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Asset-Management-Experte Philipp Koch „Das Umfeld für die Branche ist einfach perfekt“

Philipp Koch ist optimistisch für das Asset-Management. Der Experte bei McKinsey traut den europäischen Vermögensverwaltern im laufenden Jahr Rekordgewinne zu. Ein Interview.

„Das Wachstum sowohl von den privaten als auch den institutionellen Investoren getrieben.“ Quelle: McKinsey

Das Interesse der Privatanleger treibt Einnahmen und Erträge, erklärt der Seniorpartner bei der Unternehmensberatung McKinsey. Als Risiken sieht er vor allem mögliche Eskalationen der geopolitischen Unruheherde, langfristig auch die Margenerosion und die Folgen der Digitalisierung.

Herr Koch, die europäische Fondsbranche hat ein Rekordjahr hinter sich. Überrascht Sie das?
Nein, das Umfeld für die Branche ist einfach perfekt. Und wenn man den Blick etwas weiter spannt: Asset-Management war immer eine Wachstumsbranche. Das verwaltete Kapital und die Gewinne haben sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten etwa verdreifacht. Neuanlagen der Investoren und meist gut laufende Kapitalmärkte waren die Treiber.

Sind die Privatanleger wieder mit dabei?
Das ist die entscheidende Frage. Schließlich liefern diese Kunden wegen der höheren Produktgebühren höhere Gewinnbeiträge für die Anbieter als institutionelle Kunden. Nach der Finanzkrise vor zehn Jahren waren die privaten verständlicherweise verschreckt. Aber seit einigen Jahren kaufen sie wieder Fonds. Jetzt wird das Wachstum sowohl von den privaten als auch den institutionellen Investoren getrieben.

Was erwarten Sie für das laufende Jahr 2018?
Wenn das Umfeld stabil bleibt, wird die Branche den positiven Trend fortschreiben und auf Rekordkurs bleiben. Es gibt aber Risiken. Da sind zunächst die geopolitischen Unsicherheiten, etwa Nordkorea und der Nahe Osten. Bei einer Eskalation könnten die Märkte schnell entgleisen und das Fondsgeschäft aus der Erfolgsbahn werfen. Dann wären die risikoreichen, aber eben auch margenstarken Anlagekategorien wie Aktienfonds kaum noch gefragt.

Zur Jahreswende hatte die Branche auch Probleme mit der Umsetzung der neuen EU-Finanzmarktrichtlinie, bekannt unter dem Branchen-Stichwort „Mifid II“…
Für manche Verwalter und Banken ist es schwierig, die neuen Anforderungen schnell genug umzusetzen. Das ist sehr aufwendig. Dadurch kann der Absatz in den nächsten Monaten gebremst werden. Langfristig hat die Branche natürlich mit den bekannten Problemen zu kämpfen, das sind insbesondere der Margendruck und die Folgen der Digitalisierung.

Wie könnte die Gewinnlage für die europäische Fondsbranche 2018 aussehen, wenn es keine größeren Schocks gibt?
Die endgültigen Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor. Wir schätzen für Europa eine Größenordnung von 17 Milliarden Euro, für die deutsche Branche rund 3,3 Milliarden Euro. Wenn nichts dazwischenkommt, dürfte es 2018 neue Rekordwerte geben.

Herr Koch, danke für das Gespräch.

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