Standmitteilung: Jährliche Info der Lebensversicherer lässt Verbraucher oft ratlos
Unterlagen eines Lebensversicherers
Foto: dpaTausende Verbraucher haben seit Jahresbeginn Post von ihrem Lebensversicherer bekommen. Doch viele lässt die sogenannte Standmitteilung, die Aufschluss über den Wert der Lebensversicherung gibt, ratlos. Selbst Branchenprofis kritisieren, die Schreiben seien oft unübersichtlich, schwer lesbar und unvollständig. Verbraucherschützer fordern, standardisierte verbindliche Regeln für den jährlichen Kontoauszug.
„Wer wissen will, was seine Lebensversicherung wert ist, muss bei den Versicherern mitunter nachfragen und einen Taschenrechner zur Hilfe nehmen“, kritisiert der Chefversicherungsmathematiker der Policen Direkt-Gruppe, Henning Kühl. Das Unternehmen, das Policen ankauft, hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr bisher 2500 Mitteilungen von Renten- und Kapitallebensversicherungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Um zu ermitteln, wie viel eine Lebensversicherung wert ist, fehlten häufig wichtige Informationen. Dazu gehörten etwa der Rückkaufswert, die Leistung im Todesfall oder die Summe der bisher eingezahlten Beiträge.
„Wir brauchen standardisierte, verbindliche Regeln“, fordert Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Wichtig sei für Kunden unter anderem die Summe der eingezahlten Beiträge, um den Vertrag umfassend beurteilen zu können. Zwar sei die Muster-Standmitteilung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht schlecht, dieser Punkt fehle aber. Der Verband argumentiert hingegen, ein bloßes Mehr an Informationen führe nicht zu mehr Transparenz. Vielmehr sollte der Grundsatz „einfacher, kürzer, klarer“ gelten.
Aus Sicht des Branchenexperten Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata sollte die jährliche Mitteilung auch pessimistische Szenarien enthalten. „Wie viel habe ich bis Vertragsende bei einer klassischen Lebensversicherung realistischerweise zu erwarten, wenn beispielsweise die Niedrigzinsen noch lange anhalten?“
Lebensversicherern fällt es angesichts der langen Zinsflaute immer schwerer, die hohen Garantiezusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die Folge: Die laufende Verzinsung aus der Überschussbeteiligung und dem vom Bundesfinanzministerium festgesetzten Garantiezins sinkt seit geraumer Zeit.
Ärgerlich findet Heermann schwer verständliche Angaben auch bei fondsgebundenen Lebensversicherungen. Bei einigen Produkten könne der Kunde die Fonds frei auswählen und auch austauschen. „Diese Möglichkeit wird in der Praxis jedoch kaum wahrgenommen. Denn dazu muss ich wissen, welcher Fonds gut ist und welcher nicht“.
Die Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen nahmen im vergangenen Jahr 68 Mitteilungen von klassischen Kapitallebensversicherungen genauer unter die Lupe. Das Ergebnis: Ein Viertel enthält nicht einmal die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben vollständig. Dazu zählt beispielsweise die Leistung im Todesfall.
Platz 12: Ergo Leben
Die Lebensversicherung der Munich-Re-Tochter aus Düsseldorf muss sich mit dem wenig schmeichelhaften letzten Platz abfinden. Der Experte der Hochschule Ludwigshafen Hermann Weinmann vergibt nur 400 Punkte. Bei der Ergo hätten sich zwar die Bewertungsreserven gut entwickelt, doch die Kostensituation sei unverändert schwierig, mahnte der Experte.
Foto: dpaPlatz 11: Provinzial Nordwest
Die zweitgrößte öffentliche Versicherungsgruppe Deutschlands landet dagegen auf einem der beiden letzten Ränge. Das Institut vergibt nur 400 Punkte, was lediglich für eine Einstufung auf dem Level „schwach“ reicht.
Foto: dpaPlatz 9: Aachen-Münchener Leben
Das Unternehmen aus Aachen bringt es auch auf 450 Punkte und wird mit „steigerungsfähig“ benotet. Steigerungsfähig“ soll bedeuten, dass in Teilbereichen ein betriebswirtschaftliches Zurückbleiben vorliegt.
