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Intelligent investierenAktien werden noch teurer

Aktien sind schon recht hoch bewertet. Aber es besteht ein Zusammenhang zwischen Aktien, Dividenden, Anleihen und Zinsen, der es wahrscheinlich macht, dass Aktien noch teurer werden. Was Anleger wissen sollten.Thorsten Polleit 06.12.2017 - 08:25 Uhr

Investieren, nicht spekulieren.

Foto: Fotolia

Der Wirtschaftshistoriker und Investor Peter L. Bernstein (1919 – 2009) berichtet in seinem Buch “Against The Gods. The Remarkable Story of Risk” (1996), dass bis zum Jahr 1959 die Dividendenrendite für Aktien (definiert als Dividendenzahlung pro Aktie dividiert durch den Marktpreise der Aktie) im Regelfall oberhalb des Kapitalmarktzinses lag. Der Grund: Anleihen galten als sicher, Aktien als unsicher: Aktionäre wissen nicht, ob ein Unternehmen Gewinne macht oder nicht, ob sie mit einer Dividende rechnen können oder nicht.

Aktien mussten also eine höhere Rendite erzielen als Anleihen, und daher pendelte sich die Dividendenrendite über dem Kapitalmarktzins ein. Immer dann, wenn die Dividendenrendite sich der Anleiherendite annäherte, fielen die Aktienkurse, und zwar so weit, bis die Dividendenrendite die Anleiherendite wieder überstieg. Für Anleger war es eine überschaubare Welt: Sie kauften Aktien, wenn deren Dividendenrendite höher war als die Anleiherendite. Doch dann, im Jahr 1959, ändert sich das. 

Die Dividendenrendite begann unter die Anleiherenditen zu fallen – und stieg nachfolgend auch nicht mehr an. Was war geschehen? Anfang der 1960er Jahre begann die Inflation merklich anzuziehen. Die Ära der stabilen Preise war zu Ende. Zuvor folgten Phasen fallender Preise auf Phasen steigender Preise. Fortan nicht mehr. Die Inflation wurde chronisch. Die nominalen Renditen auf den Anleihemärkten zogen an. Vorbei war es mit dem Glauben, Anleihen seien eine sichere Investition.

Änderung der relativen Bewertung von Anleihen und Aktien. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Zudem hatten die Investoren begonnen, die Bewertung Aktien nicht mehr an vergangenheitsorientierten Größen wie Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen festzumachen. Für sie waren fortan die zu erwarteten Gewinne beziehungsweise die zu erwartenden Dividendenpotenziale der Unternehmen das Wichtigste. Die tatsächliche, im laufenden Geschäftsjahr gezahlte Dividende, auf der bisher die Kauf- und Verkaufsentscheidungen für Aktien fußten, verlor ihre Bedeutung.

Sorge vor Überbewertung

Bernstein berichtet, dass in dieser Zeit einige seiner Partner, die die „Große Depression“ der 1930er Jahr als Investoren durchlebt und durchlitten hatten, die Verschiebung im Preisgefüge zwischen Anleihen und Aktien als Fehlbewertung werteten und meinten, die Lage werde sich früher oder später wieder normalisieren. Doch das geschah nicht. Wer sein Geld darauf gesetzt hatte, erlitt Verluste.

Die Lehre daraus? Gehe nicht davon aus, dass das, was sich bisher beobachten lies, sich ohne weiteres fortschreiben lässt.

Zur Person
Thorsten Polleit

Es kann zu erheblichen (Verlust-)Risiken führen, wenn man Trends naiv extrapoliert. Heute stellt sich für viele Investoren ein ähnlich gelagertes Problem wie für die Investoren Ende der 1950er Jahre: Das Bewertungsniveau der Aktienmärkte – gemessen am Verhältnis der Aktienkurse zum Gewinn pro Aktie – ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und liegt nun deutlich über dem langfristigen Durchschnittswert. Das deute auf Überbewertung hin, so befürchtet vermutlich so mancher Investor.

Zumal sich mittlerweile auch noch die Zinsen auf einem extrem niedrigen Niveau befinden. Das, so ist vielfach zu hören, mache es doch recht wahrscheinlich, dass die Zinsen früher oder später wieder auf ein „normales Niveaus“ steigen müssen. Kurzum: Das im historischen Vergleich hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Aktienmarktes, verbunden mit der Aussicht auf wieder steigende Zinsen mache den Aktienmarkt zu einem recht gefährlichen Investitionsfeld. Was ist davon zu halten?

