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Ärger im JobWer sich ärgert, hängt sich mehr rein

Ärger im Job muss nicht nur negativ sein, wie eine Studie zeigt. Wer sich mit seinem Arbeitgeber identifiziert, wird sogar produktiver, wenn er sich ärgert. Statt zu schmollen, heißt es dann: "Jetzt erst recht." 07.06.2016 - 11:54 Uhr

Durchatmen

Wenn das Blut kocht, sollten Sie tief durchatmen und bis zehn zählen. In einigen Fällen auch bis 50. Atmen Sie nach der 4–6–8-Methode: Langsam einatmen, bis vier zählen, Luft anhalten, bis sechs zählen, langsam ausatmen und bis acht zählen. Das Ganze wiederholen Sie fünf Mal. Mit der Übung können Sie Ärger genauso wegatmen wie Stress.

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Analysieren und einordnen

Wenn Sie spüren, wie die Wut wächst, machen Sie einen Schritt zur Seite und fragen Sie sich, was Sie auf die Palme treibt. Jeder Ärger beginnt im eigenen Kopf. Indem Sie die erlebte Kränkung bewusst auf das Niveau holen, das ihr zusteht, bringen Sie auch Ihren Groll wieder auf ein Normalmaß. Womöglich stecken hinter der teuflischen Gemeinheit des Kollegen nur Schusseligkeit und Naivität.

Und denken Sie daran: Rache ist zwar oft der erste Impuls auf das Ärgernis, sie hat aber noch nie geholfen. „Wenn die Wut wächst, denke an die Konsequenzen”, mahnte Konfuzius. Wenn Sie Ihren Blick auf die Zukunft richten, werden Sie erkennen, welche Reaktion die beste ist.

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Schweigen

Solange Sie vor Wut schnauben, sollten Sie die Klappe halten. Schon im eigenen Interesse. Ärger kann zum Boomerang werden, wenn man seine Zunge nicht im Zaum hält. Umgekehrt gilt das freilich auch für den Umgang mit Wüterichen: „Mit einem Vulkan ist nicht zu reden“, wusste schon Ernst Jünger.

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Überhören

Richtig gelesen: Es ist ein Zeichen von Reife, wenn Sie nicht auf jeden Fehdehandschuh reagieren. So manches Ärgernis lässt sich aus der Welt schaffen, indem Sie auf einem Ohr taub bleiben.

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Reden

Konsultieren Sie einen guten Freund und schütten Sie diesem Ihr Herz aus. Reden baut Stress und Ärger ab – es hilft aber auch, die Gedanken zu sortieren. Seien Sie aber vorsichtig, wem Sie sich anvertrauen. Der Kollege gegenüber ist nicht immer der beste Ratgeber, womöglich nutzt er die Gelegenheit, um die Information später gegen Sie zu verwenden.

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Trinken

Keinen Alkohol, sondern ein Glas Wasser. Dieser einfache Trick sorgt dafür, dass Sie Ihren Ärger sprichwörtlich wegspülen.

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Bewegen

Körperliche Aktivität ist die beste Medizin. Sie baut Stresshormone ab und schafft Distanz zu den Problemen. Spazieren Sie eine Runde um den Block und stampfen Sie Ihre Wut in Grund und Boden.

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Progressive Muskelrelaxation

Die Methode hat der Schwede Edmund Jacobson entwickelt. Dabei geht es darum, einzelne Muskelgruppen der Reihe nach gezielt anzuspannen, um sie sodann abrupt wieder zu lösen. So lässt sich der Körper binnen weniger Minuten vollständig entspannen.

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Vergeben

Ohne Vergebung ist man am Ende nur noch von Feinden umgeben. Die Vergangenheit können Sie nicht ändern, die Zukunft schon. Wer anfängt, in seinem Feind einen Menschen zu erkennen, der ebenso Motive wie Macken hat, gewinnt Verständnis.

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Stressiger Chef, nervige Kollegen: Im Berufsalltag lässt sich nicht jedem Ärgernis aus dem Weg gehen. Das kann, muss aber nicht negativ sein, wie die WHU - Otto Beisheim School of Management herausgefunden hat. In einer Studie haben Jochen Menges, Professor an der privaten Wirtschaftshochschule, Samantha Conroy von der Colorado State University und William Becker von der Virginia Tech Academy of Management untersucht, wie sich Ärger im Job auf die Arbeitshaltung und die Produktivität auswirkt.

