Exotische Fondsinvestments: Anlegen in der Nische -mehr Würze im Depot
Nischeninvestments: So mancher Fonds setzt auf den demografischen Wandel, Katastrophen-Anleihen oder den Trend zum Luxus.
Foto: dpa, MontageWer eine Suppe kochen will, braucht verschiedenste Zutaten, allem voran eine solide Basis, etwa Fleisch und Gemüse. Den rechten Pfiff geben jedoch die Gewürze. Ein Lorbeerblatt da, etwas Knoblauch vielleicht und natürlich das sprichwörtliche Salz in der Suppe.
Wer ein Fondsportfolio zusammenstellen möchte oder neu überdenkt, steht vor ähnlichen Problemen wie so mancher Koch. Was kann ich alles hinzufügen, um am Ende ein - individuell abgestimmt - optimales Ensemble zu erhalten? Nischeninvestments sind da als Beimischung geeignet, um analog zu den Gewürzen in der Suppe einem Depot den richtigen Pepp zu verleihen - und so vielleicht den einen oder anderen Prozentpunkt zusätzlicher Rendite.
Nicht mehr als fünf Prozent
Ein Fonds als Beimischung zum Portfolio sollte in der Anlagesumme nicht mehr als fünf Prozent des Ganzen ausmachen. Denn neben den höheren Gewinnerwartungen, die damit verbunden sind, steigt auch die Fallhöhe – sprich die allgemeinen Risiken, die durch gesellschaftliche oder restriktive Einflüsse oder ganz einfach durch höhere Gewalt entstehen können.
Platz 8 im Dax
Bei Adidas sorgte jüngst die Ankündigung von Kasper Rorsted als neuem CEO für Kurssprünge. Großaktionär Blackrock dürfte es gefreut haben.
Blackrocks Anteil: 6,19 Prozent
Platz 7 im Dax
Immer wieder verweist der US-Fondsriese, Vermögen im Auftrag seiner Kunden zu verwalten. Ziemlich sicher wähnt Blackrock sein Geld offenbar beim Münchner Versicherer Allianz. Entsprechend viele Aktien hält der US-Konzern.
Blackrocks Anteil: 6,28 Prozent
Foto: dpaPlatz 6 im Dax
Nach Umsatz und Marktkapitalisierung gilt BASF als einer der weltgrößten Chemiekonzerne. 2015 litt jedoch das Geschäft der Ludwigshafener unter dem gefallenen Ölpreis, die Aktie fiel. Blackrock dürfte es nicht gefreut haben.
Blackrocks Beteiligung: 6,31 Prozent
Foto: dpaPlatz 5 im Dax
Der Energiekonzern Eon befindet sich in einer Umbruchphase. Das Geschäft mit den erneuerbaren Energien soll künftig in die neue Gesellschaft Uniper ausgegliedert werden. Wird Blackrock darauf reagieren?
Blackrocks Beteiligung: 6,59 Prozent
Foto: dpaPlatz 4 im Dax
Dass Blackrock nicht immer nur schweigend die Interessenseiner vermögenden Kunden verwaltet, durfte die Deutsche Bank schonspüren. Als der ehemalige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann 2012 ohne Abkühlphase an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln wollte, protestierte der US-Fondsriese. Konsequenz: Ackermann durfte seinen Positionswechsel nicht wie gewünscht vollziehen.
Blackrocks Beteiligung: 6,63 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 3 im Dax
Nicht nur an Erstversicherern wie der Allianz hat sich der US-Konzern beteiligt. Im Dax scheint ihm der Rückversicherer Munich Re sogar noch mehr zu gefallen, wenn man Interesse in der Größe des Anteilspaketes bemisst.
Blackrocks Beteiligung: 6,64 Prozent
Foto: dpaPlatz 2 im Dax
Ab Januar 2016 greift bei Bayer eine neue Unternehmensstruktur. Die Holdingstruktur mit Teilkonzernen wird abgeschafft. Stattdessen wollen die Leverkusener wieder ein integriertes Unternehmen sein. Das soll, na klar, dem Wachstum des Unternehmens helfen.
Blackrocks Beteiligung: 7,06 Prozent
Foto: dpaPlatz 1 im Dax
Gespannt dürfte Blackrock die aktuelle Übernahmeschlacht zwischen dem deutschen Immobilien-Marktführer Vonovia und der Nummer zwei, Deutsche Wohnen, verfolgen. Seit Monaten versucht Vonovia, Deutsche Wohnen durch eine feindliche Übernahme zu schlucken.
