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Corporate Governance Kodex Strengere Regeln für Aufsichtsräte

Ämterhäufung und Dauermandate sollen der Vergangenheit angehören: Die Regierungskommission zur Einhaltung rechtlicher und ethischer Regeln will die Amtszeit von Aufsichtsräten in Aktiengesellschaften zeitlich begrenzen.

Gerhard Cromme Quelle: dpa

Seit mehr als zwölf Jahren sitzt Gerhard Cromme mittlerweile im Aufsichtsrat von Siemens. Geht es nach der Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung soll ein derartiges Dauermandat, wie es der einst mächtige Chef der Stahlikone ThyssenKrupp innehat, künftig nicht mehr möglich sein. Die Organisation, die über die Einhaltung von rechtlichen und ethischen Standards in börsennotierten Unternehmen wacht, fordert die Einführung einer Höchstdauer, die Amtszeit von Aufsichtsräten zeitlich begrenzt.

„Wir haben in den Aufsichtsräten tendenziell eine Altersstruktur, die nicht sehr wünschenswert ist“, sagt Manfred Gentz, Vorsitzender der Corporate-Governance-Kommission. Zwar steigt die Expertise eines Aufsehers an, je länger er im Aufsichtsrat eines Unternehmens sitzt. Aber: „Eine Begrenzung der Amtszeit von Aufsichtsräten bringt frische Blickwinkel und neue Impulse ins Unternehmen“, sagt Gentz. Derzeit stünden langdienende Aufsichtsräte der stetig notwendigen Erneuerung der Gremien im Weg.

Das sind Deutschlands mächtigste Aufsichtsräte
Platz 15 – Ekkehard SchulzAls der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef als Aufseher beim Industriekonzern abtrat, schien sein Stern zu sinken. Doch Schulz, hier rechts im Bild mit dem verstorbenen Thyssen-Krupp-Patriarchen Berthold Beitz, ist in der neuen Studie der Universität Göttingen für das Handelsblatt wieder auf dem Vormarsch. Der Manager macht zwei Plätze gut und schafft es damit in die Top 15. Schulz sitzt bei Bayer, MAN und RWE im Aufsichtsrat. Er kommt auf 158 Punkte. Für die Studie haben Michael Wolff, Professor für Management und Controlling in Göttingen, und sein Team die Geschäftsberichte von 160 im Dax, MDax, SDax und TecDax notierten Konzerne ausgewertet. Analysiert wurden dabei 1022 Mandate der Kapitalseite.Jeder der 901 Aufsichtsräte wurde nach den drei Kriterien Reputation, Netzwerk und Status beurteilt. Maximal konnten jeweils 100 und insgesamt 300 Punkte erreicht werden. Die Studie berücksichtigt die Zahl der Mandate, die Bedeutung der Unternehmen, die Kontakte der Aufsichtsräte (Netzwerke) und ihren Status durch langjährige Tätigkeit oder intensive Ausschussarbeit. Quelle: Imago
Platz 14 – Michael DiekmannDer Allianz-Chef ist einer der Aufsteiger in der Rangliste der mächtigsten Aufsichtsräte. Diekmann ist Aufseher bei BASF, Linde und Siemens. Im Vergleich zum Vorjahr steigt der 60-Jährige um acht Plätze und kommt auf Platz 14. Mit 160 Punkten landet Diekmann zwei vor Schulz. Quelle: REUTERS
Platz 13 – Ann-Kristin AchleitnerVerbessert hat sich auch die einzige Frau in den Top 15: Ann-Kristin Achleitner rückt um zwei Plätze vor auf Rang 13. Die Frau von Deutschen-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner sitzt bei Linde, Metro und Munich Re in den Aufsichtsgremien. In der Studie der Uni Göttingen sammelte sie 161 Punkte. Quelle: dpa
Platz 12 – Manfred SchneiderEinst war Manfred Schneider Vorsitzender von drei Dax-Aufsichtsräten. Doch mittlerweile zieht er sich altersbedingt zurück. Mit Posten als Aufseher bei Linde und RWE reicht es für den 76-Jährigen trotzdem noch für den zwölften Platz in der Rangliste mit 166 Punkten. Quelle: dpa
Platz 11 – Helmut PerletVersicherung, Bank und Anlagenbauer – Helmut Perlet ist quer durch verschiedene Branchen als Aufseher gefragt. Aktuell hat er ein Aufsichtsratsmandat bei der Allianz, bei der Commerzbank und bei Gea. Mit 167 Punkten in der Studie reicht das nicht mehr für die Top Ten, aber immerhin noch zu Rang elf. Quelle: REUTERS
Platz 10 – Klaus-Peter MüllerFür diesen Posten ist er bekannt: Klaus-Peter Müller (r.) als Commerzbank-Aufsichtsratschef mit Bankchef Martin Blessing. Weitere Mandate hat Müller bei Linde und Fresenius. Im Vergleich zum Vorjahr macht der Manager ( 174 Punkte) sechs Plätze gut. Quelle: REUTERS
Platz 9 – Clemens BörsigAls Chefaufseher der Deutschen Bank ist Clemens Börsig abgetreten, doch mächtig ist er nach wie vor. 179 Punkte hat die Studie für den 65-Jährigen ermittelt, der bei Bayer, Daimler und Linde die Geschäfte beaufsichtigt. Das macht Rang neun. Quelle: REUTERS

