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Stelter strategisch

Am Dollar hängt doch alles - auch Öl(aktien)

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Spekulation auf den Wechselkurs des US-Dollars?

Hunt erklärt dies zum einen mit der Tatsache, dass Öl weltweit nachgefragt wird und deshalb eigentlich ein Währungskorb für den Preis herangezogen werden müsste, zum anderen mit der Politik der relativen Währungsabwertung ,wie sie gerade von Japan und der EZB in den letzten Jahren betrieben wurde. Die Eskalation in einen Währungskrieg wurde beim G20 Gipfel in Shanghai gerade noch verhindert. Zu groß war die Gefahr, dass die Chinesen nun ihrerseits in den Wettlauf einsteigen. Da sie bisher den Yuan recht eng an den Dollar binden, war es die elegantere Lösung, gemeinsam zu akzeptieren, dass der US-Dollar schwächer wird.

So ließen EZB und Bank of Japan eine Dollarabwertung zu, und die US-Notenbank hat mit ihrer faktischen Absage an weitere Zinserhöhungen einen Rückgang des US-Dollars befördert.  Gute Nachrichten nicht nur für Ölproduzenten, sondern auch für die hoch in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Das zeigt Hunt mit einer ebenfalls beeindruckenden Korrelation von minus 0,89 zwischen besagtem handelsgewichteten Dollar und dem MSCI Emerging Markets ETF.

Zeit, sich aus der Ölbranche zu verabschieden

Bliebe diese Korrelation auch in Zukunft bestehen, wäre die Anlageentscheidung zu Shell faktisch eine Spekulation auf den Wechselkurs des US-Dollars. Schwächt er sich weiter ab, dürfte der Ölpreis und damit auch Ölaktien weiter zulegen. Kehrt die Stärke des US-Dollars zurück, wäre es jetzt wirklich an der Zeit, sich von der Branche zu verabschieden. Der eben zitierte Hunt ist da recht nüchtern. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir zu einer neuen Runde im globalen Währungskrieg ansetzen.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Die staatliche saudische Ölfirma Aramco Quelle: REUTERS
Russland: Rosneft Quelle: REUTERS
Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin Quelle: REUTERS
Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation Quelle: dpa
China: Sinopec Quelle: REUTERS
Venezuelas PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas Quelle: Reuters
Venezuela: PDVSA Quelle: REUTERS

Auch ich halte die Runde kompetitiver Währungsabwertungen noch nicht für beendet. Die ungelöste Schuldenkrise, die sich immer mehr in die Realwirtschaften des Westens hineinfrisst, lässt kaum eine andere Wahl.  Es ist – politisch betrachtet – für Notenbanken und Politiker allemal attraktiver, über einseitige Abwertung zum Beispiel des Euro einen zumindest temporären Vorteil im globalen Wettbewerb zu erzielen, anstatt infolge international abgestimmten Wohlverhaltens  die eigene Volkswirtschaft zu schwächen.

Hinzu kommt, dass im Szenario einer erneuten globalen Rezession – nicht so unwahrscheinlich angesichts von Schuldenlast und Unterinvestition – die Furcht vor einem massiven Abgleiten in eine Deflation umgehen wird. Diese aber würde zu einer Flucht in den US-Dollar – und natürlich vor allem Gold – führen, da dieser unter den großen Währungen noch relativ am besten dasteht. In diesem Szenario kämen alle Rohstoffwerte, für die die genannte US-Dollar Abhängigkeit ebenfalls gilt, massiv unter die Räder.

Bleibt nur die Frage nach dem Timing. Wechselkursprognosen sind schon ohne die Marktmanipulation der Notenbanken kaum möglich. Dies gilt heute also erst recht. Der einzige Indikator ist m. E. die Euphorie der Marktteilnehmer. Als fast alle erwarteten, dass es in den kommenden Monaten zu einem Euro/US-Dollar Kurs von 1:1 kommt – Sie erinnern sich? – war der Zeitpunkt gekommen, dagegen zu spekulieren. Noch sind keine Abgesänge auf den Dollar zu hören, könnte die Schwäche also noch etwas andauern. Zeit, die wir nutzen sollten, das eigene Portfolio auf einen wieder schwächeren Euro und stärkeren Dollar einzurichten, meint nicht nur Ben Hunt.

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