Jobwechsel: Gute und schlechte Gründe für einen Abschied
Trotz Generation Y und Work-Life-Balance - die finanzielle Situation scheint für viele immer noch ein schwerwiegendes Argument: Laut dem Randstad-Arbeitsmarktbarometer würden 71 Prozent ihren Arbeitsplatz wechseln, wenn sie in einem anderen Job mehr Geld verdienen könnten.
Foto: FotoliaDie Aussicht auf bessere Karrierechancen ist für 55 Prozent ein Grund, den aktuellen Arbeitsplatz gegen einen neuen einzutauschen.
Foto: FotoliaAuch der Background der beruflichen Situation sollte stimmen: Etwas mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer geben an, den Job zu wechseln, wenn sie einen Arbeitsplatz finden, der besser zu ihrem Bildungshintergrund passt.
Foto: FotoliaViele Arbeitnehmer fühlen sich bei Beförderungen wiederholt übergangen und denken über einen Wechsel nach. Besonders wenn der eigene Chef die Aufstiegswünsche kennt, aber anderen Mitarbeitern den Vorzug gibt.
Foto: FotoliaAls einen weiteren Grund für einen notwendigen Aufbruch wird auch eine mangelnde Unternehmens-„Vision“ angeführt. Wenn das Management zu wichtigen Fragen keine Stellung nimmt, die Produktpalette nicht mehr zeitgemäß ist oder die Wettbewerber deutlich bessere Leistungen anbieten wechseln viele den Arbeitgeber.
Foto: FotoliaWenn die Freizeit auf Grund von Überstunden und zu hoher Arbeitsbelastung zu kurz kommt, werfen ebenfalls viele das Handtuch.
Foto: FotoliaIntrigen von Kollegen wirken sich auf die Gesundheit aus und somit ist ein Jobwechsel für die Meisten die beste Entscheidung, wenn sich an diesem Umstand nichts ändert.
Foto: FotoliaBesonders in herausfordernden Zeiten neigen viele Führungskräfte dazu, zu wenig zu kommunizieren. Wenn viele Meetings hinter verschlossenen Türen stattfinden und der eigene Vorgesetzte zu den Entwicklungen schweigt und überfordert scheint, entscheiden sich viele für einen Jobwechsel.
Foto: FotoliaInkompetente Kollegen nennt demnach jeder Sechste als Anlass dafür, sich nach einer neuen Arbeit umzusehen.
Foto: FotoliaViele Jobwechsler bemängeln die Führungsqualität ihres Chefs. Sie fühlen sich in ihrer Karriere ausgebremst wenn dieser sich mit fremden Lorbeeren schmückt und gute Leistungen nicht ausreichend lobt.
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Alle vier Jahre – so oft wechseln Fachkräfte im Durchschnitt ihren Job und Arbeitgeber. Das gilt für Fachkräfte aus betriebswirtschaftlichen Berufen, der IT, dem Ingenieur- und Gesundheitswesen sowie der Forschung und Entwicklung – und es sind mehr Jobwechsel als im Bundesdurchschnitt aller Arbeitnehmer, wonach in Deutschland jeder zweite Arbeitnehmer frühestens nach zehn Jahren den Arbeitgeber wechselt.
Zunehmend mehr Biografien gleichen dabei einem Mosaik. Die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber spielt bei der Wechselbereitschaft erwartungsgemäß die größte Rolle. Überraschender aber ist: Das zweite Jahr ist offenbar das kritischste. Danach verlässt nahezu jede dritte Fachkraft (30 Prozent) seinen Arbeitgeber wieder. Knapp jeder Vierte plant, den Job nach zwei bis fünf Jahren zu wechseln. Und rund 15 Prozent springen schon nach weniger als einem Jahr wieder von Bord.
Hier und da können die Zahlen natürlich variieren. Solche Umfragen sind ja nur Momentaufnahmen. Die Ergebnisse aber bedeuten: Wir stehen in regelmäßigen Abständen vor dem Dilemma: bleiben oder gehen?
Was ist eine Entscheidung? Wie kommt sie zustande und was beeinflusst sie? Und warum entscheiden Frauen anders als Männer? Antworten liefert der Autor Jochen Mai in seinem neuen Buch „Warum ich losging, um Milch zu kaufen, und mit einem Fahrrad nach Hause kam“. Der Text ist ein Auszug aus dem Buch.
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Foto: PRKlar, es gibt dabei ziemlich eindeutige Faktoren, die einem die Entscheidung abnehmen können: Akutes Mobbing etwa oder eine chronische Unverträglichkeit gegen den eigenen Chef können dafür sorgen, dass man nur allzu schnell das Weite sucht. Zu Recht übrigens.
Allerdings ist es nicht immer so offensichtlich und einfach. Viel häufiger ist da nur dieses dumpfe Gefühl, das sich nicht so recht definieren oder greifen lässt. Direkt bei der ersten Unzufriedenheit zu kündigen – das erscheint den meisten dann aber doch zu überhastet und impulsiv. Auch zu Recht. Denn wer gedanklich mit einem Jobwechsel liebäugelt, sollte seine eigene Motivation und die Gründe hinter diesem Vorhaben genau analysieren.