Der Trend fallender Zinsen und des seigenden KGV. (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Kampf gegen den Zins

Betrachtet man den Verlauf des KGVs des US-amerikanischen Aktienmarktes seit den frühen 1970er Jahren bis heute, so erkennt man einen Aufwärtstrend: Das KGV ist – wenn auch unter erheblichen Schwankungen – im Zeitablauf immer weiter in die Höhe geklettert. Es hat keine Tendenz gezeigt, um einen konstanten Wert zu pendeln. Dafür gibt es vor allem einen Grund, und der liegt bei den Zinsen, die sich seit den frühen 1980er Jahren in einem wahren Sinkflug befinden.

Für Letzteres gibt es Gründe. Die Volkswirtschaften sind reicher geworden. Die Bereitschaft der Menschen, ihr Einkommen zu sparen und zu investieren, ist gestiegen. Das hat dazu beigetragen, den realen Zins abzusenken. Gleichzeitig hat sich auch die Inflationserwartung zurückgebildet und hat ebenfalls dafür gesorgt, dass sie nominalen Zinsen gefallen sind. Neben diesen „natürlichen“ Gründen spielt allerdings auch die Geldpolitik eine nicht zu unterschätzende Rolle. Nicht nur in Amerika, sondern weltweit.

1. Gehen Sie bewusst Risiken ein, um kontinuierliche Vermögensverluste zu vermeiden

Grundsätzlich ist es wichtig zu akzeptieren, dass Investitionsentscheidungen immer die Zukunft betreffen und diese niemals vollständig zu prognostizieren ist. Jede Art der Geldanlage ist deshalb mit Unsicherheit und Risiko verbunden. Das gilt auch für sogenannte „sichere Anlagen“. Trotzdem setzen Privatanleger besonders gerne auf solche Anlagen. So betrachtet ein Großteil der deutschen Bevölkerung vermietete Immobilien als eine der sichersten Anlagen überhaupt. Ganz anders sieht das allerdings das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die Ökonomen haben ermittelt, dass von den knapp sieben Millionen privaten Eigentümern vermieteter Immobilien in Deutschland rund drei Millionen keinen Cent verdienen. Auch „sichere Anlagen“ können also zu ganz massiven realen Vermögensverlusten führen.

(Quelle: Genève Invest)

Foto: dpa

2. Widerstehen Sie kurzfristigen Gewinnmitnahmen

In einer sich immer schneller verändernden Welt sind Sicherheit und Bestätigung wichtige menschliche Grundbedürfnisse. Das spiegelt sich auch im Börsenverhalten vieler Privatanleger wider. Insbesondere in unsicheren Zeiten sowie in eher schwachen Börsenphasen neigen viele Investoren dazu, einmal erzielte Gewinne festzuhalten. Der einfachste Weg ist dabei der Verkauf von Aktien- und Anleihepositionen, die sich – wenn auch nur geringfügig – im Plus befinden. Oft werden deshalb schon kleine Gewinne viel zu früh realisiert. Dabei übersehen Anleger aber, dass die Mittel erneut investiert werden müssen und die vermeintliche Sicherheit nur sehr vorrübergehend ist. Anleger sollten sich dieser Zusammenhänge bewusst sein und gutlaufende Positionen so lange halten, bis sie ihr ursprünglich gesetztes Kursziel erreicht haben.

Foto: dpa

3. Begrenzen Sie Ihre Verluste

Während kleine Gewinne viel zu schnell mitgenommen werden, wird an schlechten Investments, die sich im Minus befinden, oft viel zu lange festgehalten. Das kann zu enormen Verlusten führen. Das lange Festhalten ist zu einem großen Teil psychologisch bedingt: Schließlich bedeutet die Auflösung einer Verlustposition eine Niederlage, die erst dann tatsächlich gewahr wird, wenn die Verluste realisiert sind und die Chance auf eine Erholung damit vergeben ist. Verluste wachsen deshalb immer weiter an. Anleger sollten bedenken, dass eine Position, die sich mit 10 Prozent im Minus befindet, um gut 11 Prozent wieder ansteigen muss, um das Ausgangsniveau zu erreichen. Nur für Anleihen gilt das nicht unbedingt: Rentenpapiere sind meist endfällig und müssen bei Zahlungsfähigkeit des Emittenten in der Regel zu 100 Prozent getilgt werden.

