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IsraelVermisste Deutsche Shani Louk ist offenbar tot

Die seit dem Hamas-Terrorüberfall vermisste Deutsche Shani Louk ist nach Angaben ihrer Mutter tot. Derweil weitet Israels Militär seinen Kampf gegen die Hamas im Gazastreifen aus. Der Überblick. 30.10.2023 - 12:27 Uhr aktualisiert Quelle: dpa

Ricarda Louk zeigt bei einem Treffen mit Bundestagspräsidentin Bas ein Foto ihrer durch die Hamas entführten Tochter Shani Louk.

Foto: dpa

Die beim Angriff der radikal-islamischen Palästinener-Organisation Hamas am 7. Oktober entführte Deutsch-Israelin Shani Louk ist nach Angaben ihrer Familie tot. „Leider haben wir gestern die Nachricht bekommen, dass meine Tochter nicht mehr am Leben ist“, sagt ihre Mutter Ricarda Louk dem Sender RTL/ntv. Aus dem Umfeld der Familie wurde dies der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt.

Eine offizielle Bestätigung gibt es indes bislang nicht. Die Bundesregierung bestätigte lediglich den Tod einer deutschen Geisel im Gazastreifen. „Nach uns vorliegenden Erkenntnissen müssen wir den Tod einer weiteren Person mit deutscher Staatsangehörigkeit bestätigen“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Näheres zur Identität sagte er nicht. „Wir gehen weiter von einer einstelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger aus, die den Terroranschlägen der Hamas zum Opfer gefallen sind“, hieß es ergänzend aus dem Ministerium.

Shani Louk war beim Angriff der Hamas auf ein Musikfestival entführt und in den Gazastreifen verschleppt worden. In den sozialen Medien sorgte danach ein Video für Entsetzen, das mutmaßlich die schwerverletzte Frau auf der Ladefläche eines Pickups zeigte, umgeben von bewaffneten Männer.

Israel rückt weiter gegen Hamas vor

Die Bodentruppen der israelischen Armee haben bei ihrem Vorstoß im Gazastreifen nach eigenen Angaben Dutzende Terroristen getötet. Wie das israelische Militär am Montagmorgen auf Telegram mitteilte, hatte sich der Gegner in Gebäuden und Tunneln verbarrikadiert und versucht, die israelischen Soldaten anzugreifen. Ein von den Bodentruppen angeleitetes Kampfflugzeug habe ein Gebäude der islamistischen Hamas, in dem sich mehr als 20 der Terroristen aufhielten, bombardiert.

In den vergangenen Tagen seien mehr als 600 Terrorziele angegriffen worden, darunter Waffendepots, Dutzende Abschusspositionen für Panzerabwehrraketen sowie Verstecke und Stützpunkte der Hamas, teilte das israelische Militär weiter mit.

Wie der US-Fernsehsender CNN unterdessen auf Basis ausgewerteter eigener Luftaufnahmen berichtete, ist das israelische Militär inzwischen etwa drei Kilometer in den abgeriegelten Gazastreifen vorgestoßen. Der Küstenstreifen am östlichen Mittelmeer ist etwa 40 Kilometer lang und zwischen sechs und 14 Kilometer breit. Flächenmäßig ist der Gazastreifen etwas größer als München. Das abgeriegelte Küstengebiet grenzt im Norden und Osten an Israel und im Süden an Ägypten. Israel kontrolliert das angrenzende Mittelmeer im Westen.

Statt eines plötzlichen Großangriffs setzt Israels Militär offenbar eher auf eine allmähliche Ausweitung seiner Bodeneinsätze gegen die Hamas.

Während Israels Militär im Gazastreifen verstärkt vorrückt, wird die humanitäre Lage für die Menschen dort immer furchtbarer. Obwohl Israel mit Nachdruck die noch im Norden des Gazastreifens verbliebenen Zivilisten, darunter Patienten in Krankenhäusern, aufrief, sich in den Süden in Sicherheit zu begeben, halten sich etwa beim Schifa-Krankenhaus nach TV-Berichten weiterhin Tausende von Menschen auf. Nach israelischer Darstellung dient das Krankenhaus auch als Hamas-Kommandozentrum.

Antisemitische Übergriffe in Dagestan

Wegen des Gaza-Konflikts ist es in Russlands muslimisch geprägtem Nordkaukasus verstärkt zu antijüdischen Übergriffen gekommen. In Machatschkala in der Teilrepublik Dagestan drang eine Menschenmenge am Sonntagabend in den Flughafen ein, weil dort eine Maschine aus Tel Aviv gelandet war, in der angeblich Flüchtlinge aus Israel saßen.

Bei dem Vorfall seien mehr als 20 Menschen teils schwer verletzt worden, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Israel forderte die russischen Behörden zum Schutz seiner Staatsbürger auf. Die USA verurteilten die antisemitischen Vorfälle in Dagestan, so die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats auf der Plattform X.

