Vorbild Schweden Hälfte der Deutschen für öffentlich einsehbares Gehalt

Jeder Bürger kann unter die Lupe genommen werden, denn die Steuererklärungen kann jeder einsehen. Quelle: Fotolia

Wer in Schweden wissen möchte, was der Nachbar oder Kollege verdient, kann das ganz leicht. Steuererklärungen sind öffentlich einsehbar. Eine WirtschaftsWoche-Umfrage zeigt: Viele Deutsche wünschen sich das auch.

Egal ob Schuldeneinträge, das Gehalt oder Kapitaleinnahmen: In Schweden ist da jedermann ein offenes Buch. Denn die Steuererklärungen jedes Bürgers sind öffentlich einsehbar - und das ist gut so, lautet die mehrheitliche Meinung der Schweden.

Deutschland ist von so einem Schritt noch weit entfernt. Seit dem 6. Januar haben Angestellte dank des Entgelttransparenzgesetzes zwar einen neuen Auskunftsanspruch. Aber der greift längst nicht so weit wie das schwedische Gesetz. Hierzulande kann niemand einfach das Gehalt seiner Kollegen erfragen - vor allem nicht Einzelner. In erster Linie können Arbeitnehmer in Unternehmen mit mindestens 200 Angestellten das mittlere Bruttoentgelt ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe des anderen Geschlechts erfahren. Und auch das nur, wenn es wenigstens sechs Personen betrifft.

Würde die Bundesrepublik ein Gesetz, wie es die Schweden haben, einführen, würde das hierzulande im Gegensatz zum Entgelttransparenzgesetz echte Offenheit bringen. Doch sind die Deutschen dazu überhaupt bereit? Diese Frage hat das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von WirtschaftsWoche Online den Lesern gestellt: Wie würden Sie ein Gesetz wie in Schweden, wo Steuererklärungen für jeden Bürger einsehbar sind, für Deutschland bewerten?

Das Ergebnis der repräsentativen Umfrage mit über 5000 Teilnehmern zeigt, dass etwa die Hälfte der Deutschen ein solches Gesetz auch hierzulande befürworten würde. Laut den Meinungsforschern finden sich die größten Fans der Idee unter Deutschen mit der Wahlabsicht SPD, Grüne und Linke.

Rund 38 Prozent der Befragten halten ein solches Gesetz allerdings für falsch. Vor allem Unions-, FDP und AfD-Anhänger seien in der Tendenz kritischer, so die Civey-Experten, "aber auch hier gibt es Fans".

Ein interessanter Aspekt der Umfrage: Wird sonst häufig bei der Lohntransparenz der Gender-Pay-Gap in den Fokus genommen, scheint dieser Aspekt bei der Frage nach dem Schweden-Gesetz für Männer und Frauen keine Rolle zu spielen. Große Unterschiede zwischen den Geschlechtern spiegelten sich in der Umfrage nämlich nicht wider.

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