Versicherungsvergleich: Die beste private Krankenversicherung
Gerade bei größeren Eingriffen wollen Patienten von absoluten Experten auf ihrem Gebiet operiert werden. Auch das Drumherum sollte möglichst angenehm sein. Ein Einbettzimmer gilt als Luxus. Doch von einer medizinischen Koryphäe im Wunschkrankenhaus behandelt zu werden, ist ein nachvollziehbares Anliegen.
Beste medizinische Versorgung – auch mit kleinen oder größeren Extras – erhalten oft nur Privatpatienten. Wer gesetzlich versichert ist, müsste zuzahlen oder eine Zusatzversicherung abschließen. Nur wer als Angestellter oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze von aktuell 73.800 Euro verdient, kann in die private Krankenversicherung wechseln. Auch Beamte, Selbstständige und viele Freiberufler haben grundsätzlich die Wahl zwischen privater Krankenversicherung (PKV) und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV).
Ein Muss ist die PKV nicht, auch gesetzlich Versicherte werden natürlich gut versorgt. „Die PKV eignet sich für Menschen, die auf einen umfassenden Versicherungsschutz im Krankheitsfall, aber auch auf Vorsorge Wert legen und die ein möglichst großes Mitspracherecht ausüben wollen“, sagt Helmut Zeiß, PKV-Experte beim Versicherungsmakler Hoesch & Partner.
PKV-Trend: Premium statt Basis
Nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherung waren im vergangenen Jahr 8,74 Millionen Menschen privat vollversichert. Im Durchschnitt kostet eine PKV 623 Euro im Monat. Je nach Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Tarif können die Beiträge aber niedriger und auch wesentlich höher liegen.
„Auffällig ist der aktuelle Trend zu neuen Premium-Tarifen“, sagt Thorsten Bohrmann, Senior-Versicherungsanalyst beim Analysehaus Morgen & Morgen (M&M). Diese Tarife bieten beispielsweise Einbettzimmer plus Chefarztbehandlung im Krankenhaus, Leistungen, die über die Gebührenordnung GOÄ/GOZ abgerechnet werden können, 100 Prozent Zahnersatz, hohe Brillenleistungen und hohe Leistungen bei Lasik-OPs sowie keine Begrenzung der Sitzungen bei Psychotherapie. „Der Wettbewerb in der PKV-Vollversicherung verlagert sich zunehmend in dieses hochwertige Segment.“ Von sogenannten „Einsteigertarifen“, die zwar besonders preisgünstig sind, raten Experten wie Zeiß übrigens ab. Diese würden teilweise ein Versorgungsniveau unter GKV-Leistungsniveau bieten.
Die beste PKV für zwei Musterfälle
Für die WirtschaftsWoche hat das Analysehaus M&M exklusiv die Tarife mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis für zwei Musterfälle gekürt: einen 45-jährigen Selbstständigen sowie eine 25-jährige angestellte Unternehmensberaterin. Sie wollen besten Schutz, weshalb auch nur Tarife in die Berechnung einflossen, die fünf Sterne und damit die Bestnote im M&M-Rating für die PKV-Vollversicherung haben. Beide wünschen mindestens 70 Prozent Erstattung beim Zahnersatz und 100 Prozent bei der Zahnbehandlung. Im Krankenhaus soll es das Einbettzimmer sein. Je Anbieter wurde der günstigste beziehungsweise neueste Tarif für die Auswertung berücksichtigt.
Der 45-Jährige wählt einen Selbstbehalt von mindestens 1000 und höchstens 3000 Euro pro Jahr, bei der 25-Jährigen dürfen es bis zu 500 Euro sein. „Selbstbeteiligungen in der PKV dienen dazu, den monatlichen Beitrag zu senken“, erklärt Jochen Sunken, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg. Er warnt aber davor, sich blenden zu lassen. „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass man immer so gesund bleiben wird, dass man von einer Selbstbeteiligungsregelung profitiert“, so der Experte. „Bei der Abwägung und Kalkulation sollte man daher ein Zwölftel der jährlichen Selbstbeteiligungssumme auf den Monatsbeitrag draufschlagen.“ Die beiden Musterfälle entscheiden sich bewusst für die Selbstbeteiligung.
