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Dax-30-KonzerneDie frauenfreundlichsten Unternehmen

Das Bundesfamilienministerium hat den Frauen-Karriere-Index (FKI) entwickeln lassen. Er soll einen Überblick darüber bieten, in welchen Konzernen Frauen faire Karriere-Chancen haben und wo nicht. Ein Blick auf die Top Ten und die Verlierer der Dax-30-Konzerne.Jana Reiblein 16.11.2012 - 13:23 Uhr
Foto: dapd

Platz 29: Fresenius SE

Beim Bad Homburger Medizintechnikkonzern Fresenius sieht es in Sachen Chancengleichheit schlecht aus. Die Fresenius SE & Co. KGaA steht auf dem letzten Platz des Frauen-Karriere-Index. Insgesamt konnte der Konzern gerade einmal 2 Punkte erreichen: sie wurden im Bereich Dynamik vergeben, der die Entwicklung des Frauenanteils seit der Zielsetzung seiner Erhöhung misst. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen lag im Juni 2012 bei 19,7 Prozent. Das sind nur 0,6 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Eine starre Quote will sich das Unternehmen nicht auferlegen. Für die Personalauswahl sei „auch weiterhin die Qualifikation und nicht das Geschlecht“ entscheidend, heißt es bei Fresenius. Der „vergleichsweise sehr hohe Anteil von Frauen in der oberen Führungsebene“ solle aber weiter gesteigert werden.

(Es wurden 29 Ränge ermittelt, da für Continental noch keine Angaben vorliegen. Der Konzern wurde erst im September 2012 in den Dax aufgenommen)

Foto: dpa

Platz 28: Fresenius Medical Care

Auch beim Tochterunternehmen Fresenius Medical Care gilt: keine feste Quote. Der Frauenanteil in der oberen Führungsebene liege bei 32,1 Prozent heißt es vom Unternehmen, der Anteil solle erhöht werden (Stand Juni 2012). 2011 lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte in allen Managementebenen bei 16,1 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Das sind 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im FKI-Ranking kann der Konzern 4 Punkte erreichen. Auch sie wurden im Bereich Dynamik erreicht.

Foto: Pressebild

Platz 10 (7): Thyssen Krupp

Die ThyssenKrupp AG liegt auf dem zehnten Platz des Frauen-Karriere-Index. Bei der Gesamtpunktzahl (17 Punkte) liegt der Konzern gleichauf mit den drei weiteren Rängen. Da Thyssen beim Kriterium Dynamik (Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen und Geschwindigkeit der Erreichung der Zielsetzung) unter den Top-Ten-Konzernen mit gerade einmal zwei Punkten am schlechtesten abschneidet, reicht es nur für den letzten Platz im Reigen.

Mit der Personalie Gabriele Sons sorgte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger Mitte April für Aufruhr. Die Zeitschrift Capital hatte berichtet, Sons sei als künftige Personaldirektorin und damit als Vorstandsmitglied im Gespräch. Der Konzernvorstand dementierte. Sons soll nun das Personalressort einer der sieben Geschäftseinheiten von Thyssen Krupp leiten. Ein kleinerer Schritt zu mehr weiblichem Führungspersonal. Im Jahr 2011 lag die Frauenquote in den Führungsebenen des Essener Konzerns bei 7,6 Prozent – unverändert gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2020 soll der Anteil bei 15 Prozent liegen.

Foto: dpa

Platz 9 (7): K+S

Beim Bergbauunternehmen Kali und Salz haben Frauen nicht sehr viel zu sagen. Nur 8,7 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) der Führungskräfte sind weiblich (Stand: Juni 2012). Der Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft liegt bei 8,8 Prozent, was wohl an der Branche liegt, in der der Konzern tätig ist. Beim FKI-Ranking erreicht der Konzern ebenfalls 17 Punkte. Auch in Zukunft wird es in den Chefbüros wohl kaum Frauen geben. Die Selbstverpflichtung des Konzerns: Im Jahr 2020 soll der Anteil der weiblichen Führungskräfte, dem Anteil der Mitarbeiterinnen in der Gesamtbelegschaft entsprechen.