Anhäufung von Ämtern soll unterbunden werden

Die pauschale Festlegung einer Höchstdauer lehnt die Corporate-Governance-Kommission aber ab. Der Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft soll demnach selbst definieren, wie lange ein Aufseher maximal sein Amt ausüben darf. Diese Regelung habe den Vorteil, dass sie die unterschiedliche Komplexität der Unternehmen berücksichtigt, argumentiert die Regierungskommission, der Vertreter von Dax-Unternehmen, Gewerkschaften, Wirtschaftsprüfern, Investoren und Privatanlegern angehören.

So viel verdienen die deutschen Aufsichtsratschefs
Wolfgang Mayrhuber Quelle: REUTERS
Norbert Reithofer Quelle: REUTERS
Blessing und Klaus-Peter Müller Quelle: dapd
Werner Brandt Quelle: dpa
Manfred Schneider Quelle: dpa
Henning Kagermann Quelle: AP
Michael Diekmann Quelle: AP

Aufgrund der steigenden Anforderungen soll der Aufsichtsrat potenziellen Kandidaten für die Wahl in das Kontrollgremium zudem vorab mitteilen, wie viel Zeit sie aufwenden müssen, um das Mandat wahrzunehmen. Dadurch soll nicht zuletzt die Anhäufung von Ämtern unterbunden werden. Denn Aufsichtsratsmandate sind begehrt. Im Schnitt verdient ein ordentliches Mitglied in einem Kontrollgremium eines Dax-Konzerns mehr als 100.000 Euro im Jahr – Top-Aufsichtsräte sogar deutlich mehr.

Regeln sind rechtlich nicht bindend

Immer wieder stellt sich die Frage, ob sich Multiaufsichtsräte, wie Ulrich Lehner, der mit rund 2,2 Millionen Euro Jahresgehalt höchstdotierte Aufsichtsrat Deutschlands, verzetteln, wenn sie so viele Aufgaben wahrnehmen. Lehner leitet immerhin die Kontrollgremien von Deutscher Telekom und ThyssenKrupp, gehört dem Gesellschafterausschuss von Henkel an und hat noch Mandate beim Energieriesen E.On und dem Sportwagenbauer Porsche.

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Um das Phänomen Multiaufsichtsräte einzudämmen, fordert die Corporate-Governance-Kommission zudem Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften öffentlich zu brandmarken, wenn sie mehr als die Hälfte der Aufsichtsratssitzungen schwänzen. Konkret soll im Bericht des Aufsichtsrats festgehalten werden, wenn ein Aufsichtsratsmitglied die zeitlichen Erwartungen nicht erfüllt.

Eine Mandats-Obergrenze will die Kommission aber nicht vorgeben. Es gelte weiterhin die Empfehlung, dass zumindest aktive Vorstände nicht mehr als drei Aufsichtsratsmandate wahrnehmen sollten.

Anfang Mai will die Kommission entscheiden, ob die angedachten Vorschläge umgesetzt werden. Die Regeln des Corporate Governance Kodex sind rechtlich nicht bindend. Aber sollten Aktiengesellschaften einzelne Punkte nicht einhalten, müssen sie dies begründen.

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