Der 45-Jährige hat die Wahl zwischen sieben „sehr guten“ Tarifen. Bestplatziert sind die BBKK und die UKV mit einem Selbstbehalt von jeweils 1600 Euro pro Jahr, 90 Prozent Zahnersatz und einem monatlichen Beitrag von 652,05 Euro. Auf den Plätzen dahinter folgen Allianz, Ottonova, Barmenia, LKH und Hallesche.
Die 25-Jährige kann zwischen zwölf ausgezeichneten Tarifen wählen. Die Police mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis kommt von Ottonova – ohne Selbstbeteiligung, 90 Prozent Zahnersatz und einem monatlichen Beitrag von 596,51 Euro. Außerdem ausgezeichnet wurden Tarife von BBKK, UKV, SDK, Allianz, uniVersa, Barmenia, Signal Iduna, LKH, Hallesche, Gothaer und Axa. Den günstigsten ausgezeichneten Tarif bietet uniVersa mit einer Selbstbeteiligung von 300 Euro, 90 Prozent Zahnersatz und einem Beitrag von 559,70 Euro.
Wann sich eine PKV lohnt
Ob sich eine PKV lohnt, ist neben dem Wunsch nach besseren Leistungen auch ein Rechenexempel.
In der PKV orientieren sich die Beiträge nicht am Bruttoeinkommen des Versicherten, sondern am individuellen Kostenrisiko des Versicherten. Je nach Alter, Gesundheit und versicherten Leistungen kostet sie mehr oder weniger. „Je höher das Einkommen ist, desto attraktiver wird eine private Krankenversicherung“, sagt Verbraucherschützer Sunken. Er rechnet vor: Wer beispielsweise 2000 Euro brutto verdient und für seinen PKV-Tarif 500 Euro bezahlt, gibt 25 Prozent seines Einkommens für die Krankenversicherung aus. Verdient sie oder er aber 4000 Euro, machen die 500 Euro nur 12,5 Prozent seines Einkommens aus.
Zum Vergleich: Die Kosten der GKV setzen sich aus dem allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent plus einem kassenindividuellen Zusatzbeitrag zusammen. „Umgekehrt gilt, dass die PKV unattraktiv wird, wenn das eigene individuelle Kostenrisiko hoch ist“, so Sunken. Als Grundlage hierfür dienen der PKV insbesondere Vorerkrankungen. „Wer schon einmal eine Psychotherapie in Anspruch genommen hat oder an einer chronischen Erkrankung leidet, muss mit teuren Risikozuschlägen seitens der PKV-Anbieter rechnen – oder wird gar nicht erst als Kunde aufgenommen.“
Die Experten raten Verbrauchern, sich unbedingt unabhängig beraten zu lassen. „Eine Beratung zur PKV ist definitiv eine sinnvolle Sache, um sich ein klareres Bild von den Möglichkeiten zu verschaffen“, sagt Bohrmann.
Auch PKV-Experte Zeiß betont, dass sich im sogenannten „Kleingedruckten“ sehr oft Lücken auftun würden, die sich erst bei einer gewünschten Inanspruchnahme des Versicherungsschutzes bemerkbar machen. „Man sollte sich nicht von einem vermeintlich günstigen Beitrag blenden lassen“, sagt er. „Ein leistungsstarker Tarif fordert seinen Preis, die Medizininflation aufgrund des medizinischen Fortschritts und der steigenden Lebenserwartung fordert in Zukunft steigende Beiträge.“ Ein PKV-Versicherungsschutz sollte gegenüber der GKV möglichst keine Lücken lassen. Leider würde das in verschiedenen Bereichen vorkommen. Als Beispiele nennt er Psychotherapie, Heilmittel, Hilfsmittel und Reha.
Lesen Sie auch: Wie kann ich meinen PKV-Beitrag senken?