, sie zu leben. Weit, weit weg von unserem tagesgeschäftlichen Handeln.

Die Strategie-Entwicklung selbst wird gar begraben unter Traditionen, an geheimen Orten, in besonderen Zirkeln der Macht und Überheblichkeit. Strategie-Meetings ohne Beteiligung der Besten.

Jedes Jahr ein neues Strategie-Ritual? Kurz in einer Break-Out-Session die nächste Innovation brainstormen? Jedes Jahr bessere 'Gute Vorsätze'? Mit jedem neuen CEO ein Strategiewechsel? Mit jedem neuen Flop eine 'bessere' Strategie? Was macht das für einen Sinn? Eindrucksvoller kann man Mitarbeiter und Kunden nicht verunsichern oder gar verschrecken.

Strategie ist, was wir jährlich via Powerpoint an die Konfi-Wand werfen. Kultur ist, was wir tagtäglich leben.

Führung muss sicherstellen, dass die Kultur des Unternehmens, sein Humus, intuitiv, visionär, strategisch, kreativ, innovativ wird.

Führung muss vorbildlich vorangehen und die Kultur vorleben, die sie sich für jeden Menschen im Unternehmen wünscht, vom Vorstand bis zum Hausmeister. Jeden Tag.

Denn wie will man eine Strategie überzeugend leben, die nicht auf der Kultur basiert? Sich tagtäglich verstellen? Kontra-intuitiv vor sich hin arbeiten? Das ist äußerst kontra-produktiv.

Heute ist strategisches Denken jeden Tag von neuem angesagt. Immer, jede Sekunde, sollte man über den Tag hinaus denken. Wie sonst soll man die Zukunft vorwegnehmen? Wie sonst will man verhindern, sich im Hin und Her seiner eigenen Trippelschrittchen zu verzetteln?

Logistik

+ Trend zur Globalisierung bleibt ungebrochen
+ USA und China treiben Wachstum
+ Paketboom durch Internet-Handel und Trend zu immer kürzeren Zustellzeiten

- Fachkräftemangel bei Ingenieur- und IT-Fachkräften sowie Lkw-Fahrern kann Wachstum bremsen
- Defizite bei Verkehrs- und Energieinfrastruktur

Quellen: Branchenverbände, ifo Institut, KPMG, Moody's, ZenithOptimedia, eigene Recherchen

Foto: dpa

Maschinenbau

+ Anziehende Konjunktur sowohl im Inland als auch in den beiden größten Exportmärkten China und den Vereinigten Staaten
+ Großer Treiber nach zwei schwachen Jahren sind vor allem die wieder steigenden Ausrüstungsinvestitionen

- Steigende Energiekosten setzen einigen Anbietern zu. Andere fürchten um ihre Flexibilität in der Produktion, falls die neue Regierung den Einsatz von Leiharbeitern deutlich erschwert

Foto: dpa

IT/Telekommunikation

+ IT mit Plus von 2,8 Prozent Motor der Branche. Wachstumsfelder sind mobiles Internet, Cloud Computing und Big Data
+ Investitionen der Netzbetreiber in Infrastruktur sorgen für leichtes Plus der Telekommunikation von 0,5 Prozent

- Smartphones und Tablets verdrängen Geräte wie Kameras und Camcorder. Dank der Fußball-WM wächst die Unterhaltungselektronik aber immerhin um 1,2 Prozent

Foto: dpa

Medien

+ Fußball-WM und Olympia steigern Quoten und Verkäufe
+ Zeitungen führen Bezahlangebote im Netz ein

- Sorge vor weiteren Werbebeschränkungen aus Brüssel
- Printmedien stehen bei den Werbeeinnahmen weiterhin stärker unter Druck als TV und Online
- TV-Sender stehen vor immer stärkerer Konkurrenz durch Internet-Angebote und veränderte Sehgewohnheiten

Foto: dpa

Luftfahrt/Tourismus

+ Höhere Einkommen sowie der Preiskampf als Folge des Überangebots durch Billig- und Golf-Airlines fördern die Nachfrage

- Kürzere Betriebszeiten an Flughäfen wie Frankfurt könnten das Wachstum jedoch dämpfen
- Teures Kerosin und steigende Abgaben drücken auf die Gewinne der Fluglinien
- Nur leichte Zunahme bei Geschäftsreisen

Foto: dpa

Chemie

+ Zunehmende Nachfrage aus dem Inland und der Europäischen Union erwartet
+ Impulse durch Investitionsboom in den USA, ausgelöst durch billiges Schiefergas

- Sparkurs bei Konzernen wie Lanxess, Bayer oder Evonik
- Mögliche höhere Kosten: EU könnte Befreiung von der Ökostrom-Umlage für energieintensive Unternehmen kippen

Foto: dpa

Gesundheitswirtschaft

+ Schätzerkreis erwartet weit höhere Kassenzahlungen
+ Steigende Nachfrage nach privat finanzierten Diensten

- Wegen des Problems, 100.000 neue Beschäftigte zu gewinnen, wäre überdurchschnittlicher Produktivitätsanstieg nötig

Foto: dpa

Energie

+ Hohe Effizienzsteigerungen bei industriellen Stromverbrauchern, infolgedessen sinkender Stromabsatz

