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GeschäftsmodellMit Dubai-Schokolade reich werden?

Dubai-Schokolade als Geldanlage? Wie ich mit der heimischen Produktion doch nicht reich wurde – und eine Alternative fand. Ein Selbstversuch.Saskia Littmann 20.12.2024 - 17:23 Uhr

Der Trend im Jahr 2024: Dubai-Schokolade mit Pistazien und Engelshaar.

Foto: dpa Picture-Alliance

Mehrere hundert Euro für eine Tafel Schokolade? Ich kann es kaum glauben, als ich mir vor einigen Wochen die Preise für Dubai-Schokolade ansehe, welche auf Portalen wie Kleinanzeigen dafür aufgerufen werden. Gleichzeitig werden mir reihenweise Menschenschlagen in meine Instagram-Timeline gespült – alle stehen stundenlang an, um beim Schokoriesen Lindt 14,99 Euro für eine 100-Gramm-Tafel Dubai-Schokolade zu bezahlen. Viel Geld für grüne Creme, gepaart mit Schoko und Teigfäden. Die Menschen wollen es aber offensichtlich haben.

Weil ich als Redakteurin im Finanzressort sozusagen qua Amt regelmäßig über die besten und sichersten Renditen nachdenke, überschlage ich innerlich schnell das Geschäftsmodell: Die Kosten für die Zutaten scheinen mir überschaubar, der Aufwand gering. Viel Risiko sehe ich auch nicht, dafür aber einen Gewinn, der etwa so hoch ist wie der Kaloriengehalt der gehypten Köstlichkeit.

Am nächsten Morgen erzähle ich meinen Ressortkollegen von meiner Idee, mit der heimischen Schoko-Produktion mein Portfolio aufzubessern. Einige sind angetan, andere skeptisch. Ob denn meine Küche die Hygienevorschriften erfülle, will eine Kollegin wissen und warnt mich vor der Lebensmittelaufsicht. Während vor meinem inneren Auge unsere Küche auftaucht, in der noch die Reste vom morgendlichen Familien-Müsli kleben, zerstreue ich ihre Bedenken. Papperlapapp. Steve Jobs hätte schließlich auch kein iPhone gebaut, wenn er in seiner Garage nach Problemen gesucht hätte statt nach Lösungen.

Alles, was das (Dubai-)Schokoherz braucht

Foto: Privat

Ich lege los. Um meine Marge zu maximieren, versuche ich, alle Zutaten möglichst günstig einzukaufen. Die Pistaziencreme gibt es beim örtlichen Drogeriemarkt, Sesammus ohnehin. Weil ich die Schokolade ja teuer verkaufen will, investiere ich noch ein wenig Geld in gehackte Pistazien als Deko. Die Schokolade kaufe ich quadratisch praktisch gut im Supermarkt und eine Silikonform extra für Dubai Schokolade gibt es günstig beim Online-Marktplatz Kleinanzeigen.

Lesen Sie auch: Warum die Dubaiflation schon das Markenamt beschäftigt

Fehlt noch das Engelshaar, Kadayif. Die Teigfäden, die die Schokolade knusprig machen sollen. Ich versuche es beim Asia-Shop um die Ecke. Die Geheimzutat hat er nicht, schickt mich aber zum Dönerladen nebenan. Der rühmt sich zwar für den knusprigsten Döner der Stadt, die Fäden verkauft er aber auch nicht.

Im türkischen Supermarkt sind die Zutaten ständig ausverkauft. Erst nach längerem Suchen finde ich Kadayif beim türkischen Bio-Supermarkt ganz in der Nähe. Auch hier wird Dubai-Schokolade verkauft, 100 Gramm kosten allerdings nur 4,90 Euro. Mir schwant das erste Mal, dass meine Geldanlage Dubai-Schokolade vielleicht doch keine so sichere Bank ist. Durch die lange Fadensuche habe ich offenbar potenziellen Gewinn eingebüßt. 

Steigern Pistazien den Verkaufspreis?

Foto: Privat

Wenigstens sind meine Kadayif schon vorgeröstet, ich komme also beim Zubereiten des süßen Goldes schneller voran. Bevor ich anfange, wische ich pflichtbewusst die Küche durch, räume die Adventskalenderschokolade der Kinder zur Seite und habe dabei die Worte der Kollegin mahnend im Ohr. 

Gewinnsteigerung mit Dubai-Schokolade

Rezepte für Dubai-Schokolade finden sich haufenweise im Internet, sie ähneln sich alle. Schokolade schmelzen, einschichten, Füllung rühren, einschichten, restliche Schokolade drüber kippen. Nur hinsichtlich der Mengenangaben herrscht keine Einigkeit. Um meinen potenziellen Gewinn zu steigern, versuche ich, viele Teigfäden mit möglichst wenig Pistaziencreme zu umhüllen. Am Ende halte ich eine immerhin 300 Gramm schwere Tafel Dubai-Schokolade in der Hand, die es geschmacklich durchaus mit ihren Vorbildern aufnehmen kann.

