WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push

E-Learning Besser lernen mit Multimedia?

E-Learning ist ein erfolgreicher Trend, aber auch höchst umstritten. Im Interview mit WirtschaftsWoche Online erklärt Tina Seufert, Professorin am Instititut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm und eine der führenden Experten im Bereich multmediales Lernen, was ein gutes E-Learning-Angebot auszeichnet, ob digitale Angebote die Lernleistung verbessern - und was sie von den umstrittenen MOOCs hält.

Tina Seufert

Kann multimediales Lernen die Lernleistung verbessern?

Ja und nein. Qualitativ hochwertige Präsenzlehre steht qualitativ hochwertiger multimedialer Lehre höchstwahrscheinlich in nichts nach und umgekehrt. Die größere Flexibilität kann jedoch für spezielle Nutzergruppen unschlagbare Vorteile bieten. Es ist beispielsweise möglich, zeitunabhängig E-Learning-Angebote wahrzunehmen und so auch neben Beruf und Familie oder bei Krankheit Lerngelegenheiten zu nutzen, die sonst evtl. nur zu starren Präsenzzeiten zur Verfügung stünden. Multimediale Angebote nutzen zudem, wie der Name schon sagt, mehrere Möglichkeiten, um Inhalte zu vermitteln. So besteht auch die Möglichkeit, das passende Medium für die Darstellung von  Inhalten zu wählen. Beispielsweise lässt sich Aussprache in einer Fremdsprache weniger gut aus einem Buch lernen, technische Abläufe lassen sich gut in Animationen oder Videos darstellen.

Unsere Lern-Tipps

Was sind die wichtigsten Qualitätskriterien für E-Learning?

Entscheidend sind zunächst einmal nutzerorientierte Aspekte wie Usability, User Experience und die Berücksichtigung lerntheoretischer und wahrnehmungspsychologischer Kriterien. Hinzu kommen lerngegenstandsorientierte Kriterien, also medien- und fachdidaktische Aspekte, die Qualität der Inhalte, der Ziele und der Vermittlung sowie natürlich die Ergebnisse.

Und wirtschaftliche Aspekte spielen auch eine Rolle: Kosten-Leistungsverhältnis, Wiederverwendbarkeit und Nachhaltigkeit sind hier die Stichworte.

Welche Rolle spielt die Technik?

Da sind vor allem die Lauffähigkeit und die Verfügbarkeit auf Seiten des Anbieters und des Nutzers wichtig.

Lernen in Prozenten

Werden digital gestützte Lernformen wie Webinare, Online-Videos oder Online-Kurse den klassischen Präsenzunterricht ganz verdrängen?

So allgemein lässt sich die Frage nicht beantworten. Bei der beruflichen Fortbildung ist dies bereits geschehen. Im schulischen Bereich ist von solchen Änderungen nur in Ausnahmefällen etwas zu sehen - das wird sich auch nicht so schnell ändern.

Im Hochschulbereich werden in den nächsten Jahren zunehmend Mischformen wie der so genannte Flipped Classroom zu finden sein. Aber von "Verdrängung" kann man in naher Zukunft nicht sprechen. Eher von "Konkurrenz", wenn man an Masterstudiengänge denkt, die könnten künftig zunehmend durch Online-Varianten bedient werden.

Warum?

Weil es bei Masterstudiengängen eine große Interessentengruppe gibt, die beruflich eingebunden ist und daher nicht ohne Probleme Präsenzveranstaltungen besuchen kann.

Vorteile und Nachteile des E-Learning

Das sagen die Trainer und Experten
Zamyat M. Klein, Oaze - Online-AkademieDie VorteileIn einem Online-Seminar kann ich als Trainerin mit jedem Teilnehmer sehr intensiv und gezielt arbeiten. Ich kann auf jeden Beitrag antworten. In einem normalen Präsenz-Seminar ist das nicht möglich. Ich versuche die Kurse nicht so dröge technisch aufzuziehen. Bei mir wird ganzheitlich und spielerisch gearbeitet. Ich versuche auch online alle Sinne anzusprechen, beispielsweise gibt es Übungen wie Yoga am PC. Nachteile von E-LearningDie Teilnehmer müssen schon eine gewisse Eigendisziplin mitbringen. Im Präsenzseminar sind alle Teilnehmer aktiv einbezogen, im Online-Seminar kann sich ein Teilnehmer einfach verkrümeln oder passiv bleiben. Lernen in der CommunityAuch in der Online-Community oder im Forum können die Leute sich kennen lernen und gegenseitig unterstützen und miteinander arbeiten. Da entstehen teilweise Freundschaften. Wenn man es richtig macht, dann ist gerade die Online-Community sehr erfrischend und bereichernd für die Teilnehmer." Oaze Akademie http://www.oaze-online-akademie.de/index.php?id=577 Quelle: Presse
Franz Grieser Quelle: Presse
Screenshot Video2Brain Quelle: Screenshot
Ralf Lankau Quelle: Presse
Stefan Loibl Quelle: Presse

