WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Chronometer Uhren mit Potenzial

Chronometer schmücken nicht nur das Handgelenk, sondern eignen sich auch als Wertsteigerungsobjekte. Etwas mehr als eine Handvoll Kleingeld sollten Sammler aber schon mitbringen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Uhr von Konrad Adenauer: Die 18-K-Gelbgold-Automatik-Rolex hat einen Wert von bis bis 80.000 Schweizer Franken

Ein Stück deutsche Geschichte, einfach und praktisch zu tragen – am Handgelenk. Das versteigert das Auktionshaus Sotheby’s im November in Genf. Die goldene Rolex mit Datumsanzeige und rückseitiger Gravur wurde 1955 als Geschenk vom Rolex-Gründer Hans Wilsdorf an Konrad Adenauer geschickt. Geschätzt wird das gute Stück auf 60 000 bis 80 000 Schweizer Franken. Mit dabei: das Original-Lederetui sowie ein Brief von Wilsdorf an Adenauer – eine Art Echtheitszertifikat. Uhren als alternative Investition liegen im Trend. Das Online-Portal Chrono24 etwa, das Käufern und Verkäufern von Uhren eine Plattform bietet, verzeichnet pro Monat zwei Millionen Besucher – doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Die einschlägigen Auktionshäuser wie Sotheby’s, Christie’s sowie die auf Uhren spezialisierten Häuser Antiquorum, Patrizzi & Co. in Genf und Auktionen Dr. H. Crott in Mannheim verzeichnen enorme Zuwachsraten.

5000 Uhren für 50 Millionen

Ein Stück deutsche Geschichte, einfach und praktisch zu tragen – am Handgelenk. Das versteigert das Auktionshaus Sotheby’s im November in Genf. Die goldene Rolex mit Datumsanzeige und rückseitiger Gravur wurde 1955 als Geschenk vom Rolex-Gründer Hans Wilsdorf an Konrad Adenauer geschickt. Geschätzt wird das gute Stück auf 60 000 bis 80 000 Schweizer Franken. Mit dabei: das Original-Lederetui sowie ein Brief von Wilsdorf an Adenauer – eine Art Echtheitszertifikat. Uhren als alternative Investition liegen im Trend. Das Online-Portal Chrono24 etwa, das Käufern und Verkäufern von Uhren eine Plattform bietet, verzeichnet pro Monat zwei Millionen Besucher – doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Die einschlägigen Auktionshäuser wie Sotheby’s, Christie’s sowie die auf Uhren spezialisierten Häuser Antiquorum, Patrizzi & Co. in Genf und Auktionen Dr. H. Crott in Mannheim verzeichnen enorme Zuwachsraten.

2010 versteigerte Sotheby’s weltweit mehr als 1700 Uhren für insgesamt 40 Millionen Dollar (29 Millionen Euro). „Damit haben wir unseren Vorjahreserlös beinahe verdoppelt“, sagt Geoffroy Ader, Sotheby’s Leiter der Uhrensparte für Europa. Auch Konkurrent Christie’s konnte bereits im Mai dieses Jahres mit mehr als 26 Millionen Dollar die Erlöse aus den Genfer Uhrenauktionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent steigern. Antiquorum brachte 2010 etwa 5000 Zeitmesser unter den Hammer – für insgesamt rund 50 Millionen Schweizer Franken (41 Millionen Euro).

