Sexismus im Netz Ökonominnen werden immer noch diskriminiert

Frauen werden immer noch diskriminiert. Eine Studie zeigt, wie sehr Internetforen zum Chauvinismus neigen und dass in der Wirtschaft ein rauer Ton, besonders gegenüber Frauen, herrscht.

Alice Wus Arbeit belegt wissenschaftlich, was häufig schon Alltag ist: In der Wirtschaft herrscht ein rauer Ton, besonders gegenüber Frauen. Quelle: Fotolia

Die Abschlussarbeit einer Studentin sorgt in der Regel für wenig Aufsehen, insofern ist Alice Wu eine Ausnahme. Die Amerikanerin schrieb ihre Arbeit an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Darin analysierte sie die Gespräche im Internetforum Economics Job Market Rumors – und entdeckte eine durchaus robuste Gesprächskultur der männlichen Teilnehmer.

Auf der US-Plattform diskutieren Ökonomen unter anderem Jobangebote, aber auch Klatsch und Tratsch aus Unternehmen. Jeder Nutzer kann ohne Anmeldung anonym Beiträge verfassen, auch Gerüchte über Einzelpersonen sind zulässig, sofern sie nicht gegen Gesetze verstoßen. Der Betreiber der Seite will offenbar bewusst einen Nährboden schaffen für regelmäßigen Austausch. Mit Erfolg – aber zulasten von Frauen und zugunsten einer chauvinistischen Atmosphäre.

Das legt zumindest die Studie von Alice Wu nahe. Sie wertete mehr als eine Million Foreneinträge aus, mithilfe einer speziellen Software. Die suchte zunächst nach Anhaltspunkten, ob der Autor des jeweiligen Beitrags ein Mann oder eine Frau ist. Dann wertete sie aus, welche Begriffe im Zusammenhang mit Männern oder Frauen am meisten verwendet wurden.

Die Liste der Männer enthält Worte, wie adviser, mathematician, pricing, textbook – also alles Ausdrücke, die in einem unmittelbaren fachlichen Zusammenhang zur Ökonomie standen. Die Wörter, die in Beiträgen über Frauen auftauchten, hatten mit dem ursprünglichen Ziel des Forums nicht mehr unbedingt zu tun. Darunter: lesbian, sexism, slut, hot oder prostitute.

Wus Arbeit belegt wissenschaftlich, was häufig schon Alltag ist: In der Wirtschaft herrscht ein rauer Ton, besonders gegenüber Frauen.

Darauf macht sich auch Alice Wu gefasst. Der Ökonom und New-York-Times Autor Justin Wolfers wollte von ihr wissen, ob sie ihren Berufswunsch wegen der Studie überdacht habe – ganz im Gegenteil: „Man sieht diese Missstände und will sich selbst beweisen“, sagte Wu, „Frauen sollten ihr Glück gerade deshalb in diesem Feld versuchen, um etwas zu ändern.“

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