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DWS: Verdacht auf GreenwashingEhrlich grün oder gar nicht

Greenwashing diskreditiert grüne Investments. Die Vorgaben für Investmentgesellschaften verschärfen das Problem. Höchste Zeit für einen Neuanfang. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Martin Gerth 23.12.2024 - 15:41 Uhr

Die Fondsgesellschaft DWS mit ihrem Hauptsitz in Frankfurt steht wegen einer Bafin-Untersuchung unter Druck. 

Foto: REUTERS

Tesla-Gründer Elon Musk hält nachhaltige Geldanlage für Betrug. Er dürfte sich durch einen aktuellen Fall in Deutschland bestätigt sehen. Denn die Finanzaufsicht Bafin prüft das Verhalten der Fondsgesellschaft DWS bei nachhaltigen Aktienportfolios. Die Deutsche-Bank-Tochter soll entgegen eigener Bekundungen keinen oder wenig Einfluss auf das Management von Unternehmen genommen haben, die Firmenstrategie nachhaltiger zu gestalten. Das wäre dann ein Fall von Greenwashing. 

Diese im Fachjargon Engagement genannte Einflussnahme soll rechtfertigen, dass grüne Fonds auch in Konzerne aus weniger nachhaltigen Branchen wie beispielsweise Öl- und Gasförderung investieren. Die DWS steht unter Verdacht, dass ihre Fondsmanager dieses Versprechen nicht eingelöst haben. Die börsennotierten Unternehmen, in die die Fonds investiert waren, hätten weiterhin so schmutzig oder unsozial gewirtschaftet wie bisher. Damit wären die nachhaltigen Fonds weit weniger grün gewesen als das Etikett versprach.  

Noch läuft die Untersuchung der Bafin. Insofern ist es zu früh für ein abschließendes Urteil. Allerdings ist es für den deutschen Marktführer DWS nicht der erste Vorfall zum Thema Greenwashing. In den USA einigte sich die DWS im Herbst 2023 mit der Börsenaufsicht SEC auf eine millionenschwere Strafzahlung. Auch hier ging es um nachhaltige Geldanlage. Fairerweise ist zu sagen, dass auch andere Fondsgesellschaften bereits negativ im Umgang mit grünen Investments auffielen. Das macht den aktuellen Fall jedoch nicht besser.   

Grüne Vorgaben verwässert

Das Grundproblem ist allerdings nicht das Verhalten einzelner Fondsgesellschaften. Grüne Geldanlage krankt vielmehr daran, dass Nachhaltigkeit in erster Linie ein Marketing-Instrument für den Vertrieb ist. Als börsennotierter Geldmanager muss die DWS so viel Kapital wie möglich bei Anlegern einsammeln. Fasst eine Fondsgesellschaft wie die DWS die Kriterien für ihre grünen Portfolios zu eng, dann können die Fonds nicht groß genug werden, weil es an geeigneten Investments fehlt. Zu viele Aktien würden an den hohen Hürden scheitern. Also verwässern die Vermögensverwalter die Vorgaben und versprechen im Gegenzug, dem Management Druck zu machen, damit das Investment zumindest mit der Zeit nachhaltiger wird. 

Diese Art von Engagement durch die Fondsmanager ist oft schwer nachprüfbar. Viele Fondsgesellschaften verrichten diese Arbeit im Hintergrund. Selbst wenn sich Konzerne grüner oder sozialer verhalten als in der Vergangenheit, lässt sich die Ursache kaum ermitteln. Hat das Management seine Strategie auf Druck der Fondsgesellschaften geändert oder waren die Maßnahmen ohnehin geplant? Sowohl die Unternehmensvorstände als auch die Vermögensverwalter haben viel Interpretationsspielraum, um den Anlegern ihre Maßnahmen zu verkaufen. 

Mehr Transparenz statt Greenwashing

Solche Zweifel an nachhaltiger Geldanlage lassen sich nur durch mehr Transparenz zerstreuen. Was grün ist oder nicht, muss nachprüfbar sein. Dafür gibt es eigentlich nur zwei Wege. Entweder ich schließe als Vermögensverwalter unter Nachhaltigkeitskriterien besonders kritische Branchen wie fossile Energien oder Rüstung konsequent aus. Der Rest des Portfolios wird konventionell angelegt. Die Alternative ist, nur noch in wirklich grüne Geschäftsmodelle zu investieren. Häufig sind das innovative Mittelständler und keine Großkonzerne. Alles, was irgendwie zwischen diesen beiden Ansätzen liegt, ist anfällig für Greenwashing und andere Formen von Manipulation. 

Der Fall DWS zeigt, dass es höchste Zeit für einen Neuanfang bei der nachhaltiger Geldanlage ist. Dazu gehört auch das Eingeständnis, dass der Einfluss der Fondsgesellschaften begrenzt ist. Haben die großen Öl- und Gaskonzerne bis vor einigen Jahren noch viel Geld in die Energiewende investiert, steuern sie inzwischen um: mehr schmutziges, aber profitables Geschäft mit Öl und Gas, weniger Investitionen in erneuerbare Energien. Ob ein Vorstand im Amt bleibt, misst sich primär am Gewinn und nicht an Nachhaltigkeitskriterien. Das ist vielleicht nicht moralisch, aber ehrlich. 

Lesen Sie dazu auch: Wie nachhaltig ESG-Boni bei Managergehältern wirklich sind

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