Foto: dpa

4. Vergessen Sie den Einstandskurs

Mal abgesehen von der schwachen Performance, die die Realisierung kleiner Gewinne und das konsequente Festhalten an Verlustpositionen zur Folge hat, führt diese „Strategie“ auch dazu, dass sich die Qualität des Portfolios bei wachsendem Risiko kontinuierlich verschlechtert. Gewinner werden aus der Hand gegeben, Verlierer behalten. Zudem blockiert die zunehmende Anzahl von Nieten immer mehr Kapital, dass für risikoärmere oder gewinnträchtigere Wertpapiere eingesetzt werden könnt. Um dieser Entwicklung vorzubeugen, ist es sinnvoll, sich von den Einstandskursen gedanklich zu lösen. Entscheidend für einen Verkauf oder das Festhalten an einer Position darf deshalb immer nur die für die Zukunft erwartete Entwicklung sein. Haben sich wichtige Verkaufsgründe ergeben, spielt der Einstandskurs keine Rolle.

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5. Vermeiden Sie es, auf vermeintlich attraktive Modethemen aufzuspringen

Die Gier der Masse sollte niemals unterschätzt und in Bezug auf die Vermögenverwaltung mit größter Vorsicht behandelt werden. Dies gilt für jegliche Form der Geldanlage – seien es Aktien, Anleihen oder auch Immobilien. Kommen einzelne Titel, ein Sektor, eine Branche oder auch eine ganze Anlageklasse plötzlich in Mode, und Investoren sind in der Erwartung weiter steigender Kurse praktisch zu jedem Preis dazu bereit, sich finanziell zu engagieren, sollten Sie unbedingt Abstand halten. Die Gier, gepaart mit einer gewissen Euphorie, sowie der Angst, nicht dabei zu sein und damit „sichere“ Vermögenszuwächse zu verpassen, können leicht zu einer Spekulationsblase führen, die platzt.

Foto: dpa

6. Lassen Sie sich nicht von schlechter Stimmung anstecken

Genauso gefährlich wie es ist, sich von übermäßiger Euphorie und Gier anstecken zu lassen, genauso falsch ist es, bei größeren Marktrückgängen in Panik zu verfallen oder gerade unbeliebte Sektoren außer Acht zu lassen. So können sich gerade in „gestressten Marktphasen“ überdurchschnittliche Chancen ergeben. Großes Angebot stößt auf wenig Nachfrage mit entsprechenden Folgen für die Preise. Oft sind bei einer derartigen Investitionsstrategie allerdings Geduld, Disziplin und Stärke gefragt. So bedarf es unter Umständen viel Zeit, bis andere Investoren zu ähnlichen Erkenntnissen und einer ebenfalls positiven Einschätzung kommen. In der Zwischenzeit ist es jedoch möglich, dass sich die Position entgegen den eigenen Erwartungen negativ entwickelt. Insgesamt lässt sich sagen, dass eine vorschnelle Umorientierung des Portfolios aufgrund von Modeerscheinungen keineswegs clever ist, da ein derartiges Verhalten erhebliche Performance kosten kann.

Foto: dpa

7. Investieren Sie niemals in todsichere Tipps

Sicher haben Freunde, Nachbarn oder irgendwelche angeblichen Finanzberater Ihnen auch schon einmal von einer todsicheren Aktien-, Edelmetall- oder Beteiligungsanlage berichtet, die Ihnen garantiert hohe Gewinne bringen würde. „Gewinnen“ können Sie mit „todsicheren Tipps“ allerdings nur dann, wenn Sie sie konsequent ignorieren. So werden Vermögensverwalter von unseren Kunden häufig mit entsprechenden Empfehlungen Dritter konfrontiert. Dabei hat die Auswertung über 15 Jahre hinweg ergeben, dass die Ergebnisse selbst bei Geldanlagen und Modellen, die nicht von vornherein auf Betrug ausgelegt waren, zu einem großen Anteil katastrophal ausgefallen sind. Häufig wäre es sogar zum Totalausfall des eingesetzten Kapitals gekommen. Je verlockender die Gewinnchancen sind, desto höher ist im Allgemeinen auch das Risiko.

