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China-Investments Mit Aktien auf Chinas Währung wetten

Anleger, die auf eine mögliche Aufwertung des Yuan setzen wollen, kaufen am besten Aktien. Was Anleger bei der Auswahl beachten sollten.

Eine vielversprechende chinesische Aktie ist zum Beispiel die von China Mobile, dem größten Mobilfunkbetreiber des Landes. Quelle: handelsblatt.com

Es gibt in der Geschichte kein Beispiel für eine erfolgreiche Volkswirtschaft mit einer schwachen Währung. Ist die Wirtschaft wettbewerbsfähig, sind Unternehmen und Währung stark. Aktien aus starken Währungsräumen bieten sich deshalb als Depotbaustein an. Das gilt auch für chinesische Yuan-Aktien.

Für den langfristigen Anlageerfolg ist in hohem Maße entscheidend, in welchen Währungsraum investiert wird. So holte ein Anleger, der in D-Mark abrechnete, zwischen 1980 und 2000 aus einen Engagement in Unternehmen des S&P 500 fast 2600 Prozent Gewinn. Die Hälfte dieses Zuwachses bescherten Währungsgewinne aufgrund des starken Dollar. Umgekehrt liegen Euro-Anleger mit US-Aktien seit 2001 noch um etwa ein Drittel unter Wasser.

Aktien: Binnenwerte bevorzugt

Bei der Auswahl einzelner Aktien muss beachtet werden, wie weit positive Währungseffekte aus Sicht des ausländischen Investors durch negative Einflüsse auf das Geschäft des Unternehmens ausgehebelt werden können. Eine starke Aufwertung des Yuan könnte für ein chinesisches Unternehmen mit stark exportabhängigem Geschäftsmodell und ohnehin schon geringen Gewinnspannen das Aus bedeuten. Attraktiv für eine Aufwertungsspekulation sind deshalb Unternehmen, die auf den chinesischen Binnenmarkt ausgerichtet sind und weitgehend stabile Mittelzuflüsse haben. Dazu zählen etwa Mautbetreiber, Telekomgesellschaften oder Internet-Unternehmen. Mitunter bieten diese ordentliche Dividenden. Ausschüttungen verkürzen etwa Aktionären des weltgrößten Mobilfunkers China Mobile die Wartezeit bis zur Aufwertung des Yuan.

Wegen des hohen Inflationsdrucks wird die chinesische Regierung an einer Aufwertung der heimischen Währung nicht vorbeikommen, sagen viele Ökonomen. Eine Aufwertung entwertete aber die hohen Währungsreserven, die das Land aufgebaut hat. Deshalb wird China versuchen, möglichst viel dieser Reserven vor einer Abwertung zu schützen und zu investieren – vor allem in die Sicherung der Rohstoffversorgung. Rohstoffunternehmen wie etwa der Ölgigant Petrochina werden die Schlagzahl bei ihrer Einkaufstour im Ausland erhöhen. Wie alle für eine Aufwertungsspekulation geeigneten Titel, wird auch Petrochina sowohl in Hongkong als auch an deutschen Börsen gehandelt.

Anleihen: Nur für Profis

Ungleich schwerer zu bekommen sind Yuan-Anleihen. Im März platzierte der Konsumgüterkonzern Unilever als erstes europäisches Unternehmen eine Anleihe in Yuan. Das dreijährige Papier über 300 Millionen Yuan (33 Millionen Euro) verzinst sich mit 1,15 Prozent. Vorreiter dieser sogenannten Dim-Sum-Anleihen internationaler Konzerne waren im vergangenen Jahr Caterpillar und McDonald’s. Dim Sum stammt aus der kantonesischen Küche und bedeutet „kleine Leckerbissen“. Problem: Deutsche Privatanleger kommen an die Bissen nicht ran. Sie wurden in Mindeststückelung ab umgerechnet gut 50 000 Euro aufgelegt, sind nicht börsengehandelt und gingen nur an institutionelle Investoren. Eine Alternative sind Asien-Rentenfonds, doch diese haben wiederum in der Regel nur einen kleinen Yuan-Anteil von um die zehn Prozent.

„In Chinas Währung investieren mit 100 Prozent Kapitalschutz zum Laufzeitende“ – mit solchen Versprechen locken Yuan-Anleihe-Zertifikate der schottischen RBS. Die Zertifikate spielen den Yuan zwar über Bande, indem sie sich auf das Dollar-Yuan-Verhältnis beziehen, das von der chinesischen Notenbank überwacht wird. Da aber die Schwankungen zwischen Euro und Dollar über eine zusätzliche Währungssicherung ausgeschaltet werden, bekommen Euro-Anleger den Yuan ziemlich pur. Trotzdem sind bisher sieben Prozent Verlust aufgelaufen – obwohl der Dollar zum Yuan in der gleichen Zeit um rund vier Prozent abgewertet wurde.

Grund für das schwache Ergebnis ist die Konstruktion des Zertifikats. Von seinem Aufbau ist es ein Garantiezertifikat – und diese Papiere reagieren empfindlich auf Zinssteigerungen, weil der Großteil des Geldes in einer Anleihe steckt, deren Kurs bei anziehenden Zinsen nachgibt. Nur ein kleiner Teil des Geldes fließt in die eigentliche Währungsspekulation. Erst am Ende der Laufzeit geht das Spiel auf, dann bringt das Zertifikat mögliche Yuan-Gewinne eins zu eins. Wenn nicht, zahlt die Emittentin den Nennwert zu 100 Prozent zurück. Wer nun aber bei Kursen um 90 Euro eine risikolose Spekulation wittert, der irrt – das Papier ist derzeit ausverkauft.

Angebote der Commerzbank

Vielversprechend sehen neue Yuan-Zinszertifikate ohne Laufzeitgrenze der Commerzbank aus. Sie kombinieren, ähnlich wie bei einer Geldmarktanlage, die Fremdwährung und die kurzfristigen Zinsen eines Landes. Weil der Yuan aber noch nicht real an den Kapitalmärkten gehandelt wird, liegt dem Zertifikat ein künstlicher Index mit einer komplizierten Zinsstruktur und erheblichen Transaktionskosten zugrunde. Unterm Strich kann es statt zu einer Zinszahlung sogar zu Abzügen vom eigentlichen Wert des Währungsinvestments kommen. Genau deshalb ist das Papier seit Emission vor wenigen Wochen schon ins Minus geraten.

Emissionsbanken tüfteln aktuell an neuen Konstruktionen, mit denen die Entwicklung zwischen Yuan und Euro besser wiedergegeben werden kann als mit den bisherigen Papieren. Eine direkte Wette auf den Yuan ermöglichen Dollar-Yuan-Verkaufsoptionen (Puts). Wer zur Emission einstieg, liegt derzeit aber noch in den roten Zahlen. Da die Schwankungen zwischen Yuan und Dollar bisher nur moderat ausfallen, sind die Papiere billig. Sollten die Schwankungen des Yuan zunehmen, werden die Optionen teurer – unabhängig von der allgemeinen Marktrichtung. Die Papiere laufen noch bis Mitte 2012. Das könnte reichen, die Spekulation von rot auf schwarz zu drehen.

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