Hierbei gibt es sowohl gute als auch schlechte Gründe, über die man sich im Klaren sein sollte. Die Kündigung ist im Zweifelsfall schnell verfasst und eingereicht, doch sind die damit verbundenen Konsequenzen leider oft viel weitreichender und vor allem langfristiger als manch schlechte Laune nach einer anstrengenden Woche im Job. Daher und gedacht als Entscheidungshilfe...
Gute Gründe für einen Jobwechsel:
Gesundheit: Frei nach Arthur Schopenhauer: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“ Wenn ein Job krank macht – egal, ob durch die Atmosphäre, den Stress oder die Kollegen –, sollte man die Notbremse ziehen und sich auf seine Gesundheit konzentrieren.
Unterforderung: Nicht jede Aufgabe im Job kann eine Herausforderung sein, doch sollte Langeweile auch kein Dauerzustand sein. Jeder Job braucht Herausforderungen, an denen man wachsen kann.
Perspektiven: Wir streben nach Entwicklung, wollen etwas erreichen und Ziele verwirklichen. Ist dies beim aktuellen Arbeitgeber nicht möglich, weil nahezu keine Beförderungen oder Fortschritte absehbar sind, geht schnell jeglicher Anreiz verloren – den ein anderes Unternehmen möglicherweise bieten kann.
Nicht ausreichend über das Unternehmen informiert
Viele Bewerber machen sich im Vorfeld ihres Jobwechsels nicht genug Gedanken, ob der neue Job tatsächlich etwas für sie ist. Lutz Busch, Berater bei HiTec Consult, einem der führenden Anbieter von Executive Search Consulting in Europa, hält es beispielsweise für eine Todsünde, sich nicht ausreichend über den neuen Arbeitgeber zu informieren: Denn grundsätzlich kann man sich zum Beispiel unter www.bundesanzeiger.de zu jeder Kapitalgesellschaft hervorragend informieren. So lassen sich Übernahmen oder Insolvenzen voraussehen. Auch ein Vorab-Check über Bewertungsportale wie Glassdoor kann nicht schaden.
Wettbewerbsverbot oder lange Kündigungsfrist nicht berücksichtigt
Ein bestehender Arbeitsvertrag kann so aufgebaut sein, dass der bereits gefasste Entschluss zum Jobwechsel scheitern kann. Bevor die Bewerbung abgeschickt wird, sollten Wechselwillige also noch einmal einen Blick in den aktuellen Vertrag werfen und überprüfen, ob sie überhaupt zum gewünschten Zeitpunkt anfangen können.
Foto: dpaDem Lebenslauf fehlt die Kontinuität
Natürlich muss auch der Lebenslauf stimmen. Sowas wie: "Ich habe dreimal Pech gehabt, weil das Unternehmen übernommen wurde, insolvent gegangen ist oder ich mich nicht mit meinem Vorgesetzten verstanden habe. Die kurzen Wechsel sind daher nicht in meiner Person begründet" zieht bei Personalern leider nicht. Wenn die Kontinuität fehlt, wandert die Bewerbung auf den Ablagestapel. Es ist unerheblich, wie häufige Wechsel zustande kommen. Bewerber, die schnell die Nerven verlieren und rasant die Arbeitsplätze wechseln haben irgendwann keine Chance mehr auf einen neuen Job.
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsNicht auf die Art des Vertrages geachtet
Zeitverträge sind für Berufseinsteiger inzwischen gang und gäbe. Knapp die Hälfte aller Neueinstellungen sind befristet. Den Betroffenen bleibt die Hoffnung auf Festanstellung. Doch auch, wenn es nicht der erste Job ist, müssen Bewerber darauf achten, worum es bei der neuen Stelle geht: Teilzeit, unbefristeter Arbeitsvertrag? Es werden immer noch sehr wichtige Dinge zur Klärung bis in das finale Gespräch eines Bewerbungsprozesses geschoben. Deshalb besser früh nach wichtigen Rahmenbedingungen fragen. Der neue Job kann sonst eine Mogelpackung sein.
Vom hohen Gehalt blenden lassen
Häufig werden nicht die Arbeitsinhalte in den Vordergrund gestellt, sondern monetäre Anreize als Grundlage für den Wechsel gewählt. Ein Trugschluss, der oft bestraft wird. Spätestens nach dem zweiten finanziell motivierten Wechsel wird dem einstellenden Personaler klar, wen er da vor sich sitzen hat.
Es gibt natürlich auch das Gegenteil...
