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Geldanlage Das Risiko der Indexfonds

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Eine Idee wird aufgeweicht

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in Europa

Während sich die Anbieter in den Anfangsjahren auf leicht verständliche und einfach zu konstruierende Produkte beschränkten, gibt es heute ETFs für jeden erdenklichen Markt und alle Branchen – von vietnamesischen Aktien über Schrottanleihen bis hin zu ETFs, mit denen Anleger auf fallende Kurse wetten können. Die Liste der an der Deutschen Börse gehandelten ETFs war 2005 eine DIN-A4-Seite lang, heute nimmt sie 14 Seiten ein.

Immer mehr Überflüssiges kommt an den Markt: „Das ETF-Angebot kann kaum besser werden. Sinnvolle Standardmärkte sind längst abgedeckt. Die Anbieter leben aber vom Wachstum und bringen mehr ETFs heraus, die einzelne Branchen oder Trends abdecken“, warnt Sasa Perovic, Analyst bei Scope Analysis.

Dass exotische ETFs nicht einfach durch den Kauf von Wertpapieren konstruiert werden können, liegt auf der Hand – durch einfachen Kauf von Aktien kann niemand auf sinkende Kurse wetten. Aber auch hinter der Fassade vermeintlich simpler ETFs verbergen sich unangenehme Überraschungen: Statt auf Dax-Namen stoßen Anleger etwa beim Dax-ETF von db x-trackers auf japanische Titel wie Fujitsu, Mitsubishi oder den Unglücks-Atomkraftkonzern Tepco. Wie aber ist so etwas möglich?

Der einfache Weg, einen Index nachzubilden, ist der Kauf aller Aktien des Index, und zwar genau zu den Prozentsätzen, zu denen diese darin vertreten sind. Bei einigen Indizes ist das einfach: Einer der Spitzenreiter des Jahres, der iShares Euro Stoxx Health Care, besteht nur aus 13 Einzeltiteln, die Aktie von Sanofi-Aventis macht allein 54 Prozent des Fondsvermögens aus. Beim MSCI Welt-Aktienindex, der aus 1660 Einzeltiteln besteht, wäre der Kauf jeder einzelnen Aktie dagegen zu aufwendig. Probleme bekommt auch, wer zum Beispiel alle Aktien des vietnamesischen Index kaufen will, weil der Markt wenig liquide ist. Wer massiv kauft, gerät in Gefahr, seinen Einstiegskurs zu treiben und so zu teuer zu kaufen.

Investmentbanker haben für solche Fälle Swap-Geschäfte entwickelt. Ein Swap ist eine Art Tauschhandel, an dem der ETF-Anbieter und üblicherweise seine Mutterbank beteiligt sind. Die Mutter zahlt dem ETF dabei die Gewinne oder Verluste aus der Entwicklung des Index und erhält dafür die Erträge aus den im Fonds enthaltenen Aktien – Kurs- und Währungsgewinne plus Dividenden. Welche Aktien diese Gewinne bringen, ist letztlich egal und Sache der Bank. Es können eben auch japanische Aktien sein. Das Risiko, dass die Japaner nicht die erwarteten Gewinne bringen, sichert die Bank wiederum ab, an Terminbörsen oder bei anderen Banken, womöglich wiederum über Swaps.

Kosten sparen, Aktien abladen

Swap-Konstruktionen sind aber nicht nur bei exotischen oder aus sehr vielen Papieren bestehenden Indizes beliebt, sondern auch bei einfachen und liquiden wie dem Dax – sei es, weil sie billiger sind, sei es, weil eine Bank Aktien loswerden will oder das Geschäft zu ihren sonstigen Handelsstrategien passt. Die Bank, die Papiere in ihren Büchern hat, die sie gerne abgeben würde, verkauft sie an den ETF als Sicherheit, kassiert die Renditen aus dem Aktienkorb, der im Sondervermögen steckt und garantiert im Gegenzug, dass der Anleger eins zu eins an der Index-Wertentwicklung teilhat. Einfach zu durchschauen ist das nicht: „Der Anleger muss tief graben, um hinter die Konstruktionen zu blicken“, sagt Michael Göttgens, Wirtschaftsprüfer und Leiter Financial Services bei Deloitte.

Da die ETF-Sparten der Banken meist Anhängsel des Investmentbanking sind, können sich die Banker austoben. Vor allem in Europa wächst der Anteil der Swap-Konstrukte am ETF-Markt. Während er in den USA nur drei Prozent ausmacht, sind es in Europa schon 45 Prozent.

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