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Geldanlage Lohnt sich das Gold-Angebot von Lidl?

Überraschung beim Billig-Lebensmittelanbieter Lidl – wer derzeit Goldmünzen oder Barren kaufen will, muss nicht mehr etwa zum Bankschalter gehen, sondern kann dies „solange der Vorrat reicht“ nun auch beim Discounter.

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Discounter Lidl bietet Quelle: REUTERS

Im Onlineshop bietet Lidl vier verschiedene Goldmünzen und einen 10-Gramm-Barren an und schickt diese dann versichert nach Hause. Doch drei der Münzen, eine goldene D-Mark, ein 100-Euro-Stück und eine 50-Franken-Goldmünze, sind bereits ausverkauft.

Das Edelmetall ist heiß begehrt. Lidl hatte das Angebot vergangenen Samstag mit einem Handzettel beworben. Zu den Stückzahlen und dem Abverkauf macht die Kette aus Neckarsulm keine Angaben. Nur soviel verrät Lidl: „Wir können von einer sehr guten Kundenresonanz sprechen.“

Lidl verlangt ein stolzes Aufgeld von gut 20 Prozent auf den reinen Goldpreis

Die 100-Euro-Goldmünze Goslar mit 15,5 Gramm Goldgehalt kostet bei Lidl 429 Euro. Ein Fixpreis. Und ein stolzes Aufgeld von gut 20 Prozent auf den reinen Goldpreis. 15,5 Gramm Gold sind derzeit auf dem freiem Markt 357 Euro wert. Eine Feinunze, in der der Goldpreis üblicherweise angegeben wird, sind 31,1 Gramm.

Dennoch ist die Münze bereits ausverkauft. Der 10-Gramm Goldbarren kinebar aus Österreich ist noch zu haben. Ihn gibt es für schlappe 329 Euro bei Lidl. Reiner Goldwert des Barren: 230 Euro. Aufgeld: 43 Prozent!

Den Goldgehalt erwähnt Lidl nur beiläufig

„Lidl kann nicht ständig auf die Kurse reagieren, wie wir dies machen“, verteidigt Robert Hartmann die neue Konkurrenz. Als Wertanlage kann der Geschäftsführer des Münchner Goldhändlers pro aurum - wenn überhaupt - nur die D-Mark-Münze und den Goslar empfehlen.

Deren Aufgeld hält sich nach Ansicht des Goldhändlers mit den sonst üblichen rund zwölf Prozent noch im Rahmen. Bekanntere Münzen wie den südafrikanischen Krügerrand gibt es mit einem Agio von acht bis neun Prozent. „Als wir 2003 mit dem Handel begannen, lag das Agio sogar noch bei drei Prozent“, sagt Hartmann.

ARCHIV - Eine Hand hält einen Quelle: dpa

Grund für den Anstieg ist die derzeit große Nachfrage nach dem Edelmetall. Hartmann zählt seit drei Monaten etwa doppelt so viele Kunden wie sonst. Allein am Schalter in München stehen täglich 100 Menschen, die er und seine Mitarbeiter teilweise auch vertrösten müssen, da das Angebot knapp ist und sie nicht alle Wünsche erfüllen können.

„Die Anstalten prägen gar keine viertel oder halben Unzen, sondern nur noch Ein-Unzen-Stücke“, sagt Hartmann, "denn beim Umspannen der Maschinen würden sie sonst jedes Mal zwei bis vier Stunden verlieren.“

Die Nachfrage nach Gold boomt

Auch Jürgen Müller, Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaft für Gold und Silber aus Gerstetten bei Ulm, hat alle Hände voll zu tun. Die Zahl der Gesellschafter der Edelmetallgemeinschaft, einer Art Fonds, der Goldbarren kauft, hat sich innerhalb von zwölf Monaten von 660 auf knapp 1700 fast verdreifacht.

Müller bemängelt bei Angeboten wie dem von Lidl vor allem, dass der Goldgehalt oft nur beiläufig erwähnt wird. Lidl kann sich derweil schon  „weitere Aktionen vorstellen“. Kein Wunder bei einer so attraktiven Gewinnmarge.

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