Leben mit Aktien: Wette auf das Weihnachtsgeschäft
Zum Ende der US-Berichtssaison gab es noch einmal eine Überraschung: Nachdem die Supermarktkette Walmart ihre Bücher öffnete, sackte der Kurs um acht Prozent ab. Dabei offenbarte das Zahlenwerk einen soliden Geschäftsverlauf. Der Umsatz stieg um gut fünf Prozent, auch beim Ergebnis je Aktie konnte der Einzelhändler die Erwartungen übertreffen. Die für Handelsunternehmen wichtige Nettomarge ist im Jahresvergleich wieder gestiegen.
Das Management hat die Jahresprognose angehoben. Der Umsatz soll nun um einen Prozentpunkt zusätzlich wachsen, das wären immerhin rund sechs Milliarden Dollar. Allerdings fiel die Anhebung des erwarteten Gewinns eher kosmetisch aus. „Walmart geht also von einem gewissen Druck auf die Margen aus“, kommentiert Christian W. Röhl im Podcast „Leben mit Aktien“. Man dürfe aber nicht vergessen, dass das Unternehmen seine Prognosen in aller Regel eher defensiv ansetze.
Einen weiteren Grund für den Kursrutsch sieht Röhl im vorangegangenen Kursanstieg der Walmart-Aktie, die im Jahresverlauf vor den Zahlen um 18 Prozent zulegen konnte. „Im Zuge dessen gab es auch ein paar neue Allzeithochs. Und da wird die Luft dann halt kurzfristig dünn und es bewahrheitet sich eine alte Börsenregel: Sell on good news“, meint Röhl.
Auf gute Nachrichten von der Konjunkturseite könnten Aktionäre von US-Einzelhändlern womöglich noch länger warten. Walmart-Finanzchef John D. Rainey wies bei der Präsentation der Ergebnisse darauf hin, dass die Inflation allmählich spürbar auf die Kauflaune der Kunden schlage. Die Rücklagen der US-Verbraucher sinken, sodass ihr Kaufverhalten selektiver werden dürfte. „Solange die Wirtschaft und die Beschäftigung insgesamt laufen, ist das für die Unternehmen verkraftbar“, sagt Röhl allerdings im Podcast.
Die Walmart-Aktie bleibt nicht zuletzt wegen ihrer starken Marktposition ein Blue Chip. Der Handelsriese hat eine starke Einkaufs- und Preismacht, die ihm in schwierigen Zeiten zugutekommt. „Solche Unternehmen sind selten günstig – und bei einer aktuell 24-fachen Gewinnbewertung ist durchaus noch Spielraum nach unten. Aber wer drin ist, bleibt drin. Und wer unbedingt rein will, kann ein Kauflimit bei 140 Dollar setzen“, meint Röhl.
Ganz anders sieht die Lage beim US-Einzelhändler Target aus. Der Aktienchart gleicht einem der gehypten Meme-Stocks: Seit den Hochpunkten im Jahr 2022 ist der Kurs um fast 60 Prozent abgestürzt. Übervolle Lager und massive Probleme mit Ladendiebstahl hatten auf die Bilanz und die Stimmung geschlagen. Hinzu kamen Proteste und Boykottaufrufe politisch rechtsstehender Kunden. Diese hatten Probleme mit Artikeln in Targets Sortiment, die sich an gesellschaftliche Minderheiten richteten.
Nach den Quartalszahlen konnte die Aktie überraschend 25 Prozent zulegen – auch wegen einer Wette auf den Befreiungsschlag. Wie die Aussichten für die Target-Aktie sind, ob die Wendespekulation für Anleger attraktiv ist und worauf es dabei ankommt, besprechen Horst von Buttlar und Christian W. Röhl im Podcast „Leben mit Aktien“.
Diese Woche außerdem Thema im Podcast: Das Klimafonds-Urteil und was es für die deutsche Wirtschaft bedeutet – und eine Analyse der Pfizer-Aktie. Jetzt anhören.