Foto: Aachen Münchener
Foto: PressePlatz 9: Generali Leben
Der traditionsreiche Versicherer, dessen deutscher Sitz in München ist, erhält 450 Punkte und muss ebenfalls mit der Einstufung „steigerungsfähig“ Vorlieb nehmen.
Foto: dpaPlatz 7: Bayern-Versicherung
Die Aktiengesellschaft aus der Münchener Maximilianstraße erreicht 550 Punkte und wird ebenfalls als „steigerungsfähig“ benotet.
Foto: dpaEbenfalls Platz 7: Zurich Deutscher Herold
Der Versicherer aus Bonn wurde von den damaligen Zurich Financial Services aufgekauft und gehört nun zu den Tochtergesellschaften des mittlerweile als Zurich Insurance Group agierenden Versicherungsunternehmens. Mit 550 Punkten wurde das Institut mit dem Prädikat „steigerungsfähig“ bewertet.
Foto: dpaPlatz 6: Cosmos Leben
Die Versicherungsgruppe aus Saarbrücken rangiert mit 600 Punkten im Mittelfeld. Das Institut verteilte an Cosmos das Prädikat „steigerungsfähig“.
Foto: CosmosDirekt
Foto: PressePlatz 5: R+V Leben
Die Wiesbadener R+V gehören zur Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken und landen mit 650 Punkten auf Rang fünf. Dafür erhalten sie die Bewertung „stark“.
Foto: R+V Leben
Foto: PressePlatz 4: Alte Leipziger
Knapp hinter den Medaillenrängen platziert sich der leistungsstärkste Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, die Alte Leipziger. Sie bringt es auf 700 Punkte, was dem Institut immer noch das Prädikat „stark“ wert ist.
Foto: Alte Leipziger
Foto: PressePlatz 3: Axa Leben
Sie kommt auf 750 Punkte und rangiert damit knapp hinter den Führenden.
Foto: dpaPlatz 1: Allianz Leben
Der Lebensversicherer des deutschen Branchenführers reklamiert mit 800 Punkten in dem Bilanz-Check den Spitzenplatz für sich. Die Münchener erreichen das Prädikat „sehr stark“.
Foto: dpaEbenfalls Platz 1 :Debeka Leben
Die Debeka Leben mit Sitz in Koblenz bekommt vom Versicherungsexperten Hermann Weinmann ebenfalls mit jeweils 800 Punkten das Prädikat „sehr stark“. Zusammen mit der Allianz Leben bilden die Koblenzer damit die Spitzengruppe.
Foto: dpaAußerdem erfahren Verbraucher in drei von vier Fällen den Angaben zufolge nicht, wie viel sie garantiert ausgezahlt bekommen, wenn sie ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Beiträge mehr einzahlen. „Eine Standmitteilung ist nutzlos, wenn der Verbraucher darin nicht erkennen kann, ob der Vertrag (noch) seinen Bedürfnissen entspricht, oder ob er durch Kündigung oder Beitragsfreistellung gegensteuern sollte“, heißt es.
Lediglich in sechs der 68 Schreiben fanden sich fast alle aus Verbrauchersicht wünschenswerten Angaben - mit Ausnahme der Summe der eingezahlten Beiträge.
Erschwert wird den Finanzmarktwächtern zufolge ein Vergleich zudem durch Begriffswirrwarr: So werde beispielsweise der Überschuss in einigen Standmitteilungen als Gewinnguthaben, Bonussumme oder Ansammlungsguthaben bezeichnet.
Wie schwer es für die Bundesbürger ist, ihre Finanzlage im Rentenalter einzuschätzen, ist den privaten Versicherern durchaus bewusst. Erst kürzlich forderte GDV-Präsident Alexander Erdland die Deutsche Rentenversicherung auf, in ihrer jährlichen Information auch die statistische Lebenserwartung des Versicherten zu nennen. Die meisten Deutschen unterschätzten, wie alt sie würden und wie lange die Ersparnisse reichen müssten, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Indes: Auch in den Standmitteilungen der privaten Versicherer sucht man diese Information vergebens.