TV-Shows Steuerpflicht für Dschungelkönige

Kandidaten von TV-Shows wie „Big Brother“ und "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" bekommen hohe Gagen und im Falle des Gewinns ein Preisgeld. Der Bundesfinanzhof verhandelt nun erneut die Steuerpflicht.

Gewinner von TV-Shows sollen zukünftig ihre Gewinne aus der Show als Einkommen versteuern. Quelle: dpa

Fällt die Teilnahme an der Show „Big Brother“ unter Arbeit oder nicht? Darüber muss der Bundesfinanzhof in München entscheiden. Der Gewinner der RTL-II-Containershow von 2005, Sascha Sirtl (34), sollte seine Gewinnsumme von einer Million Euro als Einkommen versteuern.

Dagegen zog Sirtl vor Gericht. Aber bereits 2010 urteilte das Finanzgericht Köln, dass es sich bei der Teilnahme an der Container-Show um eine einkommensteuerpflichtige Tätigkeit handelt. Die Begründung: Anders als bei einer Lotterie oder TV-Formaten wie „Wer wird Millionär?“, deren Gewinne steuerfrei bleiben, erbringen die Teilnehmer eine erwerbswirtschaftliche Leistung, die deutlich über ein bloßes Spiel hinausgeht – auch wenn sie nicht schauspielern. Die Teilnehmer würden schließlich auch Werbeverpflichtungen für die TV-Produzenten wahrnehmen.

Aber Big-Brother-Gewinner Sirtl ließ nicht locker. Jetzt wird die Frage der Einkommensteuerpflicht vor dem Bundesfinanzhof abschließend verhandelt. Doch die Chancen für Sirtl stehen sehr schlecht. Es habe bereits einen Gerichtsentscheid gegeben, sagte ein Sprecher des Finanzhofes und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Financial Times Deutschland“.

Deutschlands absurdeste Steuern

Deutschlands absurdeste Steuern
A customer sips her coffee in Starbucks' Mayfair Vigo Street branch in central London Quelle: REUTERS
Die Bettensteuer war ein besonders beliebtes Abkassier-Instrument der deutschen Kommunen. Rund 20 Städte und Kommunen hatte sie eingeführt, mehr als 70 hatten die Abgabe geplant – bis das Bundesverwaltungsgericht die Abgabe gestoppt hat. Gäste in Pensionen oder Ferienwohnungen sollten pro Nacht 1 Euro zahlen, Hotelgäste 1,50 Euro. Für eine Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel allerdings wurden 2 Euro fällig. Die Mehreinnahmen sollten für die Tourismusförderung eingesetzt werden. Als eine der erste Städte hatten Köln die Bettensteuer eingeführt. Seitdem müssen Hoteliers fünf Prozent auf Übernachtungen zahlen. Die Einnahmen sollten in den Kulturetat fließen, die Stadt hofft auf sieben Millionen Euro pro Jahr. Quelle: dpa
Hotel Adlon in Berlin Quelle: dpa-dpaweb
Grand Elysée Hotel in Hamburg Quelle: Presse
Jäger sammelt erlegte Wildschweine ein Quelle: dpa
Blaulicht eines Polizeifahrzeugs Quelle: dpa
Sonnenbank in Düsseldorf Quelle: dapd
Knapp 40 Kilometer weiter östlich reicht manchen Kommunalpolitikern die Hundesteuer nicht mehr: Die Dortmunder SPD schlug im Juni 2010 eine ähnliche Steuer auf Pferde vor, auch in der Gemeinde Wachtberg bei Bonn wurde ein solcher Vorschlag diskutiert. Quelle: dpa
Bordell in Berlin Quelle: REUTERS
Spielautomaten in einer Spielhalle Quelle: dpa
Ein" Karteneinschub" an einem Zigarettenautomaten Quelle: AP
Schlagloch auf einer Straße in Frankfurt/Oder Quelle: dpa
Kaffeebohnen auf der Genussmesse in Köln Quelle: AP
Sektausschank beim Sommerfest des Bundespräsidenten in Berlin Quelle: dpa
Handfeuerwaffen auf einer Waffenmesse Quelle: dpa
Windräder in Brandenburg Quelle: AP

Urteil in einigen Wochen erwartet

Allerdings habe Sirtl Antrag auf mündliche Verhandlung gestellt. Damit wird der Entscheid zunächst ungültig. Ein endgültiges Urteil wird erst in einigen Wochen oder Monaten erwartet.

Dem Bericht der FTD zufolge hatte das Gericht eigentlich schon auf volle Steuerpflicht entschieden. Sirtls Anwalt Burkhard Binnewies erklärte, die Teilnahme an der „Big Brother“-Show werde dieser Entscheidung zufolge nicht als Spiel oder Wette, sondern als „nicht selbstständige Tätigkeit“ gewertet. Damit sind die Einkünfte aus derzeitiger Sicht des Finanzhofes nicht steuerfrei, sondern einkommenssteuerpflichtig.

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