WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Anzeige: Für sämtliche Inhalte dieser Seite ist SEAT verantwortlich.

Fahrbericht SEAT Arona 1.0 TGI Wie fährt ein SEAT mit Erdgas?

Quelle: Janik Osthöver

Umweltschonend, modern, bezahlbar: Der SEAT Arona TGI vereint Attribute, die nur selten gemeinsam auftauchen. Die Spanier bedienen mit dem Erdgasantrieb auf dem Papier erfolgreich eine Nische. Doch hält das City-SUV auch auf der Straße, was es verspricht?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Seit 2017 erfreut der kleine Crossover SEAT Arona die Herzen und Augen all jener, die in der Stadt mit einem kompakten und gefälligen Auto unterwegs sein wollen. Fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest, Red Dot Award für das beste Produktdesign, Sieg bei der Wahl zum Firmenauto des Jahres in der Klein-SUV-Wertung der Importeure: Es läuft für den Arona. Das zeigen auch die bisher mehr als 37.000 Neuzulassungen seit seiner Markteinführung – allein in Deutschland. In diesem Jahr dann legte der Autobauer ein alternatives Antriebskonzept mit ins Regal: Statt Benzin oder Diesel setzt der SEAT Arona 1.0 TGI (SEAT Arona 1.0 TGI 66 kW (90 PS) Kraftstoffverbrauch Erdgas (CNG), kombiniert: 3,7 kg/100 km; CO₂-Emissionen, kombiniert: 101 g/km; CO₂-Effizienzklasse: A*) auf Erdgas als Kraftstoff.

SEAT Arona 1.0 TGI 66 kW (90 PS) Kraftstoffverbrauch Erdgas (CNG), kombiniert: 3,7 kg/100 km; CO₂-Emissionen, kombiniert: 101 g/km; CO₂-Effizienzklasse: A* Quelle: Janik Osthöver

Erdgas, genauer CNG (Compressed Natural Gas), nutzten auch schon einige SEAT-Modelle vor dem Arona. CNG steht übrigens nicht allein für den Betrieb mit Erdgas. Dessen Hauptbestandteil Methan kann zum Beispiel auch durch das kontrollierte Verfaulen von Bioabfällen gewonnen werden, was diesen Brennstoff besonders umweltfreundlich macht. Diese CNG-Antriebe, bei SEAT heißen sie TGI, sind aber weniger Menschen bekannt als der Betrieb mit Benzin oder Diesel. Schuld sind daran auch falsche Vorurteile, mit denen das Antriebskonzept zu kämpfen hat. Unsere Erfahrung zeigt jedoch: Am Alltags-Handling der Technologie liegt es nicht.

Wer in den Testwagen einsteigt, ist zunächst überrascht von all den Extras, die der 4,14 Meter kurze Spanier unter anderem bietet: Alcantara-Sportsitze, großes Navigationsgerät, Tempomat mit Abstandsregler. Sportlich schön sind die roten Kontrastnähe auf Sitzen, abgeflachtem Lenkrad, Armaturenbrett und Seitenverkleidungen. Ein kurzer Blick aufs Exterieur: getönte Scheiben ab Sitzreihe zwei, Rückfahrkamera, Parkpiepser rundherum, 17-Zoll-Alu-Felgen und gleißend helle Voll-LED-Scheinwerfer. Hier fehlt es an nichts.

In der City fühlt sich der Arona wohl

Außen kündet einzig die Motorenbezeichnung „TGI“ am Heck davon, dass dieser Arona sauberer unterwegs ist als alle anderen. Innen machen auf den zweiten Blick allenfalls die zwei Tankanzeigen stutzig, dass hier kein gewohnter Benzin- oder Diesel-Motor seine Arbeit verrichtet. Zwei? Ja, denn das City-SUV beherbergt neben drei Gastanks auch noch einen 9-Liter-Tank für Benzin, der es im Fall der Fälle auch ohne Gas-Tankstelle ans Ziel bringt. Doch grau ist alle Theorie, „Desire“-Rot (650 Euro Aufpreis) ist die Praxis. Also Startknopf drücken und los geht’s.

Der Dreizylinder dringt dann und wann zu den Ohren der Passagiere durch, doch das stört in der Stadt im Grunde nicht viel weiter. Auf den ersten Kilometern fällt auf, dass der kleine Motor ein erfreulich kurz übersetztes Sechsgang-Getriebe zur Seite gestellt bekommen hat. So kann er einigermaßen frei und zügig hochdrehen, will im Gegenzug aber öfter geschaltet werden, vor allem auf der Landstraße. Etwas zu optimistisch in die Kurve eingelenkt? Im Arona kein Problem: Dank 205er-Reifen bleibt er lange der gutmütige Untersteuerer, ehe das Heck kurz leicht wird und das ESP alles im Griff behält.

Während unserer Testkilometer fällt auf, dass das Ein-Liter-Aggregat besonders zwischen 1.800 und 3.800 Touren lebt. Die 90 PS stehen ab 4.500 Umdrehungen zur Verfügung, was aber nur dann ein gelegentliches Runterschalten erfordert, wenn einen die Ungeduld packt. Schlimm ist das nicht, denn sowohl in der Stadt als auch auf Landstraßen und Autobahn reicht die Leistung in den allermeisten Situationen vollkommen aus. Wer mehr Drehmoment als die 160 Newtonmeter des Arona TGI will, greift entweder zum 1.0 TSI mit 115 PS (Benzin) oder zum 1.6 TDI mit 95 PS und 250 Newtonmetern (Diesel).

