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WeiterentwicklungWill mein Chef mich kleinhalten?

Aus Angst vor dem Fachkräftemangel beschäftigten manche Unternehmen mehr Mitarbeiter als sie brauchen. Das ist für alle Beteiligten schlecht. Woran Sie erkennen, dass Ihr Chef Sie kleinhalten will.Nina Jerzy 26.08.2024 - 09:20 Uhr

Chefs horten Fachkräfte in Zeiten des Mangels, obwohl sie eigentlich nicht gebraucht werden

Foto: Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Personalmangel einerseits, Massenentlassungen andererseits – wer in Krisenbranchen seinen Job behält und wenig zu tun hat, schätzt sich vielleicht glücklich. Doch die wirtschaftliche Lage führt laut Personalexperte Bernd Lehmann zu einem neuen Phänomen: Unternehmen „horten“ Fachkräfte, berichtet der Experte vom Personalvermittler Academic Work. Trotz schlechter Konjunkturaussichten halten Unternehmen Mitarbeiter, für die es eigentlich aktuell keine Aufgaben gibt oder stellen sogar neue Beschäftigte ein, wie Lehmann erklärt. Dabei schadet das nicht nur der Karriere und dem Selbstvertrauen der Betroffenen, sondern auch dem Arbeitgeber, ist Lehmann überzeugt. 

Eine im Mai 2024 veröffentlichte Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) stützt seine Einschätzung. Trotz schlechterer Produktionserwartungen gaben 23 Prozent der 2000 befragten Unternehmen an, einen Beschäftigungsaufbau zu planen. 67 Prozent der Unternehmer bezeichneten demnach das Horten von Fachkräften als für sie wichtig oder sehr wichtig.

Der Hauptgrund für dieses Vorgehen ist laut Lehmann die Furcht vor noch größerem Personalmangel, wenn in den nächsten Jahren massenhaft Fachkräfte in Rente gehen. „Das führt zu Aktionismus statt einer strategischen Einstellungspolitik“, moniert der Experte.

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Lehmann stellt dabei klar: Angestellte „auf Halde“ zu halten, geschieht meist nicht aus böser Absicht. Schließlich sind die Beschäftigten froh, wenn sie von ihrem kriselnden Arbeitgeber nicht entlassen werden. Stattdessen werden nach Lehmanns Erfahrung derzeit häufig Beschäftigte für Aufgaben eingestellt, die größtenteils bereits von vorhandenen Mitarbeitern erledigt werden. Damit konkurrieren nicht nur Kollegen miteinander. Durch die fehlenden Aufgaben mangelt es auch an Chancen, sich beruflich zu beweisen und weiterzuentwickeln. „Das kann zu Spannungen und zu Frust führen“, warnt er. 

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2. Bilanz ziehen
3. Meinung sagen
4. Vorschläge machen
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6. Gehalt ignorieren
7. Gespräch durchdenken
8. Fragen klären
9. Protokoll lesen
10. Lob verteilen

Dass Firmen Mitarbeiter unbewusst kleinhalten, geschieht laut der Personalberaterin Amelie Köpple auch durch eine veraltete und unflexible Auswahl von Kandidaten. Häufig würden die bestmöglichen Bewerber für eine aktuelle Aufgabe gesucht, ihre weitere Entwicklung aber nicht berücksichtigt. Die Folge: Die neuen Kollegen fühlen sich schnell unterfordert, erhalten jedoch keine Perspektive. Die Expertin hat allerdings auch festgestellt: „In manchen Unternehmen ist das Kleinhalten ein Mittel, um Mitarbeiter dazu zu bewegen, selbst zu kündigen.“

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Doch woran merkt man, dass der eigene Arbeitgeber einen aufs Abstellgleis schiebt? Lehmann empfiehlt, auf diese Warnzeichen zu achten: 

  • Keine oder wenige Weiterbildungsangebote zeigen, dass der Arbeitgeber kein Interesse daran hat, die Fähigkeiten der Mitarbeitenden weiterzuentwickeln.
  • Wenn trotz guter Leistungen keine realistische Chance auf eine Beförderung besteht und Vorgesetzte etwa im Jahresgespräch die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten nicht ansprechen.
  • Überbesetzte Abteilungen: „Wenn viele Kollegen ähnliche Aufgaben übernehmen, ist es ein Anzeichen, dass das Unternehmen mehr Personal hält als nötig.“
  • Auch eine hohe Fluktuation kann laut Lehmann darauf hinweisen, dass sich Mitarbeiter beruflich nicht weiterentwickeln können.
  • Stagnierende Gehälter: „Unternehmen, die Fachkräfte horten, versuchen, die finanzielle Belastung zu minimieren, da sie ihre finanziellen Ressourcen auf eine größere Zahl von Mitarbeitenden verteilen müssen.“
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Dass ein Mitarbeiter kleingehalten werden soll, kann sich laut Köpple auch in fehlender Anerkennung und mangelnder Unterstützung widerspiegeln. Als Alarmsignal deutet es die Beraterin zudem, wenn Informationen nur noch begrenzt weitergegeben werden oder der Vorgesetzte plötzlich zum Mikromanager wird. 

Kündigen wegen fehlender Perspektiven

Diese Hinhaltestrategie führt laut den Experten erst recht dazu, dass die Arbeitgeber am Ende ausgerechnet jene Beschäftigten verlieren, auf die es in Zukunft besonders ankommt. Insbesondere die Gen Z lasse sich nicht auf Halde legen, betont Lehmann: „Sie wollen nicht nur einen Job, sondern eine erfüllende Aufgabe, die sie weiterbringt.“

Außerdem würden sich die Unternehmen durch dieses Vorgehen künftiger Führungskräfte berauben, warnt Köpple. Denn ausgebremste Beschäftigte würden sich weniger zutrauen und deshalb davor zurückschrecken, Verantwortung und neue Aufgaben zu übernehmen. „Wer Mitarbeitende klein hält, riskiert mehr Krankheitstage, geringe Motivation und hohe Fluktuation“, sagt sie.

Damit es soweit nicht kommt, empfehlen die Experten bereits vor der Einstellung intensiv über die Karriereziele der potenziellen Mitarbeiter zu sprechen. Außerdem plädieren sie für regelmäßige Feedbackgespräche und messbare Entwicklungspläne, die persönliche und Unternehmensziele berücksichtigen. Fortbildungen und Mentoringprogramme können laut Lehmann und Köpple helfen, diese Ziele zu erreichen.

Gleichwohl sei in einer Wirtschaftskrise nicht alles machbar, was wünschenswert ist. Manchmal müssten Beschäftigte vorübergehend mit weniger interessanten Aufgaben betraut werden, um Arbeitsplätze zu sichern und den Betrieb aufrechtzuerhalten, sagt Köpple. Dies müsse aber offen kommuniziert und ein Zeitrahmen abgesteckt werden, um nicht das Vertrauen der Belegschaft zu riskieren: „So können sich die Mitarbeitenden bewusst für diese Durststrecke entscheiden.“

Lesen Sie auch: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter dauerhaft an sich binden 

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