Foto: CLARK/obs

8. Vermeiden Sie eine zu einseitige Depotausrichtung

Jede Geldanlage performt mal besser und mal schlechter. Verluste können auch bei noch so sorgfältiger Auswahl niemals ausgeschlossen werden. Das Anlagevermögen sollte deshalb breit diversifiziert auf möglichst viele Assetklassen aufgeteilt werden. Dann sind auch keine hektischen Aktionen erforderlich, wenn sich einige Titel oder ein ganzes Segment „Richtung Süden“ bewegt. So gab es in der Vergangenheit nur sehr selten Phasen, in denen nahezu alle Vermögensklassen unter einer schlechten Entwicklung gelitten haben. Meist konnten Verluste in einem Bereich durch die gute Performance anderer Bereiche ausgeglichen oder im Optimalfall überkompensiert werden.

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9. Vermeiden Sie zyklisches Anlageverhalten

Portfolios mit einem höheren Aktienanteil werfen langfristig stärkere Ergebnisse ab als solche mit einem geringeren Aktienanteil. Grundsätzlich gilt: Je dynamischer die Anlage, desto besser das Ergebnis. Privatanleger neigen dazu, ihren Aktienanteil während gut laufender Börsenphasen sukzessive zu erhöhen, um am Ende einer Hausse dann eine Aktiengewichtung zu haben, die überhaupt nicht mehr der eigenen Risikomentalität entspricht. Bei fallenden Märkten ist es dagegen genau umgekehrt. Es kommt somit in beiden Richtungen zu einem sehr zyklischen Anlageverhalten. Das hat zur Folge, dass das Depot am Ende einer Schwächephase systematisch viel zu wenig Risikopapiere enthält und am Ende eines Aufschwungs, bei dem die Bewertung der jeweiligen Papiere sehr hoch ausfällt, davon vollkommen überfrachtet ist.

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10. Bleiben Sie mit einem guten Liquiditätsmanagement handlungsfähig

Manche Anleger werden ausgesprochen nervös, wenn sich in ihrem Portfolio noch eine Restliquidität befindet. Schließlich kann mit diesen Mitteln keine positive Rendite erwirtschaftet werden. Grundsätzlich ist aber zu bedenken, dass die Märkte über längere Zeiträume hinweg zum Teil deutlich schwanken und praktisch immer mehr oder weniger starke Über- oder Unterbewertungen aufweisen. Anleger, die stets voll investiert sind, haben in Unterbewertungsphasen keinen Spielraum mehr, günstige Einstiegsgelegenheiten zu nutzen. Es ist deshalb wichtig darauf zu achten, in jedem Umfeld handlungsfähig zu bleiben. Dabei muss diese Regel nicht zwangsläufig über das Halten von Barbeständen umgesetzt werden. Das gewünschte Ziel, stets flexibel zu sein, kann auch mit Ertrag bringender „Liquidität“, wie etwa kurzlaufenden Unternehmensanleihen realisiert werden. Diese Papiere sind in der Regel jederzeit über die Börse veräußerbar und tendieren auch in einem schwierigen Marktumfeld dazu, eine hohe Preisstabilität sicherzustellen.

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11. Kleben Sie nicht am Index

Mal Hand aufs Herz: Sind Sie wirklich zufrieden, wenn Ihr Vermögensverwalter in einem Jahr 30 Prozent Ihres Anlagevermögens vernichtet und dies auch noch als gute Leistung verkaufen will, nur weil der DAX im selben Zeitraum 32 Prozent verloren hat? Die Antwort auf diese Frage dürfte eindeutig ausfallen. Dennoch orientieren sich viele professionelle Investoren, aber auch Privatanleger an einer Benchmark und versuchen diese möglichst exakt nachzubilden. Bei Fondsmanagern und anderen Performanceverantwortlichen ist das sogenannte „Benchmark hugging“ meist auf die Angst zurückzuführen, sich bezüglich ihrer Anlageentscheidungen rechtfertigen zu müssen. Wer den Index nachahmt, wird kaum entlassen werden, weil er ja – von etwaigen Kosten einmal abgesehen – nicht unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Bei der Zusammenstellung eines Portfolios ist es deshalb sinnvoll, nur wenig oder überhaupt nicht auf Marktindizes zu achten, sondern stattdessen ganz gezielt solche Vermögenswerte zu erwerben, die bei einem angemessenen Risikolevel das beste Potenzial für zukünftige Rendite bieten.