Wohlgemerkt Ärger, keine ernsthaften Konflikte. Letztere können Unternehmen nämlich richtig teuer zu stehen kommen und Mitarbeiter auf Dauer krank machen. Jedenfalls, wenn sie nicht vorher kündigen.

Wer aber nur handelsüblichen Ärger im Beruf hat, kann den dagegen zum Wohle der Firma nutzen - jedenfalls, wenn er sich mit seinem Unternehmen identifiziert. So zumindest das Ergebnis der WHU-Studie. "Für Menschen, die sich stark mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, ist Ärger in der Firma auch immer ein wenig Selbstvorwurf, da sie sich selbst als Teil der Organisation empfinden", so Menges. "Daher neigen sie eher dazu, etwas zum Positiven verändern zu wollen - im Sinne der Firma", erklärt Menges, Leiter des Lehrstuhls für Führung und Personalmanagement an der WHU. Wer seinem Arbeitgeber dagegen nicht oder weniger loyal gegenüber steht, der schreibt eher eine Kündigung, wenn er sich oft ärgert.

Mit wem wir uns im Beruf am häufigsten streiten
Je mehr ein Mensch mit einem anderen zu tun hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie aneinander geraten. Entsprechend gaben 37 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage "Streit - erfolgreich oder folgenreich" der IHK Frankfurt an, sich häufig mit Kollegen beziehungsweise Mitarbeitern zu streiten.
Mehr als ein Drittel gab an, sich häufig mit Führungskräften zu streiten.
Ein Viertel sagte, dass sie häufig mit der Geschäftsleitung aneinander geraten.
23 Prozent streiten sich häufig mit Kunden.
Bei 14 Prozent sind Zulieferer ein häufiger Streitgrund und -partner.
Elf Prozent streiten sich häufig mit Behörden, mit denen sie beruflich zu tun haben.
Jeweils sieben Prozent gaben an, sich mit Gesellschaftern beziehungsweise Kooperationspartnern in die Haare zu kriegen.
Nur drei Prozent geraten häufig mit Kapitalgebern und Banken aneinander.

Daraus lassen sich zwei Dinge ableiten:

1. Unternehmen können aufhören, mit Gewalt alle auf Harmonie zu drillen. In der öffentlichen Meinung herrscht die Annahme, dass nur positive Emotionen zu konstruktiven Ansätzen im Arbeitsalltag führen. Negativen Gefühlen wird eher destruktiver Einfluss auf den Arbeitgeber zugeschrieben. Zwar lässt sich gegen gute Laune nichts einwenden und auch Teambildungs- und Motivationsmaßnahmen schaden sicher nicht, aber Kritik, Streit und negative Gefühle gehören zum Leben, also auch zum Arbeiten dazu und sollten nicht krampfhaft unterdrückt werden. Angestaute Wut ist nämlich auch nicht gut. Die trägt man schlimmstenfalls mit nach Hause.

2. Gefühle im Job zulassen. "Unsere Studie belegt, dass Firmen vor allem darauf setzen sollten, die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber zu stärken. Das ist besser als Firmenkulturen zu schaffen, die rein auf positive Emotionen setzen und jeden Ausdruck von Ärger oder anderen unangenehmen Emotionen schelten", sagt Menges. "Wer seinem Arbeitgeber gegenüber loyal ist und Ärger empfindet, nutzt diese Gefühle, um sich bei der Arbeit stärker einzubringen und die Probleme, die den Ärger ausgelöst haben, zu beseitigen." Ein klarer Fall von: Jetzt erst recht.

Das gelte übrigens auch für positive Gefühle - und für Eigenschaften wie Stolz. Wenn Mitarbeiter Emotionen ausdrücken, positive wie negative, dann hieße das, dass ihnen ihr Anliegen und ihre Arbeit wichtig sind - das sei begrüßenswert. Wenn sie sich zudem mit ihrer Firma identifizieren, würde das Verhalten, das sich aus den Emotionen ergibt, meist dem Arbeitgeber nutzen und nicht schaden.

ked
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