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Sichere Anlagen Suche nach der richtigen Kombination

Sie heißen Garant, Safe, Kapitalschutz oder Secur: Wer sich als Privatanleger im Moment durch das Produktangebot der Fondsgesellschaften und Zertifikateanbieter arbeitet, der bemerkt schnell, was dort besonders gefragt ist. Das Thema Sicherheit steht bei den meisten Anlegern derart hoch im Kurs, dass der Markt für diese Produkte inzwischen schier unendlich erscheint. Und ständig kommen neue hinzu.

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Zahlenschloss am Tresor: Investoren horten ihr Geld derzeit am liebsten in kurzfristigen Anlagen, die kein Verlustrisiko bergen. Quelle: dpa

FRANKFURT. Dabei verhalten sich die Anleger mit ihrem Streben nach Sicherheit auf den ersten Blick äußerst rational. Das Zusammenspiel aus Finanzmarktkrise, den teils heftigen und kaum begründbaren Kursausschlägen an den Börsen in den letzten Wochen und Monaten, dem langen Auf- und jüngsten Abstieg von Rohstoffen, Euro und Emerging Markets haben den Trend zur Sicherheit verstärkt. "Für Anleger wird es immer schwieriger durchzublicken, warum die Marktschwankungen immer deutlicher ausfallen", sagt Henning Gebhardt, Leiter deutsche Aktien bei der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS.

Der Run auf festverzinsliche Anleihen, Geldmarktpapiere sowie auf Fonds und Zertifikate mit Kapitalerhalt ist somit schlicht dem Umstand zu verdanken, dass viele Anleger keine Lust und Zeit mehr aufbringen wollen, sich diesem nervenaufreibenden und oft kaum nachvollziehbaren Spiel an den Märkten zu stellen. Zumal die konjunkturellen Aussichten kaum den Anschein erwecken, dass ein Strategieschwenk in Richtung spekulativerer Anlagen wie beispielsweise Aktien deutlich mehr Rendite bringen würde. Das bestätigte auch der schwache Ifo-Geschäftsklimaindex diese Woche. "Das war sicherlich mehr als nur ein Stimmungsdämpfer", sagt Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der BayernLB.

Hier zeigt sich aber auch das ganze Dilemma, in dem Anleger derzeit stecken. Setzen sie auf sichere Anlageprodukte, haben sie zwar kein Verlustrisiko. Ein Minus von über 20 Prozent, das sie beispielsweise bei den 30 größten deutschen Aktien des Deutschen Aktienindexes (Dax) hinnehmen mussten, schlägt bei ihnen nicht zu Buche. Die Rendite, die sie damit erzielen, ist jedoch kaum mehr als ein Ausgleich für die im Moment hohe Inflationsrate von über drei Prozent. Vorausgesetzt, sie investieren ihr Geld nicht auf der noch immer beliebtesten Sparform der Deutschen - dem Sparbuch mit gesetzlicher Kündigungsfrist von drei Monaten. Das bringt meist nur ein Prozent oder etwas darüber, so dass Sparer hier inflationsbereinigt sogar Geld verlieren.

Eines muss Anlegern indes auch klar sein: Wer Sicherheit will, der verzichtet damit auch auf mögliche Rendite. Mit die interessanteste Variante, den "Zinsfresser" Inflation wettzumachen und dabei noch etwas Rendite zu erzielen, sind Unternehmensanleihen. Die haben zwar seit ihrem Hoch im Juni, als sie im Schnitt deutlich mehr als sechs Prozent Rendite abgeworfen haben, an Attraktivität verloren. Wer mehr will, der muss auch hier mehr Risiko in Kauf nehmen und sogenannte "Ramsch-Anleihen" kaufen. Interessant ist aber beispielsweise der Mittelweg zwischen einer attraktiven Rendite und einem überschaubaren Risiko. Die Papiere von Heidelberg Cement stehen mit einer Note von BBB- von der Ratingagentur Standard & Poors zwar nicht unbedingt für Anleihen höchster Qualität. Mit einer Rendite von über sieben Prozent, die sie abwerfen, sind sie jedoch ein echter Hingucker.

Nicht unterschätzen sollten Anleger das Thema Gebühren. Wer Unternehmensanleihen kauft, der sollte sie nicht nur als kurzfristiges Spekulationsobjekt oder gar als Parkmöglichkeit in unruhigen Börsenphasen sehen. Dafür schlagen die Gebühren für Kauf und Verkauf zu sehr zu Buche. Außerdem sind Unternehmensanleihen dann am interessantesten, wenn sie bis zur Fälligkeit gehalten werden. Die ist bei den meisten Papieren erst in vier bis acht Jahren erreicht, manchmal sogar noch später. Wer bis dahin durchhält, dem können auch kurzfristige Kursschwankungen dieser Papiere egal zu sein, bekommt er sein eingesetztes Kapital doch am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent zurück. "Die in diesem Fall fällige absolute Rendite ist für Anleger interessant", loben beispielsweise die Experten von BNP Paribas.

