Immobilienmarkt: Ausverkauf bei unsanierten Immobilien
Eine Bestandsimmobilie zu sanieren, ist zuletzt deutlich teurer geworden.
Foto: imago imagesDerzeit kommen vermehrt sanierungsbedürftige Immobilien auf den Markt. Laut der Online-Plattform ImmoScout24 hat der Anteil von Objekten der schlechtesten Energieeffizienzklasse H vom zweiten Quartal 2022 auf das zweite Quartal 2024 von sechs auf neun Prozent zugenommen. In der zweitschlechtesten Effizienzklasse G erhöhte sich der Anteil von sechs auf sieben Prozent.
Allein aus dem höheren Anteil von sanierungsbedürftigen Immobilien lassen sich zwar keine Verkaufsmotive ablesen. Allerdings ist relativ wahrscheinlich, dass die steigenden Sanierungskosten eine große Rolle dabei spielen. Denn zuletzt sind Handwerker und Baumaterialien deutlich teurer geworden. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes verteuerten sich im Mai beispielsweise Heizungsanlagen um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Wer eine Immobilie besitzt, überlegt sich genau, ob es sich rechnet, viel Geld fürs Sanieren zu investieren oder ob es besser ist, jetzt zu verkaufen, bevor die Verkaufspreise weiter fallen.
Die Sanierungskosten sind bei der Energieeffizienzklasse H mit Abstand am höchsten: Die Fassade ist in der Regel ungedämmt, die Fenster entsprechen nicht dem neuesten Stand und häufig ist die Heizung veraltet. Käufer rechnen das bei ihren Geboten mit ein. Nach Zahlen von ImmoScout24 sank der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Immobilien der Effizienzklasse H von 3015 auf 2610 Euro. Allerdings sind das Angebotspreise, die zwar die Tendenz in der Regel richtig anzeigen, aber nicht die tatsächlichen Kaufpreise widerspiegeln.
Abschlag für Sanierungsobjekte steigt
Dass sanierungsbedürftige Immobilien günstiger werden, hängt nicht allein an den Sanierungskosten. Auch der Markttrend spielt eine Rolle. Ablesbar ist das an Zahlen des Analyseunternehmens Empirica. Danach hat sich der Abschlag der Immobilien mit schlechter Energieeffizienz vor allem in den vergangenen zwei Jahren vergrößert. Gemessen am Kaufpreis für Ein- und Zweifamilienhäuser beträgt der Abschlag für die schlechteste Energieeffizienzklasse G derzeit 333 Euro pro Quadratmeter. Im Jahr 2022 lag der Abschlag bei lediglich 196 Euro pro Quadratmeter.
Empirica weist darauf hin, dass am Markt neben dem Preisabschlag für mangelnde Energieeffizienz gegebenenfalls noch ein Abschlag für das Baujahr hinzukommt. Empirica haben das für Immobilien aus den 1960er-Jahren durchgerechnet, die meist eine eher schlechte Bauqualität aufweisen. Ergebnis: Der gesamte Abschlag von Ein- und Zweifamilienhäusern der Energieeffizienzklasse G beträgt 1133 Euro pro Quadratmeter gegenüber dem Referenzobjekt aus der Effizienzklasse C. Allerdings beträgt der Malus fürs Baujahr allein 935 Euro.
Dass die Abschläge sanierungsbedürftiger Immobilien beim Kaufpreis wachsen, hat auch mit dem gestiegenen Niveau bei der Energieeffizienz im Gesamtmarkt zu tun. Nach einer Analyse des Instituts Gewos über den Zeitraum seit 2014 sind in vielen Landkreisen in Deutschland Wohngebäude deutlich effizienter. Hatte beispielsweise in Baden-Württemberg und Bayern 2014 in vielen Landkreisen rund die Hälfte der Immobilien die Energieeffizienzklasse E oder schlechter, sind es inzwischen oft weniger als 35 Prozent.
Auffällig bei der Gewos-Analyse ist, dass der Sprung von schlechter zu deutlich besserer Energieeffizienzklasse in Westdeutschland vor allem in wirtschaftlich starken Regionen groß ist. Das zeigt sich beispielsweise in Bayern und Baden-Württemberg. Weniger Fortschritt gibt es dagegen in strukturschwachen Regionen wie dem Saarland oder Ostfriesland. Überraschend ist das nicht, denn energetische Sanierungen sind teuer. Wer als Hauseigentümer wenig finanziellen Spielraum hat, macht nur das Nötigste an seiner Immobilie.
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