Foto: REUTERS

Platz 8 (7): Daimler

Noch einmal 17 Punkte gibt es auch für den Daimler-Konzern. Vor allem im Beurteilungsaspekt Ambition (bildet den prozentualen Anstieg des Frauenanteils im Konzern ab, der zwischen dem durchschnittlichen Frauenanteil in Führungspositionen 2010 und dem selbstgesetzten Unternehmensziel liegt; sowie in welchem Verhältnis das gesetzte Ziel zum Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft in Deutschland 2010 liegt) kann das Unternehmen überzeugen: satte neun Punkte wurden hier verteilt.

Chef Dieter Zetsche nimmt kein Blatt vor den Mund – so auch beim Thema Frauenquote. Der Chef des Stuttgarter Autokonzerns Daimler sagte vergangenen September in einem Interview mit der FAZ: „Wenn ich höre, dass in drei, vier Jahren 40 Prozent auf den Führungsposten Frauen sein sollen, dann verraten Sie mir bitte: Wohin soll ich all die Männer aussortieren? Alle zwangsweise in Rente schicken, damit überhaupt so viele Stellen frei sind?“ Dementsprechend fallen die Quotenziele des Konzerns aus: 20 Prozent der Führungskräfte in Deutschland und weltweit sollen bis 2020 weiblich sein. 2011 liegt die Quote bei 12,8 Prozent – 0,8 Prozent höher als ein Jahr vorher.

Foto: Pressebild

Platz 7: Allianz

Die Allianz SE kann sich im FKI-Ranking 17 Punkte sichern. Die höchsten Werte (insgesamt acht Punkte) wurden im Bereich Leistung verbucht, der sich aus den Positionen "Verhältnis der Frauen in Führungspositionen zum Anteil der weiblichen Beschäftigten insgesamt" und "Frauen in Aufsichtsräten" zusammensetzt. Beim Versicherungskonzern stieg der Anteil der Frauen in Führungspositionen von 24,7 auf 25,6 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat, Stand Juni 2012) – wirklich ernst scheint man das Thema aber auch hier bisher nicht zu nehmen. Spezielle Management-Seminare für Frauen lehnt Personalvorstand Werner Zedelius ab. Stattdessen will die Allianz Frauen durch ein Sponsoring-Programm fördern. Rund 100 talentierte Mitarbeiterinnen treffen sich zwei Jahre lang regelmäßig mit Kollegen aus der Unternehmensspitze, um über ihre Karriere zu sprechen.

Aushängeschild der Allianz ist Elisabeth Corley (im Bild). Die gebürtige Engländerin ist seit Beginn Jahres Chefin von Allianz Global Investors. Nebenher schreibt sie Psychothriller.

Foto: dapd

Platz 6 (4): Merck

Auch Platz 4 teilen sich mehrere Unternehmen. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck liegt auf dem untersten des Vierer-Rangs. Insgesamt kam das Unternehmen auf 18 Punkte.

Merck will sich nicht auf eine fest Quote weiblicher Führungskräfte festnageln lassen. Das grobe Ziel: Zwischen 25 und 30 Prozent Frauen in Führungspositionen weltweit bis 2016. Unternehmens-Chef Karl Ludwig Kley meint: „Es entbehrt jeglicher wirtschaftlicher Vernunft, Frauen nur deswegen in Führungspositionen zu bringen, um eine Quote zu erfüllen.“ Um in Zukunft einen besseren Blick für potentielle weibliche Führungskräfte zu bekommen, schaffte Merck eine neue Stelle. Jennifer O’Lear ist seit April 2011 Chief Diversity Officer im Konzern.

Foto: dpa

Platz 5 (4): Deutsche Telekom

Auch die Telekom will mit gutem Beispiel voran gehen. Der Konzern erreichte ebenfalls 18 Punkte und liegt in sämtlichen Teilbereichen gleichauf mit Merck. Mit Personalvorstand Marion Schick (rechts im Bild) konnten die Bonner eine echte Kämpferin für mehr Frauenförderung gewinnen. Die Benachteiligung von Frauen sei ein speziell deutsches Problem, sagte die im Juni 2012 der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Sie fordert von der deutschen Wirtschaft mehr Anstrengungen in Sachen Frauenquote. Schick ist eine von zwei Frauen im Telekom-Vorstand. Das Europa-Geschäft leitet die Physikerin Claudia Nemat (links), die vorher bei McKinsey Karriere gemacht hatte. Den deutschen Durchschnitt von 14 Prozent weiblicher Führungskräfte hebt die Telekom allerdings trotzdem nicht an. Nur 13,8 Prozent der Führungskräfte sind Frauen. Im vergangenem Jahr waren es noch 12,5 Prozent.