Das nutzt hingegen Anlegern mit einem kürzeren Zeithorizont wenig. Für sie ist es unter Sicherheitsaspekten im Moment am besten, auf Tagesgeld oder Festgeld mit einem Horizont von einem bis zu sechs Monaten zu setzen. 4,5 Prozent sind dabei immer drin, bei Lockangeboten kurzzeitig sogar mehr als fünf Prozent. Doch auch hier gilt: Je mehr Rendite versprochen wird, umso unsicherer sind die Einlagen. Beispielsweise bei Adressen wie der isländischen Kaupthing Bank, die derzeit mit ihrem Angebot von 5,65 Prozent an der Spitze steht. Der Nachteil: Nur ein Betrag bis zu 20 887 Euro ist durch den isländischen Einlagensicherungsfonds zu 100 Prozent abgesichert.

Wer gerne mehr Geld ausfallsicher anlegen würde, der muss sich bei bekannteren Banken mit etwas weniger Zins begnügen. Oder er legt sein Geld direkt beim Staat an. Tagesanleihe heißt das neue Produkt, mit dem der Bund seit diesem Jahr die Anleger lockt. Das ist zum jeweiligen Tageskurs schon ab Beträgen von 50 Euro möglich und bringt aktuell knapp vier Prozent. Weil vielen Deutschen derzeit wenig Rendite lieber ist als ein möglicher Kursverfall am Aktienmarkt, erfreut sich der Neuling seit Anbeginn großer Beliebtheit. Ob ein oft ähnlich strukturiertes Angebot bei der Hausbank mehr verspricht, lässt sich in der Regel leicht herausfinden.

Gleiches gilt natürlich für etwas länger laufende Anlagen des Bundes wie Finanzierungsschätze, Bundesschatzbriefe oder Bundesobligationen. Die heißen bei Banken oder Sparkassen dann Spar(kassen)brief, Zuwachssparen oder Sparobligation. Die Renditen liegen in den meisten Fällen bei nicht eben berauschenden vier Prozent.

Viel mehr werden es allerdings auch bei vielen defensiv ausgerichteten Fonds und Zertifikaten nicht. Beispielsweise hat der Zschaber Strategie Defensiv seit November vergangenen Jahres eine Rendite von etwa 3,3 Prozent erwirtschaftet. Dieser Dachfonds investiert bewusst nicht in Aktienfonds, sondern beispielsweise in Offene Immobilien-, Renten-, Geldmarkt- oder Währungsfonds. "Wir erachten die derzeitigen Fondsgewichtungen weiter als sehr interessant, da weder die US-Subprimekrise noch die schwankungsstarken Aktienmärkte 2008 die Entwicklung negativ beeinflusste", sagt Fondsmanager Markus Zschaber.

Eines ist schon jetzt klar: Produkte mit hohen Sicherheitsausstattungen werden in Zukunft eher einen noch größeren Zulauf erfahren als bisher schon. Versprechen doch die weiteren Aussichten vor allem eines: Unsichere Märkte.

Fallstricke

Rendite

Der Ertrag sicherer Geldanlagen entspricht gewöhnlich nie dem, der bei höherem Risiko möglich ist. Die Devise kann deshalb nur lauten: für die Langfristanlage mehr Risiko und damit mehr Rendite, für die Kurzfristanlage Sicherheit und weniger Ertrag.

Inflation

Bei Inflationsraten von über drei Prozent, wie sie dieses Jahr in Deutschland herrschen, frisst die Teuerungsrate bereits einen Großteil der Renditen sicherer Anlagen. Investoren sollten deshalb diesen Wert stets von den Renditeversprechen sicherer Anlageprodukte abziehen. So erhalten sie einen klaren Blick auf das, was von der Rendite tatsächlich übrig bleibt.

Gebühren

Sichere Geldanlagen eignen sich nicht für kurzfristiges Umschichten. Dafür werden zu hohe Gebühren fällig, die auf die ohnehin nicht üppigen Renditen drücken. Besser ist es, nur den Teil des Portfolios in kurzfristige Anlagen zu stecken, der tatsächlich in einem übersichtlichen Zeitrahmen von ein bis drei Jahren gebraucht wird, den Rest aber langfristig anzulegen.

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