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Neue Internetblase? Der Wahnsinn ist zurück - LinkedIn explodiert zum Börsenstart

Traumstart für LinkedIn: Gleich zum Start an der New Yorker Börse verdoppelt die Aktie der Social-Media-Plattform ihren Wert. Das hat es seit Google nicht mehr gegeben. Kritiker fühlen sich an die Dotcom-Blase erinnert.

Gewonnen aber doch verloren: LinkedIn-Gründer Reid Hoffman hätte heute weit mehr verdienen können. Quelle: handelsblatt.com

Der erste Börsengang einer Social-Media-Firma ist ein gigantischer Erfolg: Die Aktie von LinkedIn stieg am ersten Handelstag an der New York Stock Exchange gleich in den ersten Minuten bis auf 93 Dollar, zwischendurch sogar bis 112 Dollar. Verkauft worden waren die Papiere zu einem Preis von 45 Dollar. Wegen der immensen Nachfrage hatte das Karrierenetzwerk den Preis für die Aktien während der Zeichnungsphase bereits zweimal angehoben. Trotzdem konnte die Nachfrage nicht annähernd bedient werden. Den Großteil der 7,84 Millionen auszugebenden Anteile haben sich bereits im Voraus Investment- und Rentenfonds, Großbanken und andere große Investoren gesichert. Anleger, die nicht zum Zuge kamen, griffen nun an der Börse zu.

Bereits zum Ausgabepreis war LinkedIn satte 4,3 Milliarden Dollar wert - das entsprach dem 275-Fachen des Gewinns, den das Unternehmen 2010 erzielt hatte. Doch durch die Kursexplosion in den ersten Handelsminuten hat LinkedIn diese Dimension gleich locker übersprungen und ist nun mehr wert als Dax-Konzerne wie die Lufthansa oder Merck. Der Börsenwert stieg bis auf über zehn Milliarden Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt damit unglaubliche 650, das Kurs-Umsatz-Verhältnis 42. Teurer ist, gemessen am Umsatz, kein anderes amerikanisches Unternehmen.

Die Underwriter, darunter Morgan Stanley, haben die ursprünglichen LinkedIn-Eigner viel Geld gekostet. Hätten sie mit ihrem Ausgabepreis besser abgeschätzt, was die Papiere den Anlegern wert sind, hätten Reid Hoffman und die Venture-Capital-Firmen, die hinter LinkedIn stecken, ihre Einkünfte verdoppeln können. Bei einem Preis von 90 statt 45 Dollar pro Anteil wären ihnen über 700 Millionen Dollar zugekommen. Stattdessen gehen auf ihr Konto lediglich gut 350 Millionen Dollar, der Rest kommt den Anlegern zugute.

Kommt der nächste Internet-Crash?

Auch andere Social-Media-Unternehmen wurden in den vergangenen Monaten extrem hoch bewertet, allen voran Facebook mit mindestens 50 Milliarden Dollar. Manche Beobachter sprechen jetzt von einer neuen Internetblase, die bald ein jähes Ende finden könnte - ähnlich dem Crash der New Economy im März 2000.

Der große Unterschied: Die meisten Unternehmen, die derzeit umjubelt werden, sind tatsächlich profitabel und schon einige Jahre alt. LinkedIn existiert seit elf, Facebook seit sieben Jahren.

Das amerikanische Web-Portal Tech Crunch, das sich häufig mit Internet- und Startup-Firmen auseinandersetzt, sieht im Börsengang von LinkedIn keine neue Internetblase: "Es gibt, je nach Definition, höchstens fünf Web-2.0-Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden. Fünf Unternehmen machen noch keine Blase aus."

Hinter LinkedIn standen bisher im Wesentlichen der Mitgründer Reid Hoffmann mit 21,2 Prozent sowie die Finanzinvestoren Sequoia Capital, Greylock Partners und Bessemer Venture Partners mit zusammen 39,4 Prozent. Hoffman gründete LinkedIn zu einer schwierigen Zeit: zwei Jahre nach Platzen der Dotcom-Blase. Heute hat das Portal über 100 Millionen Nutzer und macht 70 Prozent seines Umsatzes mit zahlenden Kunden.

Selbst wenn den Investoren eine neue Internetblase erspart bleiben sollte, ist der Börsengang von LinkedIn doch wegweisend für die Zukunft einer neuen Generation von Unternehmen. Die Zeitung "San Jose Mercury News" zitiert Max Levchin, Mitgründer des Online-Bezahldienstes PayPal und der Social-Media-Seiten Slide und Yelp: "Reid Hoffmans Entscheidungen von heute werden das Internet noch Jahre beeinflussen."

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