Ausgegeben habe ich dafür:

  • 4,95 Euro für ein Glas Pistaziencreme,
  • 3,18 Euro für zwei Tafeln Schokolade,
  • 3,69 Euro für ein Glas Sesammus,
  • 3,95 Euro für die gerösteten Kadayif,
  • 3,49 Euro für die gehackten Pistazien,
  • 8,75 Euro für die Silikonform.

Insgesamt taxiere ich meine Kosten für 100 Gramm Schokolade auf gut 2,50 Euro. Aber für wie viel kann ich die verkaufen? Kiki Aweimer, die Influencerin, die die Schokolade in Dubai entdeckt und den Hype in Deutschland mit ausgelöst hat, verkauft 100 Gramm für 14,90 Euro – und ist bis in den Februar hinein ausverkauft. Importierte Tafeln oder die limitierte Lindt-Edition sind bei Ebay oder Kleinanzeigen sogar für bis zu hundert Euro und mehr zu haben, andere private Angebote eher für einen Zehner.

Geschmacklich nichts dran auszusetzen!

Foto: Privat

Damit gehe auch ich ins Rennen. Ich hätte meinen Einsatz also vervierfacht, käme auf eine Bruttomarge von 75 Prozent. Das scheint mir für den Anfang ausreichend. Ich stelle meine Anzeige online, lobe meine handgemachte Schokolade mit viel Füllung und warte auf Käufer. Die bleiben aus, dafür wird meine Anzeige von den Kleinanzeigen-Betreibern gelöscht. Man vermute, ich würde gewerblichen Interessen folgen. War mein Benutzername „Crunchy Dubai Schokolade“ etwa zu werblich?

Dabei habe ich extra Schokolade „nach Dubai-Art“ in der Anzeige beworben – schließlich drohen Lindt und Co. bereits Abmahnungen, weil sie Schokolade, die gar nicht aus dem Emirat stammt, trotzdem als Dubai-Schokolade verkaufen. Derlei Kosten würden meinen Gewinn natürlich erheblich schmälern, das will ich auf keinen Fall riskieren.

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Ich versuche es mit einer neuen Anzeige, nutze einen normalen Namen, reduziere sogar den Preis auf nur noch acht Euro. Diesmal bleibt die Anzeige zwar online, verkauft habe ich aber immer noch nichts. Zwar haben nach wenigen Stunden schon rund 70 Menschen mein Inserat besucht, einer hat es immerhin als Favorit markiert. Kaufen will mein süßes Gold aber keiner.  

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Vermutlich muss ich es mir eingestehen: Ich bin zu spät dran. Egal wie gut meine Schokolade auch schmeckt, das Geschäft meines Lebens werde ich damit wohl erst mal nicht machen. Schade Schokolade. Nun ja, immerhin kann sich meine Familie nun auf ein sündiges Weihnachtsgeschenk freuen.

Lindt-Aktien statt Schokolade?

Und auch für meine Geldanlage finde ich eine Alternative: Dank meiner Recherche weiß ich, dass Lindt noch vor Weihnachten eine neue Variante der Dubai-Schokolade auf den Markt bringt: die „Lindt Dubai Style Chocolate“. Ja, auch die Schweizer haben wenig Lust auf Abmahnungen. Dafür ist die 145-Gramm-Tafel jetzt günstiger und kostet nur noch 9,99 Euro. Ich wittere ein großes Geschäft – für Lindt – und schaue direkt mal, was die Aktie der Schweizer so treibt.

Übers Jahr gesehen lief es für das Papier nicht so doll, in den vergangenen sechs Monaten liegt das Minus bei knapp zehn Prozent. Steigende Preise für Kakao drücken den Wert von Schokoladenherstellern wie Lindt an der Börse. Analysten glauben allerdings, dass gerade der Premiumhersteller vom aktuellen Umfeld profitieren könnte. Zum einen winkt noch mehr Umsatz mit Dubai-Schokolade, zum anderen hat die Marke genug Strahlkraft, um die höheren Preise an die Kunden weiterzureichen.

Sollte ich also einfach Lindt-Aktien kaufen, anstatt vergebens auf einen Käufer für meine Schokolade zu hoffen? Ganz so einfach ist es leider nicht. Fundamental liegt die Lindt-Aktie auf dem Preisniveau der Dubai-Schokolade, sie kostet das 35-fache des Gewinns. Gleichzeitig liegt die Dividendenrendite bei mageren 1,5 Prozent.

Moment! Lindt? Dividende? Da fällt mir was ein. Wer sich eine Namensaktie des Konzerns leisten kann, der bekommt als Ausschüttung unter anderem einen Koffer voller Lindt-Schokolade. Mich wird das Papier aber wohl genauso wenig reich machen wie die Dubai Schokolade. Eine Aktie kostet aktuell immerhin 98.800 Franken, über 106.000 Euro.
Auf den Koffer werde ich also verzichten müssen und eher über Fonds in meine Lindt-Aktie investieren. Das macht aber ja nichts. Schokolade habe ich jetzt ja ohnehin genug zu Hause.

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