Sauberer als mit CNG kann man den Arona aber derzeit nicht fahren: Im Vergleich zu Benziner oder Diesel erzeugt das Gas-SUV bis zu 25 Prozent weniger CO2-Emissionen, bis zu 95 Prozent weniger Stickoxide und so gut wie gar keine Rußpartikel. Und günstiger ist das Tanken außerdem: SEAT gibt bis zu 30 Prozent Ersparnis gegenüber Diesel und bis zu 50 Prozent geringere Kosten bei Benzin an. Bevor wir das nachprüfen können, muss der Gastank jedoch erst mal geleert werden.

Was passiert beim Wechsel von Gas auf Benzin?

Rund 280 Kilometer fahren wir zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Freunden eine halbe Autobahnstunde entfernt. Die erste Hinweis, dass sich die CNG-Vorräte dem Ende neigen, erscheint bei circa 50 Kilometern Restreichweite. Dann wird es ernst. Beim Starten des Motors erscheint die kleine Warnung im Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Nur noch 20 Kilometer soll uns das verbliebene Erdgas im Tank bewegen können. Als diese nach 10 Kilometern Stadt- und ebenso vielen Kilometern Autobahnverkehr zu einer ehrfürchtig erscheinenden Null werden, passiert: nichts.

Der CNG-Vorrat trägt weiter, und zwar exakt zehn ruhige Autobahnkilometer. Zuvor tauschte der letzte LED-Balken der CNG-Tankanzeige erst seine weiße Farbe gegen Rot, dann begann er zu blinken und erlosch schließlich gemeinsam mit dem grünen CNG-Symbol im Drehzahlmesser. Ab jetzt greift Plan B, nämlich das Fahren mit dem Reservebenzin. Ohne das Wechselspiel der Anzeigen wäre nicht mal aufgefallen, dass der Arona vom gasförmigen auf flüssigen Treibstoff umgestellt hat. Gut so!

Wenig später an einer der rund 850 Tankstellen in Deutschland, die auch eine CNG-Zapfsäule haben. Platz für gut 13,8 Kilogramm Erdgas verspricht SEAT für den Arona. Das Tanken selbst ist kaum anders als bei Benzin oder Diesel: Tankdeckel öffnen, Tankkupplung auf das Tankventil drücken und einrasten lassen, Startknopf an der CNG-Zapfsäule drücken. In rund drei Minuten finden bei unserem Test sogar 14,5 Kilogramm Gas ihren Weg in den Arona-Tank – für 16,83 Euro (1,159 Euro/kg). Beim Abziehen der Tankkupplung kann es flüchtig nach Gas riechen, das beim Druckausgleich aus der Kupplung entweicht. Das ist völlig harmlos, so wie die Gerüche beim Tanken von Benzin oder Diesel.

Die größere Füllmenge in unserem Test ist mit einem etwas höhen Druck auf der Gasleitung, an die die Tankstelle angeschlossen ist, zu erklären. Sicherheitsbedenken sind selbst bei etwas höheren Drücken unbegründet: Die Tanks im Arona TGI halten einer Belastung von bis zu 600 bar stand, dem Dreifachen dessen, was beim Betanken als Standard gilt.

Ideal für Pendler und urbane Individualisten

Dreiviertel seiner Kilometer hat unser Test-Arona – eher schneller als langsamer – auf der Autobahn erlebt, bei einem Durchschnittsverbrauch von 4,82 kg Erdgas pro 100 Kilometern (SEAT-Angabe außerorts: 3,1 kg nach NEFZ). In der Stadt bewegten wir den kleinen Crossover meist durch die Rushhour statt im fließenden Stadtverkehr mit sechs bis sieben Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometern (Werksangabe innerorts: 4,4 kg nach NEFZ). Auch die höherliegenden, alltagsnäheren Verbrauchsangaben nach WLTP-Standard von bis zu 4,1 Kilogramm pro 100 Kilometer (kombiniert) schafften wir mit unserer Fahrweise unter diesen Bedingungen logischerweise nicht. An der Effizienz der Erdgas-Technologie ändert das nichts, schließlich hätten wir ja auch mit einem Benziner oder Diesel die Normwerte wahrscheinlich nicht erreicht.

Der SEAT Arona TGI 1.0 zeigt über rund 600 Testkilometer, dass das moderne und saubere CNG-Konzept alltagstauglich daherkommt. Mit einem Grundpreis von 20.320 Euro rangiert er zwischen den etwa vergleichbaren Benzin- und Diesel-Modellpendants. Bei den Kosten fürs Tanken und den CO2-Emissionen unterbietet er sie jedoch deutlich. Abstriche müssen Arona-TGI-Fahrer lediglich beim Ladevolumen machen. Durch die Gastanks schrumpft der 400-Liter-Kofferraum auf nutzwertige 282 Liter Restkapazität. Für wen umweltschonenderes Autofahren in der Stadt oder auch beim Pendeln zwischen zwei Städten an erster Stelle steht, bekommt mit dem City-SUV genau die richtige Mischung aus Nutzwert, Umweltbilanz und sportliches Design.

SEAT Arona 1.0 TGI 66 kW (90 PS) Kraftstoffverbrauch Erdgas (CNG), kombiniert: 3,7 kg/100 km; CO₂-Emissionen, kombiniert: 101 g/km; CO₂-Effizienzklasse: A*

*„Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen, spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Str. 1, 73760 Ostfildern-Scharnhausen (www.dat.de) unentgeltlich erhältlich ist.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?