Gut versichert während der Bauarbeiten Diese Versicherungen brauchen Bauherren

Für Bauherren gibt es einige nützliche Versicherungen. Wie Sie sich vor den finanziellen Folgen von Unfällen, Unwettern und Unternehmenspleiten schützen – und welche Versicherungen Sie sich sparen können.

Versicherung in der Bauphase. Quelle: imago

Das Grundstück ist gefunden, der Frühling naht, die Bauarbeiten können beginnen: Wer dieser Tage die günstigen Finanzierungszinsen nutzt, um ein Haus zu bauen oder umfassend zu sanieren, möchte keine Zeit verlieren. Schließlich kann sich so ein Hausbau durchaus in die Länge ziehen und vor dem nächsten Winter soll alles fertig sein.

Baustellen sind immer mit Risiken verbunden. Gerüste können einstürzen, die Feuergefahr ist erhöht und Diebe haben leichtes Spiel. Gerade hier kann vieles passieren, das durch den normalen Versicherungsschutz von Privatpersonen oder für ein fertiges Gebäude nicht oder noch nicht abgedeckt ist. Trotz aller Eile sollten Bauherren sich daher rechtzeitig Gedanken über den richtigen Versicherungsschutz machen und die nötigen Policen abschließen, bevor der Bagger anrückt.

Denn wenn zum Beispiel Unfälle passieren, Bauunternehmen zahlungsunfähig werden, Unwetter den Baufortschritt zunichtemachen oder Nachbarn und Baustellenbesuchern durch die Arbeiten oder eine unzureichende Sicherung ein Schaden entsteht, kann es zu hohen Schadenssummen kommen. Weil das schnell die Existenz bedrohen kann, ist entsprechender Versicherungsschutz für Bauherren dringend geboten.

Welche Schäden Hausbesitzer am meisten fürchten
Albtraum 1: FeuerViele Immobilienbesitzer glauben, ausreichend gegen Naturgefahren abgesichert zu sein, sind es aber nicht. Das ergibt eine repräsentative Befragung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherer und des GfK. Grund dafür ist auch, dass einige Risiken unterschätzt werden. Albtraum Nummer 1 der deutschen Immobilienbesitzer sind Brände: 39 Prozent betrachten die Absicherung gegen Feuer als wichtig, gut die Hälfte findet sie „eher wichtig“ und nur zehn Prozent unwichtig. Quelle: DPA
Albtraum 2: LeitungswasserEbenfalls gefürchtet sind Schäden durch Leitungswasser, etwa nach Rohrbrüchen. Zwar halten nur fünf Prozent die Absicherung gegen Leitungswasserschäden für wichtig, immerhin 57 Prozent aber für „eher wichtig“. Keine Sorgen über Leitungswasserschäden machen sich 38 Prozent. Quelle: DPA
Albtraum 3: Sturm, HagelFür die Hälfte der Immobilienbesitzer spielen Sturm und Hagel keine große Rolle, sie finden eine Absicherung gegen solche Schäden eher unwichtig. Nur vier Prozent finden die Absicherung hier wichtig, 46 Prozent „eher wichtig“. Quelle: DPA
Albtraum 4: ElementarschädenHier wird die Gefahrenlage besonders unterschätzt: Mit 88 Prozent hat die große Mehrheit der deutschen Immobilienbesitzer keine Angst vor Starkregen, Überschwemmung, Schneedruck und Co. Nur elf Prozent finden eine Absicherung hier eher wichtig und ein Prozent hält sie für wirklich wichtig. Quelle: DPA
Nahezu alle fühlen sich abgesichertWährend die Mehrheit gegen Schäden durch Feuer, Sturm und Hagel (je 95 Prozent) und Leitungswasser (92 Prozent) versichert sind, sieht es bei Schäden durch Überschwemmung eher mau aus: Gegen sie sind nur 48 Prozent abgesichert. Trotzdem fühlen sich nahezu alle Immobilienbesitzer rundum abgesichert: 93 Prozent schätzen ihre eigene Absicherung gegen Naturgefahren aller Art als sehr gut oder gut ein. Nur ein Prozent fühlt sich weniger gut oder schlecht abgesichert. Quelle: obs
Unwetter 2016Selbst Berichte über aktuelle Extremwetter haben kaum Einfluss auf die eigene Risikowahrnehmung: Vor dem Unwetter im Mai 2016 in Südbayern und Baden-Württemberg nahmen 21 Prozent der Befragten an, dass Starkregen in ihrer Wohngegend zu stärkeren Überschwemmungen führen kann. Nach dem Unwetter sind es mit 28 Prozent nur unwesentlich mehr. Vor dem Unwetter schlossen 66 Prozent Starkregenschäden in ihrer Gegend aus, nach dem Unwetter sind es immer noch 58 Prozent. Quelle: DPA
Gründe gegen eine ElementarschadenversicherungWieso entscheiden sich Immobilienbesitzer gegen eine Elementarschadenversicherung? Die meisten fühlen sich schlicht nicht bedroht: 89 Prozent der Nichtversicherten halten das Risiko für überschaubar. 67 Prozent geben an, ihr Versicherungsschutz sei auch so ausreichend. Gut die Hälfte hält die Versicherungsprämien für zu hoch und 27 Prozent nehmen an, ihr Gebäude sei nicht versicherbar. Quelle: dpa