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12. Misstrauen Sie der historischen Performance großer Fondsgesellschaften

Viele Fondsgesellschaften haben ausschließlich Fonds im Angebot, die in ihrer Kategorie zu den Top-Performern gehören. Privatanleger ziehen daraus fälschlicherweise den Schluss, dass die jeweiligen Anbieter hervorragend arbeiten und ihren Kunden die bestmögliche Performance bieten. Etwas anders stellt sich die Situation bei kleineren und mittleren Vermögensverwaltern und Investmentboutiquen dar. Zum einen fallen Fondsschließungen deutlich eher auf, zum anderen stehen die Manager sehr viel stärker mit ihrem persönlichen Namen für die verfolgten Anlagestile, aber auch den Erfolg oder Misserfolg des jeweiligen Produkts ein. Entsprechend hoch ist ihre Motivation, eine gute Leistung zu zeigen und die von ihnen verwalteten Fonds am Laufen zu halten. Um mit Fondsanlagen gute Ergebnisse zu erzielen, ist es wichtig, selbst eine klare Markteinschätzung zu haben und sich eine Meinung darüber zu bilden, welche Segmente die besten Aussichten aufweisen.

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13. Streben Sie keine vollkommene Informationserfassung an

In der heutigen Zeit ist es sehr einfach, Unmengen von Informationen anzusammeln. Das macht die Bewertung potenzieller Anlagemöglichkeiten jedoch nicht zwingend effektiver. So sollte sich die Datenanalyse immer auf ein einfaches analytisches Rahmenkonzept stützen, um klare Schlussfolgerungen ziehen zu können. Zudem empfiehlt es sich, Marktströmungen sowie etwaige von anderen Marktteilnehmern ausgehende Störfaktoren weitestgehend auszublenden. Auf diese Weise können es Anleger vermeiden, sich von neuen Modeerscheinungen leiten zu lassen, statt an den grundlegenden Bewertungsprinzipien von Investitionen festzuhalten. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Wertpapieranlage wird immer die vernünftige Selektion und Auswertung bewertungsrelevanter Unternehmensdaten bleiben, egal welche und wie viele darüber hinausgehende Information im Internet oder anderen Medien auch immer verfügbar sein mögen.

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14. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen

Viele Privatanleger beschäftigen sich ungern mit der Geldanlage und delegieren diese deshalb komplett an ein Familienmitglied, eine Bank oder eine Vermögensverwaltung. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Dabei sollten sie aber darauf achten, dass Portfolios von Anlegern, denen jegliches Grundverständnis für den Aktien- und Anleihemarkt fehlt, häufig auch dann deutlich schlechter performen, wenn die gesamte Verantwortung an einen fachkundigen Dritten delegiert wird. Auch bei der vollständigen Delegation an einen Dritten ist es deshalb wichtig, sich in Vermögensangelegenheiten ein Grundwissen und -verständnis anzueignen.

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15. Suchen Sie die Schuld nicht bei anderen

Übersteigertes Selbstbewusstsein ist ein typischer menschlicher Charakterzug. Diese natürliche Tendenz, von den eigenen Fähigkeiten übermäßig überzeugt zu sein, ist für Investoren fatal. Sie führt dazu, Entscheidungen auf Basis inadäquater Informationen zu treffen, die Genauigkeit von Prognosen zu überschätzen und anzunehmen, dass man als Investor selbst nicht die Fehler macht, die bereits Generationen von Investoren vor einem begangen haben. Während gute Investitionen meist den eigenen Prognose- und Bewertungsfähigkeiten zugeschreiben werden, wird die „Schuld“ für Fehlentscheidungen nur allzu häufig auf externe Ereignisse oder andere Markteilnehmer geschoben. Genau diese Haltung hindert den Anleger aber daran, misslungene Investments kritisch zu hinterfragen und aus den so gewonnenen Erkenntnissen wichtige Schlüsse für zukünftige Engagements zu ziehen.

Foto: dpa

Um das Schuldgeldsystem aufrecht zu halten, schleusen die Zentralbanken die Kurz- und Langfristzinsen auf immer niedrigere Niveaus. Sie senken dazu den von ihnen kontrollierten Kurzfristzins ab. Und weil es einen recht engen Zusammenhang zwischen Kurz- und Langfristzins gibt (er wird durch die „Zinsarbitrage“ beschrieben), üben die Zentralbanken einen indirekten Abwärtsdruck auf die Langfristzinsen aus. Doch der „Kampf gegen den Zins“, den die Zentralbanken führen, geht noch weiter.

In den vergangenen Jahren sind viele Zentralbanken dazu übergegangen, die Langfristzinsen direkt herunterzudrücken, indem sie Schuldpapiere aufkaufen. Dadurch erhöhen sie deren Preise beziehungsweise senken deren Renditen. Im Grunde kontrollieren die Zentralbanken den Zinsmarkt vollumfänglich: Als Monopolisten der Geldproduktion können sie jeden politisch gewünschten Zins im Markt durchsetzen – sogar eine Zinsobergrenze, die durch die Marktkräfte nicht mehr überschritten werden kann.