Foto: REUTERS

Platz 4: Deutsche Bank

Die Deutsche Bank landet mit 18 Punkten auf Rang gemeinsam mit Merck und der Telekom auf Rang vier; gegenüber den Mitstreitern hat die Bank beim Aspekt Leistung die Nase vorn und kommt auf acht Punkte (die anderen beiden erreichen sechs Punkte).

Der Umbau des Top-Managements bei der Deutschen Bank hat in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt und die Gemüter erhitzt. Denn unter all den Namen, die im März für das oberste Führungsgremium des Geldhauses und das direkt unterhalb angesiedelte Group Executive Committee gehandelt wurden war keine einzige Frau. Dass da noch Luft nach oben ist, räumte auch ein Sprecher der Bank ein. Es sei sicher „keine Frage von Jahrzehnten mehr“, bis die erste Frau im Vorstand sitze. Aktuell liegt die Quote bei 15 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat, Stand Juni 2012) im oberen und mittleren Management – ein Prozent mehr als 2010. Im unteren Management sind es 28 Prozent.

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Platz 3: BMW

Der bayrische Autobauer BMW erreicht insgesamt 19 Punkte. Besonders positiv wurde der Bereich Ambition bewertet: hier gab es neun Punkte. Dennoch sind lediglich 9,1 Prozent der Führungskräfte (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) weiblich (Stand Juni 2012). Das sind nur 0,3 Prozent mehr als im letzten Jahr - daher schneidet der Konzern im Bereich Dynamik auch am schlechtesten ab (hier gab es nur vier Punkte, die Konzerne auf Platz 2 und 1 erreichten je acht Punkte).

Bis Ende 2020 soll der Anteil der außertariflichen Führungskräfte auf 15 und 17 Prozent steigen. Das versuchen die Bayern durch spezielle Veranstaltungen für Frauen und einen speziellen Internetauftritt zu schaffen. Aushängeschild in Sachen Frauen in Führungspositionen ist Hildegard Wortmann, die das Produktmanagement des Unternehmens leitet. Wie viele andere erfolgreiche Managerinnen spricht sie sich gegen eine starre Frauenquote aus.

Foto: Pressebild

Platz 2: Bayer

Beim großen deutschen Chemiekonzern Bayer ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen im letzten Jahr um zwei Prozent gestiegen – auf 19 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat, Stand Juni 2012). Bis Ende 2015 hat sich Bayer auf eine Quote von 30 Prozent verpflichtet.

Wichtigste Frau im Konzern ist die Amerikanerin Sandra Peterson (im Bild), die seit 2010 das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln (Crop Science) leitet. Bayer-Chef Marijn Dekkers will sich als großen Frauenförderer verstanden wissen. Sein Unternehmen hat eine spezielle Internetseite, um hochqualifizierte Frauen anzusprechen. Im FKI-Ranking kann die Bayer AG 20 Gesamtpunkte verbuchen.

Foto: dapd

Platz 1: Henkel

Der Konsumgüterhersteller Henkel führt das Ranking der frauenfreundlichsten Dax-Unternehmen an. Mit insgesamt 21 Punkten setzte sich Henkel an die Spitze des Frauen-Karriere-Index. Besonders in den Bereichen Dynamik und Leistung hat der Konzern die Nase vorn. 29,5 Prozent der Führungskräfte sind weiblich – für Firmenchef Kasper Rorsted ein Grund stolz zu sein. „Tradierte Rollenvorstellungen sind für mich tatsächlich sehr befremdlich, und das mag auch daran liegen, dass ich Däne bin“, sagte Rorsted 2011 in einem Interview mit der WirtschaftsWoche.

Dass er es ernst meint, zeigte er im September 2011. Mit Kathrin Menges sitzt erstmals in der Geschichte des Unternehmens eine Frau im Vorstand. Menges leitet das Personal-Ressort. Bekanntestes weibliches Gesicht bisher war die Urenkelin von Persil-Erfinder Fritz Henkel, Simone Bagel-Trah. Sie ist seit 2010 Chefin des Aufsichtsrates. Auch die Ziele des Konzerns sind ambitioniert. Henkel vorordnet sich eine jährliche Zuwachsrate beim Frauenanteil in den Chefetagen. Jedes Jahr sollen es ein bis zwei Prozent mehr werden.

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