Prominente Vorbesitzer

Von Adenauer bis Newman
MondpreisDie teuerste je versteigerte Golduhr von Patek Philippe ging 2010 für 6,3 Millionen Schweizer Franken weg. Quelle: Christie's Images Ltd 2011
18-K-Gelbgold-Automatik-Rolex, Referenz = Modell (6305/1)Uhr von Konrad Adenauer mit rückseitiger Gravur Schätzung: bis 80.000 Schweizer Franken Versteigerung: 13.November über Sotheby's Quelle: Sotheby's
Piguet et Meylan à Brassus62-mm-Herrentaschenuhr um 1820 mit Musikspielwerk Wert 2001: 50.000 Euro Schätzung: 100.000 - 150.000 Euro Versteigerung: 12.November über Auktionen Dr. H. Crott Quelle: Sotheby's
Du Bois et Fils, Le Loclezugeschrieben, 62mmEine von acht perlenbesetzten Gold-email-Taschenuhren Wert 2001: 100.000 Euro Schätzung: bis 800.000 Euro Versteigerung: 12.November über Auktionen Dr. H. Crott Quelle: Sotheby's
A. Lange & Söhne, Tourbillon "Pour le Mérite"Glashütter Armbanduhr von 1997 mit Tourbillon und 36-h-Gangreserveanzeige, limitiert, Nr. 83 von 150 Stück Wert 1997: 125.000 DM Wert heute: 110.000 Euro Quelle: Sotheby's
Longines Watch Co., Swiss, Ref. (7412/2)Roségoldene Herrenuhr um 1966, mit Chronograph, blauer Tachy- und roter Telemeterskala mit Kaliber 30 CH Wert 2001: 2500 Euro Wert heute: 6500 Euro Quelle: Sotheby's
Rolex "Cosmograph Daytona" - sogenannte "Paul Newman", Ref. (6241)Seltenes Rolex-Daytona-"Paul Newman"-Modell Wert 2009: 50.000-70.000 Franken Wert heute: bis 80.000 Schweizer Franken Quelle: Sotheby's

Nicht jede Uhr kann so einen prominenten Vorbesitzer wie Konrad Adenauer vorweisen. Doch das muss sie auch nicht, um attraktive Renditen für ihren Besitzer herauszuschlagen. Wie beispielsweise im Falle der Rolex Daytona: Die Preise für diese Chronographen, Uhren mit integrierter Stopp-Uhr, deren Name an den Rennsport-Ort Daytona Beach in Florida angelehnt ist, steigen seit Jahren kontinuierlich. Besonders begehrt sind die Modelle mit dem inoffiziellen Namenszusatz „Paul Newman“. Die stammen aus den späten Sechziger‧jahren, haben ein Gehäuse aus Stahl und zusätzlich ein besonders seltenes Zifferblatt. Während das normale Daytona-Zifferblatt schwarz ist und silbern abgesetzte Totalisatoren, also Unterzifferblätter für die Stopp-Uhr hat, ist das Paul-Newman-Modell schwarz/weiß oder weiß/schwarz abgesetzt. Unter Sammlern sind sie deshalb sehr begehrt. Schauspieler und Rennfahrer Paul Newman trug sie bereits 1969 im Film „Winning“. 2009 schätzte Sotheby’s solch ein Modell noch auf einen Wert von etwa 50 000 bis 70 000 Schweizer Franken. Heute liegt der geschätzte Wert bereits zwischen 60 000 und 80 000 Franken.

Den Preisanstieg führt Aurel Bacs, Internationaler Direktor der Uhrenabteilung bei Christie’s, einerseits auf die wachsende Zahl an Uhrensammlern zurück; andererseits sei das „kulturelle Verständnis“ für solche Uhren enorm gewachsen. Insbesondere die aufstrebende Mittelschicht aus Asien, allen voran China, sei investitionswillig. „50 Prozent der Uhren, die wir verkaufen, gehen nach Asien“, sagt Bacs.

Leidenschaft zählt

Wertvolle oder zumindest wertstabile Uhren zu identifizieren erfordert Erfahrung. „Denn 80 Prozent aller Uhren haben kein Wertsteigerungspotenzial, sie sind nicht einmal werthaltig“, sagt Michael Brückner, Autor mehrerer Uhrenfachbücher und selbst passionierter Sammler. Deshalb sei die Uhr auch keine Alternative zur klassischen Anlage, sondern allerhöchstens eine „Ersatzrendite“.

An erster Stelle steht deshalb die Leidenschaft zum Sammeln, der Sinn für komplizierte Technik und Handarbeit. Wichtige Kriterien für den Uhrenkauf – egal, ob neu oder alt – sind generell: Hersteller, Modell, mechanische Komplexität und Authentizität, Seltenheit, Zustand und Provenienz sollte der Käufer prüfen. „Je vollständiger diese Kriterien erfüllt sind, umso bedeutender die Uhr und umso größer das Wertpotenzial“, so Bacs.

