Marie-Christine Ostermann: „Für mich war immer klar, dass ich unser Familienunternehmen in die nächste Generation führen möchte“
Marie-Christine Ostermann bei der Wahl zur Vorsitzenden des Verbands Die Jungen Unternehmer 2009 in Neuss
Foto: PRFür mich war immer klar, dass ich unser Familienunternehmen in die nächste Generation führen möchte. Mit 16 Jahren bin ich zu meinem Vater gegangen – und habe ihm genau das gesagt. Gemeinsam haben wir einen Plan für die Nachfolge entworfen. Dieser Weg schien klar vorgezeichnet. Was ich nicht vorhergesehen hatte: dass ich an anderer Stelle noch einen viel größeren Hebel entdecken sollte, um etwas zu bewegen.
Als ich ins Unternehmen einstieg, riet mir mein Vater, den Kontakt zum Verband der Jungen Unternehmer zu suchen. Er sagte, ich brauche ein Netzwerk für den Erfahrungsaustausch. Das mache alles einfacher – und auch viel mehr Freude. An einem Novemberwochenende 2005 bin ich zu einem ersten Nachfolgetraining nach Fulda. Das hat mich total begeistert. Es ging viel um Rhetorik, es gab aber auch einen Block zu politischen Fragen: Was brauchen Familienunternehmen in Deutschland, um erfolgreich zu sein? Immer sonntagmorgens haben wir diskutiert. Ich fand das megaspannend, habe mich immer mehr engagiert – und sofort zugesagt, als der damalige Vorsitzende der Jungen Unternehmer mich 2009 fragte, ob ich für seine Nachfolge kandidieren wolle.
In den politischen Debatten war die Sichtweise von uns Unternehmern kaum vorhanden. Kurz zuvor etwa war das Antidiskriminierungsgesetz beschlossen worden. Eine wichtige Sache, keine Frage. Aber die Auswirkungen in der Praxis waren schrecklich: Alle Experten haben uns damals empfohlen, nur niemandem bei einer abgelehnten Bewerbung irgendeine Begründung zu nennen. Ich fand das furchtbar: Damals bewarben sich Hunderte junge Menschen für einen Ausbildungsplatz bei uns. Wir konnten aber nur zwölf einstellen. Und bei all den anderen keinem einzigen weiterhelfen für die nächste Bewerbung. Aus Sorge, verklagt zu werden. Das habe ich bei Maybrit Illner erzählt. Und gespürt, dass ich damit Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen kann.
Deshalb engagiere ich mich heute ehrenamtlich als Präsidentin im Verband der Familienunternehmer. Ich trage nicht nur Verantwortung für die eigene Belegschaft, sondern für 180.000 Familienunternehmen.
In unserer Artikelreihe erzählen Menschen aus der Wirtschaftswelt über einen entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben. Hier finden sie alle Beiträge der Serie „Und dann änderte sich alles...“