Haftpflicht auf der Baustelle

In der Frage, welchen Versicherungsschutz Bauherren benötigen, herrscht sogar zwischen Versicherungswirtschaft und Verbraucherschützern weitgehend Einigkeit.

An erster Stelle steht die Bauherrenhaftpflichtversicherung. Ist das Baugrundstück nicht ausreichend gesichert und Menschen verletzten sich darauf, haftet der Bauherr. Gleiches gilt etwa für herabfallendes Baumaterial, dass das Auto des Nachbarn beschädigt. Kurz: die Bauherrenhaftpflicht kommt für Schäden auf, die von Baugrundstück und den Bauarbeiten ausgehen. Mehr noch: Sie wehrt auch unberechtigte Ansprüche von angeblich Geschädigten ab. Daher ist diese Versicherung schon mit dem Erwerb des Baugrundstücks empfehlenswert. Eine separate Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung ist dann obsolet.

Typische Mängel in Neubauten

Die Versicherungsbeiträge sind von den Kosten des Bauvorhabens abhängig. Ein Versicherungsvergleich lohnt sich. Wer etwa den Bau eines Einfamilienhauses für 200.000 Euro (ohne Notar, Grundstücks- und Architektenkosten) versichern möchte, findet Policen für 50 bis 200 Euro im Jahr. Mitunter unterscheiden sie sich in der Höhe der Deckungssumme: zehn Millionen Euro für Personen- und Sachschäden sind gut, fünf Millionen Euro sollten das Minimum sein. Erbringt der Bauherr Eigenleistungen, sind diese der Versicherung anzugeben. Weil den Versicherern professionelle Bauhandwerker sicherer erscheinen, steigt die Versicherungsprämie mit zunehmender Eigenleistung.

Alternativ zur Bauherrenhaftpflicht gibt es auch Private Haftpflichtversicherungen, die Bauvorhaben einschließt. Allerdings sollten Versicherungsnehmer in so einem Fall die Deckungssumme genau prüfen. Ist diese für das Bauvorhaben zu gering, kann der Versicherungsschutz komplett entfallen. Beim Hauskauf vom Bauträger ist der Haftpflichtschutz für Bauherren überflüssig.

Wird der Rohbau durch Blitzschlag, Explosion oder Brand beschädigt, kommt eine Feuerrohbauversicherung für den entstandenen Schaden auf. Diese kann in aller Regel schon vor Baubeginn im Rahmen einer Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden. Diese Versicherung schließt dann die genannten Schäden am Rohbau während der Bauzeit kostenlos mit ein und wird auch regelmäßig von finanzierenden Banken vor einer Auszahlung von Darlehen verlangt.

Erfolgt der Feuerschutz über eine vorgezogene Wohngebäudeversicherung, wird die Prämie dafür in der Regel erst nach erfolgter Bauabnahme fällig und bietet ab dann auch den notwendigen Versicherungsschutz für das fertige Haus vor Sturm-, Hagel-, Leitungswasser- und Feuerschäden. Nicht versichert sind dem Bund der Versicherten zufolge allerdings Schäden an Baumaterialien, die noch nicht verbaut wurden.

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