Wo liegen die Defizite des E-Learning? Wo die echten Vorteile?

Man könnte eine lange Liste von Vor- und Nachteilen aufführen. Ein ganz entscheidender Vorteil ist der Ressourcen-Aspekt: Im Präsenzunterricht können immer nur eine begrenzte Anzahl von Schülern erreicht werden. Es gibt hohe Kosten bei der Entwicklung des Materials, nur wenigen kommt es zu Gute. E-Learning-Angebote sind - in vielen Fällen - nicht an Teilnehmerzahlen gebunden oder lassen sich relativ leicht vervielfältigen.

Fakten zur Weiterbildung

Und die Nachteile?

Wir haben das Problem, dass zu wenig Leute etwas von "beiden" Seiten des Unterfangens verstehen: Auf der einen Seite gibt es gute "Techniker", die tolle Lernplattformen, Multimediainhalte und so weiter produzieren, aber nicht über mediendidaktisches Wissen verfügen. Auf der anderen Seite haben wir beispielsweise an den Hochschulen exzellente Didaktiker, die nicht wissen, was technisch möglich ist.

E-Learning stellt in vielen Fällen hohe Anforderung an die Selbststeuerung und Selbstdisziplin und überfordert damit auch viele Teilnehmer. Kursleiter müssen Strategien kennen und anwenden, um die Lernenden zu unterstützen, regelmäßig am Ball zu bleiben, etwa durch geeignete Aufgabenstellungen.

Je mehr Lernende gleichzeitig an einem E-Learning-Kurs teilnehmen, desto schwieriger wird der Kontakt zu den Teilnehmern, das Beantworten von Fragen, das Moderieren von Diskussionen, das Anbieten von Feedback auf Lernerleistungen. Prinzipiell kann davon ausgegangen werden, dass, wenn die Strukturen gut vorbereitet sind, die Lernenden diese Aufgaben auch selbstgesteuert wahrnehmen können.

Das Potenzial, das in der Zusammenarbeit mit den Mitlernenden steckt, wird aber teils nicht wahrgenommen, unter anderem auch deshalb, weil wir in der traditionellen Lehre gewöhnt sind, unsere Aufmerksamkeit auf den "allwissenden" Lehrenden zu richten.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Sind E-Learning und Phänomene wie MOOCs wirklich eine sinnvolle Entwicklung oder eher ein lukratives Geschäftsmodell wie manche Kritiker meinen?

Na ja, der Begriff "Geschäftsmodell" sagt nichts über den Sinn oder Unsinn einer Sache aus und zählt aus meiner Sicht nicht als Argument. Viel entscheidender halte ich die Überlegung, dass auf diese Weise interessierte Menschen viel leichter Zugang zum Wissen erhalten, egal, aus welchen Gründen sie nun an diesem Wissen interessiert sind.

Manche Kritiker sagen, MOOCs seien nur bessere Volkshochschul-Kurse…

Das ist größtenteils Unsinn. Für einführende Vorlesungen, die in der Regel fast alle den gleichen Inhalt haben, verschwenden wir bei der Präsenzlehre Tausende von Köpfen, die alle das gleiche machen, alle immer wieder das Rad neu erfinden, alle einen guten oder mittelmäßigen oder schlechten Unterricht machen. Warum sollte ich nicht - weltweit oder von mir aus auch nur bundesweit - die Vorlesung "Einführung in die Chemie für Studienanfänger" in ein, zwei oder fünf Varianten multimedial und mediendidaktisch von den besten Leuten mit den besten Mitteln umsetzen lassen und dann allen zur Verfügung stellen? Die frei gewordene Zeit könnten die Anbieter für Betreuung, Aktualisierung und so weiter verwenden.

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%