- Kaum Investitionen in neue Kraftwerke, da durch Wind und Sonnenenergie Kohle- und Gaskraftwerke ausgebremst werden
- Durch Gewinneinbrüche fallen bei den großen Versorgern Tausende von Jobs weg. Versuch des Gesundschrumpfens
- Die Hoffnung auf Green Jobs im Bereich erneuerbare Energien sinkt, da Unternehmen auch in diesem Sektor sparen

Foto: dpa

Konsum

+ Niedrige Arbeitslosenquote treibt privaten Konsum
+ Bedeutung von Smartphones für Informations-, Bestell- und Bezahlprozesse beim Einkaufen wächst weiter

- Modeketten und Warenhäuser kämpfen ums Überleben

Foto: dpa

Versicherungen

+ Rückenwind durch günstiges volkswirtschaftliches Umfeld
+ Steigende Preise in der Schaden- und Unfallversicherung
+ Verbessertes Risikomanagement durch schrittweise Umstellung auf neues Aufsichtsrecht nach Richtlinie Solvency II

- Niedrige Zinsen verschärfen Druck auf Lebensversicherer
- Höhere Schaden-Kosten-Quoten bei Schaden- und Unfallversicherern im abgelaufenen Jahr

Foto: dpa

Bau

+ Immobilieninvestitionen bleiben attraktiv – kaum Alternativen
+ Die Netto-Zuwanderung beflügelt den Wohnungsbau
+ Kommunen investieren verstärkt in die Infrastruktur

- Der Mangel an Fachkräften und Azubis wird zum Bremsfaktor

Foto: dpa

Automobil

+ Leichte Erholung der Pkw-Nachfrage in Europa
+ Starke Nachfrage nach deutschen Premiumautos weltweit Kraftstoffpreise bleiben stabil
+ Flut neuer Modelle mit sparsamen Antrieben

- Weiter steigende Strompreise erhöhen die Herstellungskosten
- Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns
- Eingriffe der Politik in Leih- und Zeitarbeit sowie Werkverträge

Foto: dpa

Banken

+ Die Banken profitieren vom Wachstum der Gesamtwirtschaft

- Niedrigzinsen belasten einlagenstarke Institute, leicht verbessertes Wertpapiergeschäft kann dies kaum ausgleichen
- Regulierung zwingt dazu, das Geschäft zu verkleinern
- Der Kostendruck bleibt hoch, die Folge ist Stellenabbau

Quellen: Branchenverbände, ifo Institut, KPMG, Moody’s, ZenithOptimedia, eigene Recherchen

Foto: dpa
Zukunftsbranchen

Hier haben deutsche Unternehmen die Nase vorn

Mit der richtigen Kultur fließt sozusagen die Strategie durch alle Adern, ist fest in der DNA verankert, wird intuitiv, nicht reaktiv, gedacht und gehandelt.

Mit der richtigen Kultur muss man sich nicht zu jedem noch so nichtigen Anlass eine neue Strategie ausdenken.

Hätten zum Beispiel Parteien eine überzeugende, gelebte Kultur, müssten sie nicht hektisch in den letzten drei Wochen einer vierjährigen Legislaturperiode Wahlkampf machen.

Man würde einfach jeden Tag merken, wofür die Partei steht, was ihre Prioritäten und Werte sind, wofür sie sich starkmacht. Was sie atmet und lebt.

Hätte zum Beispiel Daimler keine Profitmaximierungsstrategie, sondern eine Mobilitätskultur in den Genen, könnte ich den Düsseldorfer Car2Go-Smart in Köln, et al. abgeben.

Hätte Daimler keine e-Auto-Strategie (oder was sie dafür halten) , sondern eine konzernweite e-Kultur, gäbe es bei Car2Go ausschließlich elektrische Smarts.

Schlimmer noch: es muss doch fast Strategie sein, eben keine e-Smarts bei Car2Go anzubieten, oder!?

Hätte die Telekom zum Beispiel keine Entertain-Strategie (siehe oben) sondern würde Film und Kino in ihrer DNA spüren, hätte sie vielleicht exklusive Output-Deals mit Hollywood, böte all die phantastischen amerikanischen und englischen Serien der letzten Jahre exklusiv an.

Hätte zum Beispiel Herr Grube als Bahn-Vorstand nicht eine Weltmarktführer-Strategie, sondern machte die Zufriedenheit seiner Kunden zum Nukleus seines Handelns, würde er nicht Herrn Pofalla jährlich anderthalb Millionen Euro hinterherwerfen wollen.

Kultur ist gelebtes und relevantes strategisches Denken, distinktives Denken, gelebte 'Gute Vorsätze'. Jeden Tag. Nicht erst am Silvesterabend um 5vor12.

Das war schon immer so. Das hat nur keiner gemerkt. Die Besten leben Kultur einfach, ohne großes Aufhebens. Der Durchschnitt lebt lieber nach der strengen (Strategie-)Lehre der letzten 60 Jahre. Liest die gleichen Bücher, studiert den gleichen Mist, macht den gleichen Murks. Theoretisiert, aber lebt nicht.

Apple ist Kultur, bis in die Fingerspitzen.

Microsoft ist eine Strategie nach der anderen.

Kultur ist, was die Besten auf ein Fingerschnipsen unbewusst und reflexartig reproduzieren, individualisieren, innovieren. Kultur ist Bauch, ist Intuition, ist Empathie. Ist Praxis. Kultur ist, was uns verbindet. Was uns gemeinsam stärker und zukunftsfähig macht. Kultur ist die neue Strategie.

Think about it, my dear CEOs.

Dem Autor auf Twitter folgen: @leadculture

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