Pflegetagegeld-Versicherung: Die besten Tarife im Pflegefall
Gute Pflege hat ihren Preis. Einen Preis, den die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung bei Weitem nicht abdecken. Viel hängt vom Pflegegrad sowie der Art der Versorgung ab. Ob Heimpflege oder professionell zu Hause: Ab dem Pflegegrad drei muss man mit monatlichen Selbstkosten zwischen 1000 und 2500 Euro rechnen. Experten gehen davon aus, dass diese Zuzahlungen auch in Zukunft noch steigen werden.
„Um diese Pflegelücke zu schließen, bieten sich private Pflegezusatzversicherungen an“, sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern.
Es gibt drei verschiedene Produkte mit sehr unterschiedlichen Leistungen und Kosten: die Pflegetagegeld-Versicherung mit einem Betrag zur freien Verfügung, eine Pflegekosten-Versicherung für tatsächlich anfallende Kosten und die Pflegerenten-Versicherung mit einer monatlichen Rente. Die verbreitetste Art ist die Pflegetagegeld-Versicherung. Damit vereinbaren Versicherte im Pflegefall die regelmäßige Auszahlung eines Festbetrages, gestaffelt nach Pflegegraden. Es sollten dabei möglichst alle Pflegegrade versichert sein, um so vor finanziellen Dramen zu schützen.
Viele verzichten auf Absicherung im Pflegefall
Ob eine Pflegezusatzversicherung wirklich notwendig sei, lasse sich nicht pauschal beantworten, erklärt Straub. Das sei immer eine Frage des Einzelfalls. Neben der Vermögenssituation des Versicherten müsse auch betrachtet werden, welchem Zweck die Pflegeversicherung dienen solle. „Die einen wollen verhindern, dass ihre Kinder für ihre Pflegekosten aufkommen müssen“, erläutert der Verbraucherschützer. Andere dagegen würden sicherstellen wollen, dass sie so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Wieder andere wollen sich im Alter besondere pflegerische Leistungen ermöglichen. „Eine Antwort ist auch deshalb schwierig, da niemand genau weiß, was uns die Pflege in Zukunft kosten wird“, kommentiert der Experte. Eines ist jedoch sicher: Billiger wird sie nicht.
Das ist keine neue Erkenntnis, doch sehr viele Menschen verzichten auf diese Absicherung, wie Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung zeigen: Ende 2023 hatten 3,25 Millionen Personen eine Pflegezusatzversicherung. Beim weit überwiegenden Teil davon handelt es sich um Pflegetagegeld-Versicherungen. Hinzu kommen noch einmal rund 900.000 Personen mit einer geförderten Pflegezusatzversicherung – dem sogenannten Pflege-Bahr –, die eine Variante der Pflegetagegeld-Versicherung ist.
„Für kaum ein anderes Risiko kann man finanziell so gut und langfristig vorsorgen wie für die Pflege, die ja meist erst im hohen Alter eintritt“, betont Jens Wegner vom Verband der Privaten Krankenversicherung. „Dabei ist eine Pflegezusatzversicherung günstiger, als viele denken.“ Die Beitragshöhe einer Pflegezusatzversicherung hängt von den gewählten Leistungen und dem Lebensalter bei Vertragsschluss ab. Doch was heißt das konkret?
Die besten Tarife für zwei Musterfälle
Das Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die besten Tarife für zwei Musterfälle gekürt: eine 50-Jährige und einen 35-Jährigen. Alle gekürten Tarife haben mindestens vier Sterne im M&M-Pflegetagegeld-Rating, dazu eine Beitragsfreistellung und Altersrückstellungen. Die monatliche Pflegemindestleistung ambulant und stationär beträgt bei Pflegegrad eins 50 Euro, bei Pflegegrad zwei 300 Euro, bei Pflegegrad drei 600 Euro, bei Pflegegrad vier 1050 Euro und bei Pflegegrad fünf 1500 Euro.
Die Leistungen können in den einzelnen Pflegegraden deutlich voneinander abweichen und wesentlich höher als die Vorgaben sein. Die Versicherer bieten durch verschiedene Bausteine auch höhere Leistungen an. Diese sind dann beitragsrelevant. In der Tabelle sind exemplarisch die Pflegegrade eins und vier im ambulanten und stationären Bereich dargestellt. Die Leistung im Pflegegrad fünf beträgt jeweils 1500 Euro in allen Tarifen.
Die 50-Jährige hat die Wahl zwischen elf „sehr guten“ Tarifen. Sie stammen von Württembergische, R+V, Huk Coburg, Arag, Allianz, Nürnberger, vrk, Vigo, Hallesche, Gothaer und Barmenia. Der monatliche Beitrag liegt zwischen 60,78 Euro bei der drittplatzierten Huk und 123,50 Euro bei der Hallesche. Bei der erstplatzierten Württembergischen liegt der monatliche Beitrag bei 75,72 Euro.
Auch der 35-Jährige hat die Wahl zwischen elf Tarifen, die mit „sehr gut“ ausgezeichnet wurden. Wieder liegt die Württembergische auf Platz eins, gefolgt von Arag, Huk Coburg, Nürnberger, R+V, Allianz, vrk, Gothaer, Hallesche, Barmenia und Vigo. Die monatlichen Beträge liegen zwischen 33,40 Euro bei der Arag und 67 Euro bei der Hallesche. Die erstplatzierte Württembergische liegt bei 38,91 Euro.
Deutlich günstiger als viele glauben
Damit ist die Pflegetagegeld-Versicherung übrigens deutlich günstiger, als viele Menschen glauben. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach aus dem Dezember 2024 gingen die Befragten im Durchschnitt davon aus, dass eine Pflegezusatzversicherung sie etwa 270 Euro pro Monat kosten würde.
Wie bei vielen Versicherungen gilt: Je jünger man ist, desto geringer sind auch die Beiträge. „Mit zunehmendem Alter verringert sich statistisch gesehen die Zeit, die dafür bis zu einem möglichen Leistungsfall bleibt“, erläutert Verbraucherschützer Straub. Das wirkt sich auf die Höhe der Beiträge aus. „Gut ist es, wenn der Vertrag eine Erhöhung der Leistung ohne erneute Gesundheitsprüfung vorsieht, die sogenannte Dynamisierung“, ergänzt er. Im Regelfall erhöht sich die Versicherungssumme dann um einen fest vereinbarten Prozentsatz. Damit soll die Inflation aufgefangen und die Kaufkraft der vereinbarten Leistung erhalten bleiben.
Straub gibt zu bedenken, dass steigende Kosten für die Pflege sich auf die Versicherungen auswirken. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt. Um die steigenden Pflegekosten aufzufangen und die Eigenbeteiligung im Pflegefall nicht immer größer werden zu lassen, wurde das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) beschlossen. „Trotz der Reform der sozialen Pflegepflichtversicherung durch das PUEG können die Versorgungslücken nicht vollständig geschlossen werden“, warnt Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen (M&M). „Betrachtet man die tatsächliche Preisentwicklung in Pflegeheimen, so fällt schnell auf, dass sich die Versorgungslücken nicht wesentlich verringert haben.“
Die gesetzliche Pflegeversicherung war allerdings auch nie dafür gedacht, sämtliche Kosten einer Pflegebedürftigkeit abzudecken, wie Wegner vom Verband der Privaten Krankenversicherung zu bedenken gibt. „Eine private Vorsorge in diesem Bereich ist dementsprechend sinnvoll“, sagt Bohrmann. „Eine Beratung kann die individuelle Lücke klären und somit lässt sich eine sinnvolle zusätzliche Absicherung gestalten.“
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