Foto: FotoliaFinanzielle Verluste übersehen
Doch Gier ist nicht das einzige Problem von Bewerbern: Viele vergessen, sich vor einem Jobwechsel anzuschauen, welche Boni, Aktien, Stockoptions oder Pensionszusagen verloren gehen können. Diese Verluste sollte man durch das neue Gehalt auffangen. Ein häufiger Fehler ist, dass Bewerber oft die einzelnen Komponenten mit dem zukünftigen Arbeitgeber separat verhandeln wollen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass beispielsweise Aktienzusagen bei vielen, logischerweise bei nicht börsennotierten Unternehmen, gar nicht existieren. Daher immer alle „Benefits“ über das Gehalt abbilden und nicht einzeln einfordern.
Bauchgefühl ignoriert
Schon im Vorstellungsgespräch kann das Gefühl aufkommen, dass man irgendwie nicht zusammenpasst. Wenn das Bauchgefühl "Nein" sagt, sollte man auch darauf hören.
Belange der Familie außer Acht lassen
Papa nimmt einen neuen Job in New York an - ohne an den Beruf der Frau in Wiesbaden zu denken oder was aus den schulpflichtigen Kindern werden soll. Schon während die Bewerbungsrunden laufen, sollte man die gesamte Familie einbeziehen. Gerade, wenn der Jobwechsel einen Umzug, Schulwechsel oder ähnlich drastische Umstellungen mit sich bringen würde. Nach dem Antritt einer neuen beruflichen Herausforderung ist es häufig zu spät für Korrekturen.
Ein Titel allein macht nicht glücklich
Auch wenn das Schild an der Bürotür noch so eindrucksvoll ist: Wer sich im nächsten Bewerbungsgespräch Sätze wie "Die versprochene Personalverantwortung wurde mir nicht gegeben. ... Der Titel stellt mehr da, als es wirklich ist. ... Ich wurde durch das Unternehmen getäuscht" ersparen möchte, sollte genauer hinter die glänzende Fassade schauen.
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Die eigenen Fähigkeiten falsch eingeschätzt
Das Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Interessen sollte die Basis eines Wechsels sein. Das Ausprobieren neuer Tätigkeiten oder Geschäftsbereiche im späteren Verlauf der Karriere kann selbstzerstörerischen Charakter haben. Wer beispielsweise vom Marketing in den Vertrieb wechselt und nicht mit dem Druck durch Zielvorgaben, Controlling und Dokumentationen klar kommt, steht schnell wieder dem Markt zur Verfügung.
Schlechte Gründe für einen Jobwechsel:
Akuter Frust: Jeder kann mal einen schlechten Tag haben, von der Arbeit genervt sein und keinen Bock auf gar nichts haben. Diese Phasen können sogar länger dauern. Doch sollte man nie aus der Wut heraus dem Chef vorschnell die Kündigung auf den Schreibtisch donnern – schon gar nicht, wenn diese mit deftigen Worten garniert wird. Dabei zerstört man leicht Brücken, über die man vielleicht noch mal gehen muss (und sei es nur für ein gutes Zeugnis).
Negatives Feedback: Die Standpauke vom Chef, das sogenannte Come-to-Jesus-Meeting, hört sich niemand gerne an. Kritik ist immer unangenehm, besonders wenn sie zutrifft oder sich an etwas richtet, das einem wichtig ist. Doch Kritik ist kein Kündigungsgrund, sondern sollte sportlich genommen werden. Auch wenn sie im Kleid eines Ausrufungszeichens daherkommt, ist sie ein Doppelpunkt: Danach geht es weiter – vorzugsweise besser. Anders sieht es nur aus, wenn der Chef immer grundlos meckert, persönlich wird oder tagtäglich kein einziges gutes Haar an seinen Mitarbeitern lässt. Das wäre dann wieder ein veritabler Grund zum Abschied.
Grobe Fehler: Einige Patzer im Job sind wirklich schwerwiegend. Der Arbeitgeber verliert eventuell einen wichtigen Kunden, und es war sogar die eigene Schuld. Vor Scham möchte man im Boden versinken und sich auf und davon machen. Besser nicht! Es zeugt von mehr Größe, die Verantwortung zu übernehmen, daraus zu lernen und dafür zu sorgen, den Fehler nie wieder und wiedergutzumachen.
Gleichwohl sind die schlechten Gründe kein Appell, sich mit der aktuellen Situation einfach abzufinden. Unzufriedenheit im Job sollten wir vielmehr als Signal oder Symptom erkennen, die Lage reflektieren und uns fragen:
- Wie lange besteht das Problem schon?
- Glaube ich, dass es ein vorübergehender Zustand ist?
- Haben meine Kollegen ähnliche Beschwerden?
- Kann ich mit meinem Chef darüber sprechen?
- Habe ich eine berufliche Alternative?
Wer hier ehrlich mit sich selbst ins Gericht geht – aber auch dem Arbeitgeber und der Situation gegenüber fair bleibt – erkennt meist schnell, ob der Wunsch nach einem Jobwechsel nur temporärer Unzufriedenheit entspringt oder ob wirklich eine berufliche Veränderung notwendig ist.
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