Geldanlage: Mit diesen ETFs können Anleger in die Private-Equity-Branche investieren
Beteiligungen an nicht-börsennotierten Unternehmen sind traditionell die Spielwiese wohlhabender Investoren. Der Markt ist groß: Fast 90 Prozent aller Unternehmen weltweit sind nicht börsennotiert. Über Private-Equity-Fonds können auch Privatanleger hier mitmischen. Der Neobroker Trade Republic ermöglicht seit kurzem Privatanlegern mit wenig Kapital den Zugang zu Private Equity. Anteile an entsprechenden Fonds lassen sich dort mit wenigen Klicks kaufen und verkaufen, und das schon ab einem Euro. Klassischerweise ist der Einstieg nur mit deutlich höheren Summen möglich.
Der Haken an Private-Equity-Fonds: Sie sind intransparent, illiquide und teuer. Wer an den Erfolg der Private-Equity-Branche glaubt, sollte deshalb darüber nachdenken, statt in Beteiligungsportfolios in die Branche selbst zu investieren – über die Aktien börsennotierter Beteiligungsgesellschaften oder ETFs mit entsprechendem Schwerpunkt.
ETFs sind das krasse Gegenteil von klassischen Private-Equity-Fonds: Sie sind günstig, liquide und transparent. Dafür sind sie kein echtes Private-Equity-Investment, sondern eine Aktienanlage. Anleger können damit auf den Erfolg der großen Branchenplayer setzen. Diversifikation ist bei Private-Equity-Aktien Pflicht: Wie sich die Titel entwickeln, hängt stark von den Beteiligungsportfolios der Gesellschaften ab. Läuft es bei einem der Großinvestoren gut, heißt das noch lange nicht, dass das auch bei anderen so ist.
Viele Private-Equity-ETFs bilden den S&P Listed Private Equity Index ab. Er umfasst die größten und liquidesten Private-Equity-Aktien aus Nordamerika, Europa und der Asien-Pazifik-Region. Einer der ETFs auf diesen Index ist der iShares Listed Private Equity ETF (IE00B1TXHL60). Mit einem Volumen von rund 1,3 Milliarden Euro ist er für einen Branchen-ETF sehr groß. Im Portfolio finden sich weltweit aktive Private-Equity-Riesen wie die Partners Group, KKR, 3i Group, Blackstone und Brookfield.
Die jährlichen Kosten des iShares-ETF liegen bei 0,75 Prozent. Für einen Indexfonds ist das viel – Private Equity ist nicht einmal in ETF-Form wirklich günstig. Die Performance ist dafür eher bescheiden: Auf Sicht von drei Jahren hat der Index hinter dem ETF insgesamt rund 45 Prozent zugelegt. Der MSCI World kommt im selben Zeitraum auf knapp 80 Prozent Plus, dank starker Wertentwicklung der dominierenden US-Techaktien.
Etwas günstiger ist der Xtrackers LPX MM Private Equity ETF (LU0322250712) mit einer Gesamtkostenquote von 0,7 Prozent. Mit rund 400 Millionen Euro Fondsvolumen ist er allerdings wesentlich kleiner als der iShares-ETF. Er bildet den LPX Major Market Index nach. Dieser enthält die weltweit 25 liquidesten Private-Equity-Aktien. Klingt bekannt? Das Portfolio des Xtrackers-ETF ist denn auch, zumindest bei den Top-Positionen, fast deckungsgleich mit dem des iShares-ETF. Die Performance des Xtrackers-ETF fällt trotzdem besser aus: immerhin fast 70 Prozent Plus auf Dreijahressicht.
Wer auf Nachhaltigkeit Wert legt, der kann zum FlexShares Listed Private Equity ETF (IE0008ZGI5C1) greifen. Mit Kosten von 0,4 Prozent jährlich ist er der günstigste ETF im Feld. Er bildet den Foxberry Listed Private Equity SDG Screened Index nach, der Zugang zu Private-Equity-Unternehmen aus aller Welt ermöglicht.
Die im Index und damit auch im ETF enthaltenen Aktien werden nach den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ausgewählt. Einen großen Unterschied im Portfolio macht das nicht: Auch hier stehen die üblichen Namen wie Apollo, Blackstone und 3i ganz oben. Mit Prosus ist allerdings ein Titel dabei, der in den anderen Branchen-ETFs nicht zu finden ist. Ob es daran lag? Mit einem Plus von insgesamt fast 85 Prozent ist der FlexShares-ETF in den vergangenen drei Jahren deutlich besser gelaufen als seine Konkurrenten.
„Für Privatanleger mit kleineren Investitionssummen können Private-Equity-ETFs interessant sein“, sagt Barbara Claus von Fondsconsult. Wer in die Produkte investiert, sollte vor allem die Chance sehen, von den Strategien der großen Player zu profitieren, statt auf den schnellen Gewinn zu hoffen. Interessenten sollten im Hinterkopf behalten, dass Branchen-ETFs ein höheres Klumpenrisiko bergen. Sie können eine gute Beimischung im Portfolio sein, sollten jedoch kein zu hohes Gewicht bekommen.