Blackrocks Beteiligung: 8,14 Prozent
Foto: dpaPlatz 8 im Stoxx 50 und Dow Jones
Natürlich legt Blackrock 4,5 Billionen US-Dollar nicht allein am deutschen Markt an. Intensiv wird das Vermögen seiner Kunden auch im Blackrock-Heimatmarkt in den USA angelegt. Als sicheren Hafen betrachten sie auch den Telekommunikationskonzern Cisco.
Blackrocks Beteiligung: 6,55 Prozent
Foto: dpaPlatz 7 im Stoxx 50 und Dow Jones
Die Bankenbranche steht nach der Finanzkrise international unter Beschuss. Bankenaufsichten fordern sie etwa mit strengeren Eigenkapitalquoten. JP Morgan Chase befindet sich offenbar auf dem Wege der Besserung, konnte für 2015 ein Rekordergebnis ausweisen. Großaktionär Blackrock dürfte es gefreut haben.
Blackrocks Beteiligung: 6,60 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 6 im Stoxx 50 und Dow Jones
Der Preisverfall beim Öl setzt den Unternehmen der Branche zu. Total musste 2015 Milliardenverluste bei Umsatz und Gewinn vermelden – sehr zum Leidwesen der Anteilseigner.
Blackrocks Beteiligung: 6,88 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 4 im Stoxx 50 und Dow Jones
Platz 5 in den Blackrock-Beteiligungen im Stoxx 50 nimmt der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer (Anteil des US-Fondsriesen: 7,06 Prozent) ein. Daher geht es an dieser Stelle mit dem viertplatzierten, British American Tobacco weiter. Zu den aktuellen Zigarettenmarken des Konzern gehören etwa Lucky Strike und HB.
Blackrocks Beteiligung: 7,13 Prozent
Foto: dapdPlatz 3 im Stoxx 50 und Dow Jones
Nicht nur deutsche Versicherungen interessieren den größten Vermögensverwalter. In den USA etwa ist er mit einem großen Aktienpaket an United Health beteiligt. Das Unternehmen aus Minnesota zählt zu den größten Versicherern der Vereinigten Staaten.
Blackrocks Beteiligung: 7,23 Prozent
Foto: APPlatz 2 im Stoxx 50 und Dow Jones
Der Pharmakonzern Sanofi gehört zu den größten Unternehmen Frankreichs. Im Jahr 2014 setzt Sanofi 33,8 Milliarden Euro um.
Blackrocks Beteiligung: 7,51 Prozent
Foto: REUTERSPlatz 1 im Stoxx 50 und Dow Jones
An Pharmakonzerne scheint Blackrock besonders interessiert zu sein. Seine größte Beteiligung hält der Vermögensverwalter nämlich an Astra Zeneca. Der Konzern ist einst aus dem schwedischen Unternehmen Astra und dem britischen Zeneca hervorgegangen – daher stammt der Doppelname. Mit der geballten Kraft bringt es der Konzern zu einem der größten Pharmaunternehmen der Welt. 2014 erwirtschaftete Astra Zeneca einen Umsatz von 26 Milliarden US-Dollar.
Blackrocks Beteiligung: 9,57 Prozent
Foto: REUTERSIm Gegenzug bieten sie Investitionen in exotische Themen eine Reihe von Vorteilen. Zunächst einmal sind sie im Hinblick auf ihre Entwicklung oft recht unabhängig von den großen Aktien- und Rentenmärkten. Dadurch verbessern sich nicht nur die Renditechancen durch höhere Diversifikation des Portfolios, also Streuung der Geldanlage, sondern auch die Verlustrisiken für das gesamte Depot. In jedem Fall sollten Anleger auf die Zusammensetzung, die Strategie und die Kosten der jeweiligen Finanzprodukte achten.
„Je oller, je doller“ – Demografie-Fonds
Demografie-Fonds können völlig zu Recht als aussichtsreiches Nischeninvestment bezeichnet werden. Finanzprodukte dieser Art setzen auf die zunehmende Überalterung in den entwickelten Industrienationen und damit auf einen Markt, der langsam aber sehr zuverlässig wächst. Unter den Einzelinvestments der Demografie-Fonds finden sich neben den obligatorischen Pharma- und Healthcare-Titeln auch Aktien von Gesellschaften, die altersgerechte (Konsum-)Produkte und Dienstleistungen anbieten.
