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Photovoltaik für private Immobilien Rendite vom Solardach – so geht's

Martin Röse und sein Solardach: Trotz Baumschatten und Süd-Ost-Ausrichtung eine nachhaltige und lohnende Investition. Quelle: Philipp Günster

Viele Hausbesitzer hätten gern Solarzellen, halten das aber für zu kostspielig. Dabei bringen auch kleine Photovoltaik-Anlagen durchaus vier Prozent Rendite. Worauf Hauseigentümer achten sollten, welche Tücken lauern.

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3011 Kilowattstunden – so viel Strom hat das Solardach auf Martin Röses Haus im niederrheinischen Meerbusch 2019 produziert. Das entspricht gut zwei Dritteln des Strombedarfs seiner fünfköpfigen Familie. Und Röse hat mit seinem Solardach sogar Geld verdient, obwohl er die Anlage mit einem Kredit finanzieren und seinem Stromanbieter weitere 2000 Kilowattstunden pro Jahr abkaufen musste.

Röse lebt in einem alten Haus – genau die Art Häuser, deren Energieverbrauch und CO2-Ausstoß die Regierung mithilfe von Förderprogrammen und Steueranreizen senken möchte. Denn die privaten Haushalte in Deutschland sind für ein Viertel des Gesamtenergieverbrauchs und sogar ein Drittel des gesamtdeutschen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Das Potenzial für die Einsparung von Energie und CO2 ist entsprechend groß.

Röse verbraucht den erzeugten Solarstrom so gut es geht selbst, Waschmaschine und der neue Trockner laufen nun meist tagsüber, wenn das Solardach munter Strom produziert. Was seine Familie nicht verbraucht, speist er in das Stromnetz ein. Die Bezahlung für die gelieferten Kilowattstunden (kWh), die sogenannte Einspeisevergütung, wird auch ohne neue Steuervorteile dafür sorgen, dass sich die Finanzierungs-, Montage- und Betriebskosten für die Photovoltaikanlage (PV-Anlage) in etwa zwölf Jahren amortisiert haben und die Solaranlage unter dem Strich Gewinn abwirft. Der ist zwar nicht üppig, aber zu der rentablen Investition gibt es das gute Öko-Gewissen dank hoher CO2-Einsparungen von knapp sechs Tonnen in zwei Jahren noch als Prämie obendrauf. „Ich würde es jederzeit wieder tun“, sagt Röse, bereut habe er die Investition bislang nicht.

Solarstrom vom Hausdach ist heutzutage für die meisten Immobilieneigentümer wieder ein Gewinngeschäft. Denn inzwischen sind die Solarmodule nicht nur besser, sondern auch viel günstiger geworden, so dass sich Solaranlagen trotz geringerer Einspeisevergütung wieder rechnen. Voraussetzung ist aber, dass die Solaranlage richtig gewählt und langfristig kalkuliert wird. Das erfordert eine gründliche Auseinandersetzung mit baulichen Gegebenheiten, technischen Möglichkeiten, rechtlichen Vorschriften und gründliches Rechnen. Nachfolgend erfahren Sie, worauf es bei der Planung eines Solardachs ankommt, wie Hausbesitzer Kosten und Rendite richtig kalkulieren und welche häufigen Fehler es zu vermeiden gilt.

Eine spezielle App zeigt Martin Röse an, wie viel Strom sein Solardach produziert - vom einzelnen Tag bis zum Jahresdurchschnitt. Quelle: Privat

Dacheignung prüfen

Lange galt eine Südausrichtung als Grundvoraussetzung, damit die Solarmodule in deutschen Breitengraden ausreichend Strom erzeugen. Bei modernen Modulen ist das aber nicht mehr so. Zwar ist ein Dach mit Südausrichtung und einer Neigung von 30 Grad weiterhin das Optimum. Doch auch andere Dachneigungen – typisch sind 45 Grad – und Abweichungen von der Südausrichtung schränken die Leistungsfähigkeit nur mäßig ein. Generell sind auch Dächer mit Ost- oder Westausrichtung geeignet. Je stärker das Dach von der Südrichtung abweicht, umso flacher sollte es sein. „Immer mehr Bauherren und Installateure nehmen auch Norddächer in den Blick“, berichtet Thomas Seltmann, Photovoltaik-Experte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Wegen der deutlich geringeren Energieausbaute machen solche Anlagen zwar keine Rendite, aber wenn die Dachneigung eher flach ist und keine Verschattung zu erwarten ist, kann das trotzdem sinnvoll sein.“

Wie gut ein Dach geeignet ist, können Hausherren ganz einfach online prüfen. Viele Städte und Kommunen, aber auch Bundesländer wie NRW, Hessen oder Bayern bieten „Solarkataster“ oder „Solarpotenzialkataster“ im Internet an. Nach Eingabe der Adresse wird in einer Landkarte das Hausdach angezeigt und nach ein paar Angaben, etwa zur Dachneigung, zum jährlichen Strombedarf und der Nutzungsart des Gebäudes, berechnet das Tool die Eignung anhand der jährlichen Sonneneinstrahlung, den platzierbaren Modulen, den durchschnittlichen Investitionskosten und laufenden Ausgaben für Wartung und Pflege.

Die so erstellten Berechnungen ermöglichen eine gute erste Einschätzung zu Wirkungsgrad und Rentabilität einer PV-Anlage. In der Praxis können allerdings noch Anpassungen nötig sein, etwa weil Dachfenster und Lüftungsschächte eine andere Anordnung der Solarmodule erfordern. Doch auch in schwierigen Fällen findet sich oft eine tragbare Lösung. Bei Röse etwa musste wegen der nicht optimalen Süd-Ost-Ausrichtung des steilen Hausdaches und dem Schatten eines Walnussbaumes an jedem Modul ein Leistungsverstärker angebracht werden, um den Wirkungsgrad der Anlage zu erhöhen.

Dimensionierung der Solaranlage

Typischerweise haben Solardächer auf Einfamilienhäusern eine Maximalleistung von bis zu zehn Kilowattstunden-Peak (kWp). Diese Nennleistung beschreibt den maximalen Stromertrag bei voller Sonneneinstrahlung. Die maximal platzierbare Zahl an Solarmodulen und das Modul mit der geringsten Sonneneinstrahlung bestimmen die Leistungsobergrenze der PV-Anlage. Die meisten Solarrechner oder Solarrenditerechner im Internet schlagen eine Anlagenleistung passen zum jährlichen Strombedarf des Haushalts vor, also zum Beispiel eine 4 kWp-Anlage bei einem jährlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh). „In punkto Wirtschaftlichkeit ist es aber sinnvoller, die geeignete Dachfläche möglichst vollständig mit Solar-Paneelen zu bestücken, weil der hohe Anteil der grundsätzlichen Kosten einer Anlage für kleine oder große PV-Anlagen nahezu gleich hoch sind, etwa für den Umbau des Zählerschranks, den Wechselrichter und die Montagekosten. Das macht größere Anlagen rentabler“, kritisiert Seltmann die gängige Beratungspraxis. Solange es noch eine garantierte Einspeisevergütung für den nicht verbrauchten Strom gibt, sollten Hausbesitzer die Anlage daher lieber so groß wie möglich planen, um möglichst wirtschaftlich und maximal klimafreundlich zu arbeiten.

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