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Bis 2020 Milliardenspritze für deutsche Hochschulen

Mit einer Finanzspritze in Milliardenhöhe will der Bund die Studienbedingungen an deutschen Hochschulen verbessern. Das meiste Geld bekommt die Uni Münster - weil sie sich für ihre Studenten einiges hat einfallen lassen.

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Studenten während einer Vorlesung. Mit der Milliardenspritze sollen auch die überfüllten Hörsäle weniger werden. Quelle: handelsblatt.com

Überfüllte Hörsäle in Unis, Massenvorlesungen nach Schema F und langes Warten auf Beratungstermine - all das soll ein Ende haben. Der Bund gibt den Hochschulen bis 2020 rund zwei Milliarden Euro, um die Studienbedingungen und die Lehre zu verbessern. Am meisten Geld fließt an die Universität Münster. Die westfälische Hochschule hat sich einiges einfallen lassen, um an die Millionen aus Berlin zu kommen. Ab dem Wintersemester sollen die Studenten davon profitieren.    

111 Hochschulen in Deutschland bekommen Zuschüsse aus dem Programm. Die Uni Münster ist mit 30 Millionen Euro Spitzenreiter. Bis 2016 kann die Hochschule damit zusätzliche Professoren bezahlen, deren Weiterbildung verbessern und Extra-Angebote für die Studenten auf die Beine stellen. Anschließend besteht die Chance auf eine Anschlussförderung bis 2020.

Die Herrin über die Bundes-Milliarden - Bildungsministerin Annette Schavan - ist eigens angereist, um sich in Münster anzuschauen, was dort mit ihrem Geld passiert. Die CDU-Politikerin hat in einem prunkvollen Saal im Münsteraner Schloss Platz genommen, dem Hauptsitz der Hochschule. Dort präsentieren Uni-Mitarbeiter ihre Pläne. Allein 23 Millionen Euro will die Hochschule in zusätzliche Stellen stecken - für Professoren, aber auch wissenschaftliche Mitarbeiter, Tutoren und Personal für die Betreuung und Beratung von Studenten.   

Im Schnitt kommen in Münster 28 Hochschüler auf einen Dozenten. In einigen Fächern, etwa in den Naturwissenschaften, sind es mit elf jungen Leuten pro Dozent deutlich weniger. In anderen Fächern - in Wirtschaftswissenschaften oder Jura - sind die Seminare aber proppenvoll. Dort kommen bis zu 60 Studenten auf einen Dozenten. Das will die Uni ändern. Kleinere Seminare, bessere Betreuung, weniger Studienabbrecher sind das Ziel.    

Mit weiteren Millionen will die Hochschule ein Zentrum für Weiterbildung aufbauen. Ab Oktober sollen die Dozenten dort in Kursen und Workshops lernen, wie sie ihre eigenen Seminare interessanter und besser machen. Wer besondere Ideen für ein Lehrprojekt hat und dafür Geld braucht, kann bei dem Zentrum einen Zuschuss beantragen. Bei einer anderen Uni-Einrichtung sollen die Studenten Hilfe bekommen: Unterstützung bei der Planung von Praktika oder Abschlussarbeiten mit Praxisbezug.    

Wachsender Ansturm auf Studienplätze

Schavan ist zufrieden. „Das überzeugt mich sehr, ein tolles Konzept“, sagt die Ministerin nach der Präsentation. Dass die Neuerungen nach ein paar Jahren wieder verschwinden, wenn die Förderung ausläuft, befürchtet sie nicht. „Was einmal zehn Jahre läuft, ist nicht mehr zurückzudrehen“, sagt sie. „Das wird die Universität und die Universitätslandschaft verändern.“

Die Studenten wagen noch nicht ganz so viel Euphorie. Vom Prinzip her klinge das alles ganz gut, sagt der oberste Studentenvertreter in Münster, der Asta-Vorsitzende Sebastian Phillipper. Dass endlich mehr Geld in die Lehre investiert werde und nicht immer nur in die Forschung, sei eine gute Sache. „Aber was geplant wird und was am Ende rauskommt, geht oft auseinander.“ Er will erst mal abwarten.    

Vor dem Saal haben Studenten ein paar Plakate aufgestellt. „Elite-Uni - Akademiker unter sich“ steht darauf und daneben ein Bild der lächelnden Bildungsministerin. Schavan nimmt den stillen Protest gelassen, steuert direkt auf die Studenten zu und lässt sich von ihnen vor den Plakaten fotografieren.    

Die Milliarden für bessere Studienbedingungen können die Unis nur allzu gut gebrauchen. Der Ansturm auf die Hochschulen wächst. Die Hörsäle werden dadurch voller, und die Betreuung leidet. Schon jetzt hat die Zahl der Studienanfänger ein Rekordhoch erreicht. Die doppelten Abiturjahrgänge und das Aus für die Wehrpflicht spülen zusätzliche Massen an die Hochschulen.    

 

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