Inflations-Boom

Wenn der Zins erst einmal zum Spielball der Geldpolitik geworden ist, ist absehbar, wohin die Reise geht: Die Zinsen werden im Zeitablauf unerbittlich immer weiter abgesenkt. Denn nur so lässt sich verhindern, dass der Aufschwung erlahmt und die Kreditpyramide kollabiert. Dass die Zinsen auf oder bisweilen auch unter die Nulllinie gesenkt werden können, hat die jüngste Vergangenheit in einigen Volkswirtschaften eindrücklich gezeigt.

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Der geldpolitisch erzwungene Zinssenkungstrend hat Folgen für die Bewertung der Aktienmärkte. Er treibt die Kurse in die Höhe. Beispielsweise indem die erwarteten Unternehmensgewinne mit einem nunmehr niedrigen Zins abdiskontiert werden. Das erhöht die Barwerte und damit auch die Kurse der Aktien. Zudem senken die niedrigen Zinsen die Fremdkapitalkosten und erhöhen die Unternehmensgewinne und Börsennotierungen. Und nicht zuletzt senken künstlich verringerte Zinsen auch die Kapitalkosten der Unternehmen ab und ermuntern zu neuen Investitionen.

Unternehmen lassen sich auf Investitionen ein, bei denen die erhofften Gewinne weit in der Zukunft liegen. Die Risiken, die die Firmen eingehen, steigen. Vor allem deshalb, weil der Wirtschaftsaufschwung, der durch den künstlich gesenkten Zins in Gang kommt, auf tönernen Füßen steht. Früher oder später werden die Unternehmen (wieder einmal) bemerken, dass sie von den niedrigen Zinsen in die Irre geleitet wurden. Investitionen erweisen sich als Flop, Kapitalverzehr offenbart sich, die Unternehmenswerte leiden.

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Investieren, nicht spekulieren

Damit aber genau das nicht passiert, drücken die Zentralbanken die Zinsen herunter. Die weitere Richtung der Zinsen ist im Grunde bereits heute absehbar: Wenn das Schuldgeldsystem Bestand haben soll, werden die Zentralbanken den Zins früher oder später auf oder sogar unter die Nulllinie bringen, verbunden mit der Aussicht auf negative Realzinsen. Das heißt, dass die Anleiherenditen nach Abzug der Inflation ein Minuszeichen aufweisen. Was bedeutet das für Aktieninvestoren?

Die Niedrigzinspolitik übt letztlich einen Abwärtssog auf alle Renditemöglichkeiten in der Volkswirtschaft aus, eingeschlossen die Renditen, die im Aktienmarkt erzielt werden können. Fällt der Zins weiter, wird es für Investoren attraktiver, Aktien zu kaufen. Die steigende Nachfrage lässt die Kurse steigen. Dadurch fallen die Renditeaussichten für Investoren, die erst künftig Aktien kaufen. In der Konsequenz führt das Ganze zu einem Ansteigen der gängigen Bewertungsmaße wie beispielsweise beim KGV. Aktien werden teurer.

Der umsichtige Investor sollte allerdings nicht auf eine Verteuerung der Aktien spekulieren, sondern ganz gezielt nur in solche Unternehmen investieren, die herausragende Geschäftsmodelle haben. Diese Unternehmen sind in der Lage, über lange Zeit hohe Rendite zu erzielen und den Gewinn pro Aktie zu steigern. Herausragende Unternehmen manövrieren auch durch wirtschaftlich schwierige Phasen hindurch. Kommt es tatsächlich zur Verteuerung der Aktien, verbessert sich die Investitionsrendite des umsichtigen Investors zusätzlich.

Auch wenn derzeit viel für weitere Steigerung und Verteuerung der Aktien spricht: Die Risiken, die sich im weltweiten Wirtschafts- und Finanzsystem aufbauen, sollte man nicht aus den Augen verlieren: Das ungedeckte Papiergeldsystem wird wieder Erschütterungen bringen, die die Finanzmärkte wie aus heiterem Blitz treffen werden. Deshalb ist es wichtig für den umsichtigen Investor, in Unternehmen investiert zu sein, deren Geschäftsmodelle krisen- und inflationsfest sind, und die vor allem nicht zu teuer gekauft wurden.

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