Wenn es um die richtige Marke geht, muss Patek Philippe als Erstes genannt werden. Keine andere Marke erzielt in Auktionen konstant so hohe Preise wie die Schweizer Manufaktur – und das bereits seit Jahrzehnten. So ist beispielsweise die teuerste, je versteigerte Uhr eine Taschenuhr aus dem Hause Patek Philippe. 1999 wechselte sie in New York für elf Millionen Dollar ihren Besitzer. Auch die teuersten je versteigerten Armbanduhren sind von Patek Philippe. Passionierte Sammler zahlten Rekordsummen von mehr als sechs Millionen Schweizer Franken.

Rekordpreis für Patek Philippe

Rolex

Auch Uhren der Marke Rolex haben sich als sehr wertbeständig erwiesen. „Eine Rolex kann man immer und überall auf der Welt zu Geld machen“, sagt Uhrenexperte Brückner. Generell gelte: Bei Uhren, die in der Hoffnung auf Wertsteigerung gekauft werden, sollte der Käufer auf traditionsreiche Marken setzen. Dazu zählen auch die Marken Audemars Piguet, Breguet, Officine Panerai, Vacheron Constantin, Jaeger Le Coultre und A. Lange & Söhne.

Wenn es um die Innereien einer Uhr geht, sollten Käufer auf mechanische Uhrwerke setzen, am besten aus der herstellereigenen Manufaktur. Bei den zusätzlichen Funktionen, die neben Stunden- und Minutenzeiger integriert sind (Fachjargon: Komplikationen), gilt: je mehr, desto besser, desto teurer. Wichtig, gerade bei alten Uhren, ist die Authentizität der Teile. Besonders das Zifferblatt darf nicht restauriert und das Uhrwerk sollte in gutem Zustand sein. Ausgetauschte oder reparierte Teile mindern den Wert massiv. „Schon feinste Kratzer kosten 20 bis 30 Prozent“, sagt Stefan Muser vom Mannheimer Auktionshaus Dr. H. Crott.

In manchen Fällen spielt allerdings der Zustand eine untergeordnete Rolle – immer dann, wenn der Zeitmesser besonders selten ist oder einen berühmten Vorbesitzer hatte. „Tatsächlich gibt es solche Überraschungen öfter, als man denkt“, sagt Bacs von Christie’s. So fand sich im Erbe eines Verstorbenen 2008 eine Patek Philippe, die Christie’s auf 1,5 bis 2,5 Millionen Franken taxierte. Die Erben erhielten am Ende bei einer Versteigerung für die Platin-Mondphasenuhr sogar den damaligen Rekordpreis von drei Millionen Franken. Gerechnet hatte die Familie ursprünglich nur mit ein paar Tausend. Gerade bei Fundstücken ist die Meinung eines Experten wichtig, um keiner Fälschung aufzusitzen.

Innereien sind wesentlich

Auch wenn sogenannte Vintage-Uhren, also Modelle, die zwischen 1920 und 1970 gefertigt wurden, eine besondere Wertsteigerung versprechen, so gibt es auch unter den neueren Uhren, die derzeit im Uhrengeschäft erhältlich sind, einige mit Potenzial. Die müssen für eine Wertsteigerung allerdings zwingend aus einer Manufaktur kommen, mit einer Limitierung verknappt sein und mit Komplikationen aufwarten.

Besonders begehrt sind kleinste Limitierungen aus großen Manufakturen wie zum Beispiel A. Lange & Söhne. Im Oktober versteigerte beispielsweise Sotheby’s in Hongkong gleich drei Zeitmesser dieser Manufaktur, deren Wert sich zum Ursprungs-kaufpreis teilweise verdoppelt hatte. Nur 101 Exemplare wurden von dem Set Große Lange 1 „Luna Mundi“, bestehend aus einer weiß- und einer rotgoldenen Mondphasenuhr aus dem Jahr 2003, hergestellt. Versteigert wurden die seltenen Uhren für umgerechnet 93 750 Euro.

Wie viel Sammlern das Unikat von Konrad Adenauer wert ist, wird sich am 13. November entscheiden. In der Genfer Auktion vor einem Jahr wurde eine sehr seltene Rolex Oyster Daytona „Paul Newman“ für 464 500 Schweizer Franken versteigert. Wie im Falle der Adenauer-Uhr lag die Schätzung im Vorfeld zwischen 60 000 und 80 000 Schweizer Franken.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%