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Elitärer Börsenclub „Nur absolute Topleute kommen rein“

Börsenkenner: Der exklusive Value Investors Club nimmt nur besonders börsenkundige Bewerber in seinen Kreis auf. Quelle: dpa

Der Value Investors Club ist das vielleicht exklusivste Börsenforum im Internet. Doch was macht den Reiz aus? Fondsmanager und Clubmitglied Wesley Gray über den Mehrwert der Empfehlungen dort.

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Maximal 500 Mitglieder dürfen rein: in das Webforum Value Investors Club (VIC). Die Eintrittshürde ist hoch, weil Neumitglieder eine fundierte Analyse einer vermeintlich unterbewerteten Aktie vorlegen müssen. Viele Hedgefondsmanager mischen mit. 

Der Nordamerikaner Wesley Gray ist nicht nur langjähriges Mitglied im Value Investors Club, Gray hat auch seine Dissertation an der Universität von Chicago über den Club geschrieben. Dabei wollte er vor allem herausfinden, ob die Empfehlungen der VIC-Mitglieder einen echten Mehrwert bieten. Im Interview erklärt der ehemalige Finance-Professor an der Drexel University und heutige Fondsmanager bei Alpha Architect, was den Reiz des VICs ausmacht - und ob er angesichts der großen Konkurrenz durch andere Finanzforen noch Zukunft hat. 

WirtschaftsWoche: Herr Gray, Onlinefinanzforen gibt es viele. Was ist das Besondere am Value Investors Club (VIC)?
Wesley Gray: Das Bewerbungsverfahren setzt enorme Disziplin voraus. Damit stellen die Betreiber sicher, dass nur absolute Topleute teilhaben. Außerdem schaffen sie eine Verknappung, da die Anzahl an Mitgliedern limitiert ist, was wiederum die Qualität der Mitglieder erhöht.



Zudem lässt die Verknappung die Mitgliedschaft besonders reizvoll erscheinen. Trägt der VIC seinen Ruf als Forum, in dem Finanzexperten sich anonym in einem geschützten Raum austauschen können, denn zurecht?
Absolut. Sie rekrutieren sehr gut und die empirische Beweislage ist klar: Ihre Ideen, insbesondere wenn es nicht um große und sehr große Unternehmen geht, werfen über die Zeit sehr gute Renditen ab.

Wie kamen Sie auf die Idee, in Ihrer Dissertation die Performance der im Value Investors Club empfohlenen Aktien zu untersuchen?
Ich habe die Entwicklung dieser Gruppe von Anfang an verfolgt. Ein Beitrag von Gründer Joel Greenblatt hat mich auf seinen Club aufmerksam gemacht. Alles begann mit der Analyse von Value-Werten mit sehr geringer bis geringer Marktkapitalisierung. Ich wollte verstehen, wie sich Information aus allen denkbaren Ecken der Welt ins Internet bewegt, wo relative Transparenz vorherrscht. Außerdem wollte ich verstehen, warum Investoren gute Ideen miteinander teilen würden.

Was haben Sie herausgefunden?
Ich habe mir die Performance seit Gründung des Clubs im Jahr 2000 bis zum Jahresende 2011 angeschaut. In dieser Periode haben Portfolios von Value-Aktien mit geringer bis mittlerer Marktkapitalisierung generell sehr gut performt. Wenig überraschend galt das auch für die Empfehlungen des VIC, die insbesondere solche Small-Caps im Value-Bereich umfassten.

Dabei stellten sie aber fest, dass die Empfehlungen im VIC die allein auf Basis der Marktentwicklung zu erwartenden Renditen noch übertroffen haben. Woher kommt dieser Vorteil? Es wird beispielsweise viel über prominente VIC-Mitglieder spekuliert. Kennen Sie welche?
Ja. Aber ich muss die anonyme Natur des Clubs respektieren. Deshalb bitte ich um Ihr Verständnis, dass ich keine Namen nennen werde.

Der VIC wurde bereits im Jahr 1999 gegründet. Heute, mehr als 20 Jahre später und mit all der Konkurrenz im Bereich der Sozialen Medien, ist der Club noch genauso relevant und hat eine stabile Zukunft vor sich?
Definitiv. Solche Foren gab es schon immer. Im Jahr 1999 waren es die Nachrichtenforen bei Yahoo!, Raging Bull, Silicon Valley und wie sie alle heißen. Und heute haben wir Reddit und Co. Aber der Trick ist, Qualität im Gegensatz zu reiner Quantität zu erzeugen. Das ist dem VIC gelungen und das ist aus meiner Sicht ein ökonomischer Burggraben. Eine begrenzte Anzahl von hochqualifizierten Profis zu betreuen, die gewillt sind, Ideen und ihre Gedanken miteinander auszutauschen – das hat das Zeug zum Evergreen. Die besonderen Strukturen des VIC können Soziale Medien nicht einfach so nachbauen.

Sie sind selbst VIC-Mitglied. Wie einfach war die Bewerbung für Sie?
Ich habe fünf Ideen eingereicht, bevor ich akzeptiert wurde. Die Ironie des Schicksals: Die Investment-Idee, mit der ich schließlich zum Mitglied wurde, sah zunächst extrem vielversprechend und überzeugend aus. Sie endete mit einem Verlust von 90 Prozent. Das zeigt, wie unglaublich kompliziert der Aktienmarkt sein kann.

Jetzt sind wir neugierig geworden. Welche Aktie war das denn?
Leider kann ich das nicht offenlegen, weil die Mitglieder im VIC sonst nachvollziehen könnten, unter welchem Mitgliednamen ich dort vertreten bin. Diese Identitäten sollen aber anonym bleiben.

Schade eigentlich. Wie viel Zeit verbringen Sie dann noch heute im VIC?
Sehr wenig. Mit meiner Firma verwalte ich mehr als eine Milliarde Dollar an Assets und trage als Geschäftsführer die Verantwortung. Also ist die Zeit, mich mit einzelnen Aktienempfehlungen im Detail zu beschäftigen, sehr begrenzt. Leider.

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Was ist die bisher beste Investment-Idee, auf die Sie im VIC gestoßen sind?
Vor langer Zeit gab es dort die Empfehlung, Krispy Kreme Donuts zu shorten. Ich war von der These überzeugt und habe sie in meinem persönlichen Depot umgesetzt. Das Timing war perfekt und ich habe innerhalb von kurzer Zeit 300 Prozent Gewinn gemacht. Aber es gab auch schon Empfehlungen, Amazon zu shorten – und diese Analysen waren zum damaligen Zeitpunkt durchaus überzeugend. Zusammengefasst: Ich hatte einige riesige Gewinne, aber auch riesige Verluste, indem ich Analysen aus dem VIC gefolgt bin.

Mehr zum Thema: Der VIC gilt als der exklusivste Investorenzirkel der Welt. Maximal 500 Teilnehmer diskutieren anonym Anlageideen. Egal, ob Hedgefondsmilliardär oder Autodidakt., alle mussten durch den gleichen Aufnahmetest.

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