Innovationen bei Hansgrohe "Wir haben uns gefragt, was am iPhone so toll ist"

Innovationen sollen die Welt auf den Kopf stellen. So wie einst das iPhone. Beim Armaturenhersteller Hansgrohe sind Innovationen bodenständiger. Trotzdem ist Manches aus dem Silicon Valley im Schwarzwald ein alter Hut.

90 mal 90 Zentimeter Nasszelle war einmal, moderne Duschen sind schon mal 1,20 Meter breit. Hersteller von Badezimmerarmaturen müssen darauf reagieren. Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Stimmt es, dass Sie und Ihr Team Ihre Produkte unter der Dusche entwickeln?
Jan Heisterhagen: Wir werden fürs Duschen bezahlt. Tatsächlich gehen wir mit dem Team, mit unseren Designpartnern, und sogar mit Kunden in unserem ShowerLab beziehungsweise in der ShowerWorld unter die Dusche. Dort findet ja die Interaktion mit unseren Produkten statt, also haben wir dort die innovationsfördernde Umgebung, die wir brauchen. Wenn wir neue Produkte entwickeln, müssen wir die auch am Körper erleben, um sie beurteilen zu können.

Was lernt man bei so einer Team-Dusche, was für die Produktentwicklung wichtig sein kann?
Männer und Frauen duschen ganz unterschiedlich: Männer duschen in der Regel schnell und gründlich. Sie stehen unter der Brause und waschen sich bei jedem Duschen die Haare.

Jan Heisterhagen ist Leiter des Produktmanagements bei der Marke Hansgrohe Quelle: Presse

Frauen fragen sich: Wasche ich meine Haare heute oder morgen? Sie stehen also lieber nicht unter einer festinstallierten Brause, sondern nehmen eine Handbrause. Darauf reagieren wir, in dem wir eine Dusche entwickelt haben, bei der die Strahlen von der Seite kommen und auf Wunsch ein mittiger Strahl hinzugeschaltet werden kann.

Wenn sonst von Innovationen die Rede ist, geht es um disruptive Produkte und Dienstleistungen, die die Welt verändern. Wenn Sie von Innovationen sprechen, geht es um verbesserte Wasserhähne. Ist das noch Design- oder schon Produktinnovation?
Der Kunde denkt erst an Design, wenn es um ganz abstruse Formen geht. Bei uns heißt Design Material, Form und Funktion, die in einem Design-Prozess erdacht und entwickelt werden. Insofern funktioniert Produktinnovation bei uns nicht losgelöst von Designinnovation.

Diese Produkte werden in zehn Jahren unseren Alltag erleichtern
Speed-Dating in der virtuellen RealitätWarum nur Fotos anschauen wie bei Tinder? Wer auf der Suche nach einem neuen Partner ist, könnte sich künftig als Hologramm in der virtuellen Realität mit interessanten Menschen treffen. Wenn die Chemie dort stimmt, steht einem ganz realen Treffen nichts mehr im Wege. Quelle: REUTERS
Nie wieder durstigDie atmosphärische Luft besteht aus den verschiedensten Gasen. Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) gehören dazu. Eine Verbindung zwischen den beiden führt zu H2O (Wasser). Dementsprechend wäre es möglich, dass sich intelligente Trinkflaschen künftig über die Atmosphäre selbst befüllen. Quelle: dpa
Optimiert schlafenZimmertemperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtquellen: Eine angenehme Nachtruhe hängt mit vielen Faktoren zusammen. Heute greifen wir noch zur Wärmflasche. Doch das soll bald Geschichte sein. Ein elektronischer Schlafassistent wird die wichtigen Schlaffaktoren überprüfen, um sie dann auf unsere Bedürfnisse abzustimmen. Quelle: dpa
Nie wieder suchenWo sind nur meine Schuhe? Diese Frage soll bald überflüssig werden. Bald sollen wir unsere Schuhe über eine App rufen und finden können. Quelle: dpa
Medizin per KnopfdruckMüdigkeit, Unwohlsein oder Haarausfall können oft mit Mangelerscheinungen oder Krankheiten zusammenhängen. Die nötigen Nähstoffe bekommen wir meist in der Apotheke. Dabei gibt es allerdings ein paar Probleme: Die Auswahl der richtigen Tabletten, der Ausschluss von Wechselwirkungen oder auch die Menge der Pillen, die wir zu uns nehmen müssen. 3D-Pillendrucker könnten künftig Abhilfe schaffen. Sie sollen vollständig personalisierte Medikamente erstellen, die alles enthalten, was wir für unser Wohlbefinden brauchen, genau in der richtigen Dosierung. Quelle: dpa
AlltagshelferÜberquellende Müllcontainer? Wird es nicht mehr geben. Die Mülleimer könnten in den nächsten Jahren mit Sensoren ausgestattet werden, die die Müllabfuhr ab einem gewissen Füllstand kontaktieren. So bleibt die Nachbarschaft sauber. Quelle: dpa
Kluges GeschirrKalorienzählen ist durch Apps schon einfacher geworden. Der nächste Schritt: cleveres Geschirr, das die Nährwerte der Mahlzeiten automatisch berechnet, speichert und uns nach dem Essen mit der Daten konfrontiert. Quelle: dpa

Design-Thinking made in Schwarzwald anstatt made in Silicon Valley?
Wir arbeiten mit interdisziplinären Teams und externen Designern zusammen. Es gibt regelmäßige Meetings, die einen Tag dauern, bei denen Ideen entwickelt werden. Von der Idee bis zum fertigen Prototypen dauert es dann ein paar Tage. Was man jetzt immer aus dem Silicon Valley hört, dass man schnell Prototypen entwickeln und die testen muss, das machen wir schon seit Jahrzehnten.

Wir müssen die Idee dreidimensional auf dem Tisch liegen haben, um zu sehen, ob die wirklich funktionieren kann. Wenn nicht, verwerfen wir sie wieder. Das ist eine Kultur und eine Stärke, die man lernen muss.

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