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Chefankläger warnt Israel und Hamas

Der Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof, Karim Khan, warnte derweil Israel wie auch die Hamas vor Verstößen gegen das Völkerrecht. „Ich möchte Israel gegenüber klar betonen, dass es ohne weitere Verzögerung erkennbare Anstrengungen unternehmen muss, um sicherzustellen, dass die Zivilbevölkerung Grundnahrungsmittel erhält, Medizin, Narkosemittel“, sagte Khan in Kairo mit Blick auf die katastrophale humanitäre Lage im Gazastreifen. Und an die Adresse der in Gaza herrschenden Hamas und aller, „die dort die Kontrolle haben“: Die Hilfe müsse die Zivilbevölkerung erreichen „und nicht missbraucht oder von ihr abgezweigt“ werden, warnte der Chefankläger.

Israel will Hilfslieferungen erleichtern

Israel will derweil die Lieferung humanitärer Hilfsgüter nach Gaza nach eigenen Angaben erleichtern. Elad Goren von der zuständigen Cogat-Behörde sagte Journalisten am Sonntag, die Hilfslieferungen sollten in den kommenden Wochen „dramatisch erhöht“ werden. Die Wasserversorgung im Gazastreifen sei „nicht auf dem normalen Level“, aber ausreichend für humanitäre Bedürfnisse. Nach israelischen Erkenntnissen gebe es keinen Mangel an Lebensmitteln im Gazastreifen.

US-Präsident Joe Biden telefonierte wegen der katastrophalen Lage am Sonntag mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Gegenüber Netanjahu habe er deutlich gemacht, dass „unverzüglich“ deutlich mehr humanitäre Hilfe nach Gaza gelangen müsse, teilte die Regierungszentrale in Washington mit. Im Gespräch mit Al-Sisi hätten sich die beiden Staatsoberhäupter unter anderem dazu verpflichtet, die Hilfslieferungen nach Gaza „von heute an erheblich zu beschleunigen und kontinuierlich zu erhöhen“.

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Ein Konvoi aus 33 Lastwagen mit Hilfsgütern gelangte am Sonntag einem israelischen Medienbericht zufolge in den Gazastreifen. Seit Kriegsbeginn war es der bisher größte Tageskonvoi. Dennoch reicht dies laut Hilfsorganisationen längst nicht aus, um die mehr als 2,2 Millionen Einwohner zu versorgen. Nötig seien pro Tag 100 Lastwagen.

Zahl der Toten steigt

Terroristen der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatten am 7. Oktober in Israel ein Massaker angerichtet. Israel hat seitdem mehr als 1400 Tote zu beklagen. Mehr als 230 Menschen wurden verschleppt. Die Opferzahlen im Gazastreifen stiegen unterdessen im Zuge von Israels heftigen Gegenschlägen weiter. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden seit Kriegsbeginn vor gut drei Wochen mehr als 8000 Palästinenser getötet.

UN-Generalsekretär António Guterres rief unterdessen erneut zu einem sofortigen „humanitären Waffenstillstand“ und der Freilassung der über 230 Geiseln auf. Im Gazastreifen spiele sich „vor unseren Augen eine humanitäre Katastrophe“ ab, so Guterres auf der Plattform X. Am Wochenende plünderten Menschen in Gaza UN-Lebensmittellager. „Dies ist ein besorgniserregendes Zeichen, dass die zivile Ordnung nach drei Wochen Krieg und einer festen Belagerung Gazas langsam zusammenbricht“, erklärte Thomas White, UNRWA-Leiter im Gazastreifen.

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Noch immer Zehntausende Zivilisten im Norden Gazas

Derweil stoßen immer mehr israelische Bodentruppen mit Kampfpanzern im Verbund mit Kampflugzeugen im Gazastreifen gegen die Hamas vor. Erklärtes Ziel ist die Zerschlagung der islamistischen Organisation. Israel ruft die Zivilbevölkerung in der Stadt Gaza und im Norden seit Wochen auf, sich zur eigenen Sicherheit in den Süden des Küstenstreifens zu begeben. Aber auch dort kommt es zu Luftangriffen. Israelische Medien berichteten, die Hamas habe rund 30.000 Menschen allein im Umkreis des Schifa-Krankenhauses in Gaza konzentriert, damit diese als „menschliche Schutzschilde“ dienen. Dies solle Israel daran hindern, ihre unterirdische Kommandozentrale anzugreifen.

Kämpfe auch an Israels Nordgrenzen

Derweil beschoss Israels Armee nach eigenen Angaben als Reaktion auf Raketenangriffe erneut Ziele auch im benachbarten Syrien. Ein Kampfflugzeug habe „militärische Infrastruktur“ auf syrischem Boden getroffen, teilte Israels Militär in der Nacht mit. Die Lage an den nördlichen Außengrenzen Israels ist seit dem Massaker der Hamas und den darauffolgenden Gegenangriffen Israels höchst angespannt. So wurden am Sonntag auch aus dem Libanon mehrere Raketen nach Angaben der israelischen Armee auf Israel abgefeuert. Als Reaktion seien Ziele der libanesischen Hisbollah angegriffen worden.

Was am Montag wichtig wird

Israel hat eine neue Phase seines Militäreinsatzes im Gazastreifen eingeleitet, der Beschuss mit Raketen geht derweil aus dem Gazastreifen weiter. Unterdessen laufen Bemühungen um die Freilassung der in den Gazastreifen Verschleppten.

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dpa, rtr
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