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Handel mit Indexfonds Neue EU-Regeln machen ETF-Handel transparenter

Immer mehr Indexfonds werden an den Börsen gehandelt. Die neue EU-Richtlinie Mifid II sorgt für mehr Transparenz auch im Fondshandel.

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Die Andeutung der EZB, bald möglicherweise die Zinsen zu senken, stößt bei den Banken auf Kritik. Quelle: dpa

Frankfurt Zehn Wochen gelten die neuen Regeln der EU mit dem sperrigen Namen Mifid II nun. An mancher Stelle scheinen die Vorschriften, mit denen die Europapolitiker mehr Übersicht und einen besseren Anlegerschutz schaffen wollten, schon etwas zu bewegen. Etwa beim Handel mit Indexfonds.

Indexfonds bilden einen Index nach, zum Beispiel den Aktienindex Dax. Das unterscheidet sie von aktiv gemanagten Fonds, für die Fondsmanager bestimmte Wertpapiere auswählen. ETFs (exchange-tranded funds) sind Indexfonds, die für den Börsenhandel zugelassen wind. Viele von ihnen werden direkt zwischen Marktteilnehmern gehandelt, andere an den Börsen.

Die seit dem 3. Januar geltenden Mifid-Vorgaben sollen nun den Wertpapierhandel durchsichtiger machen, weshalb auch der Handel fernab der Börsen stärker dokumentiert und damit sichtbarer werden soll. Dies führt nach Ansicht von Experten offenbar dazu, dass der ETF-Handel über die Börsen zunimmt.

So erkennt der US-Vermögensverwalters Blackrock, der mit seiner Tochter iShares das weltgrößte Indexfonds-Geschäft betreibt, nun „eine deutlich umfassendere Sichtbarkeit des ETF-Handelsvolumens“. Der Fondsriese macht das an folgenden Zahlen fest: Demnach betrug das Handelsvolumen bei börsengehandelten Indexfonds (ETFs), die iShares in Europa aufgelegt hat, im Januar und Februar 2018 durchschnittlich 85 Milliarden US-Dollar pro Monat.

Das ist fast das Dreifache des Werts des Vorjahreszeitraums. 2017 hatte der Monatsdurchschnitt bei 31 Milliarden Dollar gelegen.

Allein im Februar 2018 wurden demnach ETFs im Wert von 88 Milliarden Dollar an den Börsen gehandelt – ein Anstieg von neun Prozent gegenüber dem Januar 2018, von 198 Prozent gegenüber dem Februar 2017.

Bisher gilt: Der größere Teil des Indexfonds-Handels findet außerhalb der Bösen statt, war also in der Welt vor Mifid II „nicht sichtbar“. So wurden 38 Prozent der iShares-Indexfonds, die in Europa aufgelegt sind, im Januar und Februar 2018 über Börsen gehandelt. Der große Rest von 62 Prozent wechselte außerbörslich den Besitzer, über Handelsplattformen oder direkt von Besitzer zu Besitzer, was Over-the-counter-trade (OTC) genannt wird.

Bei Anleihen-Indexfonds wird ein noch höherer Anteil außerbörslich gehandelt: Im Februar 2018 lief hier 76 Prozent des Handels over-the-counter ab. Bei Aktien-Indexfonds waren es 54 Prozent.

Die neuen EU-Regeln dürften das nach Ansicht von Blackrock verändern. „Vor Mifid II waren Reportings im ETF-Handel keine Pflicht. Insofern waren die Erwartungen hoch, dass die Regulierung ein großer Schritt vorwärts sein und beim Handelsvolumen mehr Licht ins Dunkel bringen würde“, sagt Stephen Cohen, Leiter bei iShares für die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika. „Die erhöhte Sichtbarkeit, die wir seit Inkrafttreten der Richtlinie bemerken, hat die Erwartungen gewiss erfüllt.“

Für Investoren ist die umfassendere Sichtbarkeit des Handelsvolumens BlackRock zufolge in mehrerlei Hinsicht wichtig. Für Großanleger sei es „ein nützliches Fenster, um in Echtzeit zu sehen, wohin das Geld im Laufe eines Handelstages fließt“, sagt Cohen. „Anderen bieten sichtbare Kapitalflüsse das gute Gefühl zu wissen, dass die Produkte, in die sie investieren wollen, über genügend Liquidität verfügen.“ Die EU-Regeln könnten damit der europäischen ETF-Branche einen weiteren Schub geben.

Die ETF-Sparte von Blackrock ist in Europa mit Abstand der größte Anbieter indexnachbildenden Fonds. Mit einem gemanagten Vermögen von knapp 359 Milliarden US-Dollar dominiert iShares den europäischen Markt, der Marktanteil liegt bei knapp 46 Prozent.

Mit großem Abstand folgen auf den Rängen zwei und drei die Deutsche-Bank-ETF-Sparte X-Tracker mit einem Vermögen von gut 82 Milliarden Dollar und die französische Soc-Gen-Tochter Lyxor mit gut 78 Milliarden Dollar. Sie beherrschen je rund ein Zehntel des Markts.

Insgesamt wird am europäischen ETF-Markt ein Vermögen von knapp 800 Milliarden US-Dollar gemanagt. Das investierte Vermögen hat sich seit 2009 verdreifacht.

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