Hierzu zählen beispielsweise wie beim CPR Silver Age personenbezogene Finanzdienstleistungen, Körperpflegeprodukte, Automobile und Freizeitangebote. Bei den entsprechenden Protagonisten, die als Einzeltitel im Fonds in Frage kommen, handelt es sich um den Versicherungskonzern Aviva, L’Oréal, Daimler oder um die Hotelgruppe IHG.
Die weniger gute Performance der Demografie-Fonds in den zurückliegenden zwölf Monaten ist dabei allgemein schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung geschuldet. Immerhin entwickelte sich beispielsweise der Fidelity Demographics Fund im gleichen Zeitraum genauso gut oder so schlecht wie der MSCI World Index, gegenüber dem EuroStoxx 50 liefen die Demografiefonds sogar rund 15 Prozent besser. Dafür erreichten die Fonds in den vergangenen drei Jahren durchaus eine Performance von 27 bis 43 Prozent, während der vergangenen Jahre waren sogar mehr als 60 Prozent Plus drin (siehe Tabelle oben).
„Nobel geht die Welt zugrunde“ – Luxusgüter-Fonds
Ein ähnliches Investment wie die Demografie-Fonds sind die Fonds mit dem Investitionsschwerpunkt Luxusgüter. Derartige Finanzprodukte setzen auf die beständig wachsende Nachfrage nach Markenprodukten des gehobenen Preissegments. Unter diesen Aspekten ist es einerlei, ob es sich bei den Einzelinvestments um Automobile, Schmuck, Mode, Lederwaren oder Spirituosen handelt.
Luxusgüter und hochwertige Marken weisen relativ hohe Margen sowie verhältnismäßig konstante Gewinnprognosen auf. Hinzu kommt die aktuelle Entwicklung, die darauf hinweist, dass nach einer leichten Schwächephase des Segments bedingt durch einen Nachfragerückgang in China heute durch eine Stabilisierung der asiatischen Märkte ein neuer Silberstreif am Horizont erkennbar sind.
Überhaupt nicht katastrophal: Katastrophen-Bond Fonds
Ein Nischeninvestment aus dem Anleihe-Sektor sind Investmentfonds mit dem Anlageschwerpunkt Katastrophen-Anleihen (engl.: Cat-Bonds). In der Regel versichern Rückversicherer wie Swiss Re oder die Münchener Rück andere Assekuranzen gegen Schäden in Höhe von bis zu mehreren Milliarden, die durch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hurrikans, Überschwemmungen oder Vulkanausbrüche verursacht werden.
Dabei handelt es sich um extreme Risiken, die selbst für einen Rückversicherer mit immensen Rücklagen zu viel sein können. Damit sie diese Risiken nicht allein schultern müssen, treten die großen Rückversicherer als Emittenten von Katastrophen-Anleihen auf. Dadurch reichen sie das Risiko an institutionelle und private Investoren weiter, die auf diese Weise eine Wette auf den Nicht-Eintritt des Schadenfalls eingehen.
Für ihre Bereitschaft und ihren Mut werden die Anleger mit relativ lukrativen Zinssätzen belohnt. Diese können sich zwischen knapp zwei und bis zu 3,5 Prozent pro Jahr bewegen – also immerhin deutlich mehr als heutzutage beispielsweise beim Termingeld zu erzielen ist. Dagegen entspricht das Risiko der Anlageform Katastrophen-Bond Fonds so ganz und gar nicht seinem abschreckenden Namen.
Denn zum einen liegt die Wahrscheinlichkeit des Totalverlusts bei einer einzelnen Katastrophen-Anleihe nach Schätzungen der Rückversicherer nur zwischen ein bis zwei Prozent und zum anderen verteilt sich das Risiko bei einem entsprechenden Fonds auf mehrere Einzelkontrakte.
Mut zur Nische
Nischeninvestments eignen sich wie bereits erläutert hervorragend als Beimischung eines Depots - gleichgültig, ob sie wie durch die Demografie- oder Luxusgüter-Fonds offensiven oder durch die Katastrophen-Bond Fonds eher defensiven Charakter besitzen.
Wie in der Kochkunst kommt es bei der Komposition des Depots eben vor allem auf sorgfältige und gewissenhafte Auswahl der Zutaten, aufmerksame Beobachtung und auf den gelegentlichen Mut an, den Klassikern durch originelle Zubereitung und Gewürze neuen Pfiff zu verleihen - nur zu versalzen ist streng verboten.