Rohstoffe: Wie die Silber-Brüder, Chocfinger und Co. zocken
Aluminium-Blöcke in einer Raffinerie: Die Hütten in Sibirien oder Island produzieren derzeit auf Halde, die Nachfrage ist wegen der Konjunkturflaute gedämpft.
Spekulanten nutzen die Marktlage: Sie kaufen aktuell zum günstigen Preis physisches Aluminium. Dann verkaufen sie den Rohstoff über Terminbörsen wie die London Metal Exchange (LME) teuer weiter.
Bis zum vorgesehenen Liefertermin wird der Rohstoff eingelagert: Entweder in Hallen oder ganz billig auf offenem Gelände. Statt in Fabriken weiterverarbeitet zu werden, füllen sich weltweit die Lager.
Die Aluminium-Hütten produzieren derweil weiter.
Auch beim Nickel spielen Spekulanten mit. Sie lagern das physische Metall ein und verkaufen es teurer zu einem späteren Termin.
Eine Nickel-Raffinerie in den USA: Finanzspekulanten streichen die Differenz zwischen dem aktuellen und dem künftigen Preis des Metalls ein.
Arbitrage-Geschäfte nach dem selben Prinzip liefen vor einigen Monaten auch im Kupfermarkt ab.
Auch viele Großbank haben eine eigene Rohstoff-Handelsabteilung. so etwa Goldman Sachs. Zudem besitzt die Investmentbank einen der größten Lagerhausbetreiber für Grundgüter: Metro International Trade Services.
Besonders stark aktiv im Grundgüterhandel ist JP Morgan. Die US-Bank kaufte den Lagerhausbetreiber Henry Bath.
Das einst verruchte und geheimnisumwitterte Rohstoffhandelshaus Glencore sicherte sich ebenfalls einen Lagerhausbetreiber. Der Konzern mit Sitz im Schweizer Kanton Zug kaufte 2010 die italienische Pacorini-Gruppe für mehr als 200 Millionen Dollar.
Bereits 2008 und 2009 nutzen Hedge-Fonds und Finanzhäuser wie Morgan Stanley oder Barclays die günstige Preiskonstellation am Terminmarkt für Öl. Sie mieteten billig Schiffe oder Tanklager, pumpten Rohöl ein und verkauften den Treibstoff später teurer weiter.
Kakao-Verarbeitung in der Elfenbeinküste: Finanzspekulanten beeinflussen die Rohstoffmärkte. So trieb Hedge-Fonds-Manager Anthony Ward im Sommer 2010 den Kakaopreis in die Höhe. Er handelte sich damit den Spitznamen „Chocfinger“ ein.
„Chocfinger“ war nicht der erste Rohstoff-Spekulant: In den 1970er Jahren trieben die Hunt-Brüder den Preis des Edelmetalls in die Höhe. Doch sie verzockten sich.
In den 1990er-Jahren versuchte der Chefhändler von japanischen Sumitomo Corporation, den Kupfermarkt zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Doch statt hoher Gewinne bescherte Yasuo Hamanaka (Archivbild) seinem Handelshaus einen Verlust in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar.