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Ecolog Latrinen putzen

Gefahrenzulagen? Zahlt Ecolog nicht. Gefahr ist Alltag für den Dienstleister westlicher Truppen im Auslandseinsatz. Schon zweimal gab es Tote.

Als wäre nichts gewesen. Auf seiner Homepage verspricht das Düsseldorfer Unternehmen Ecolog wie gewohnt „we care for your needs“. Das Bild eines Bundeswehroffiziers deutet an, dass damit die Bedürfnisse des Militärs gemeint sind. Unter dem Karriere-Link werden Mitarbeiter gesucht, die „uneingeschränkte Reisebereitschaft“ mitbringen sollen. Auf www.ecolog-ag.com ist die Katastrophe nicht angekommen. Dabei starben gerade vier Ecolog-Mitarbeiter in Afghanistan. Radikal-islamische Taliban-Kämpfer hatten sie am 11. März verschleppt und getötet. Anfang vergangener Woche wurden die Männer beerdigt. Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz kennen Ecolog gut. In 24 afghanischen Camps etwa in Kundus und Mazar-e-Sharif, wo 2500 Deutsche die multinationalen ISAF-Einheiten unterstützen, fungieren die Ecolog-Leute als Helfer in vielen Lebenslagen. „Mit dem Pumpwagen“, berichtet ein Soldat, „fahren sie im Lager umher“ und saugen jeden Tag die Behälter der von Ecolog dutzendfach aufgestellten mobilen Toilettenhäuschen ab. Sie nehmen die Wäschesäcke der Soldaten entgegen und geben sie nach der Reinigung wieder aus. 1500 Mitarbeiter hat Ecolog unter Vertrag. 1200 davon arbeiten derzeit in Afghanistan, die anderen im Irak, im Sudan, auf dem Balkan. Während Berlin darüber diskutiert, ob deutsche Soldaten für die UN in den Kongo gehen sollen, bewirbt sich Ecolog schon um Aufträge für die Versorgung der Truppen in dem Bürgerkriegsland. Nur rund 100 Ecolog-Mitarbeiter sind Deutsche. 90 Prozent sind Mazedonier, viele davon aus der Gegend von Tetovo. Wie die Familie des Alleinaktionärs von Ecolog. Der heißt Nazif Destani, hat einen deutschen Pass. Und ist gerade mal 27 Jahre alt. Der Name des jungen Firmenchefs taucht aber weder in der Ecolog-Firmenbroschüre noch in ihrer offiziellen Historie auf. Thomas Wachowitz, 42, geschäftsführender Ecolog-Vorstand, erklärt die Diskretion mit dem zurückhaltenden Wesen des muslimischen Jungunternehmers. Destanis Vater transportierte jugoslawische Gastarbeiter von und nach Deutschland – bis mit Ausbruch des Bosnien-Kriegs das Geschäft zusammenbrach. Sein im Rheinland aufgewachsener Sohn Nazif war 19, als ihm 1998 in Pristina im Kosovo ein deutscher Offizier ein Problem schilderte: jemanden zu finden, der die Wäsche der Soldaten wäscht. Destani junior besorgte Waschmaschinen – und nimmt seitdem den Militärs die Drecksarbeit ab. Unter deutscher Flagge firmiert Ecolog, weil Destani so eher an Aufträge kommt. 2005 zog das Unternehmen nach Düsseldorf um. Konkurrenten gibt es wenige. Größter Kantinenbetreiber in Kasernen ist Supreme Foodservice aus der Schweiz. Bei Toiletten- und Wäscheservice gilt Ecolog als Marktführer mit 131 Millionen Euro Umsatz 2005, 55 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Arbeit der professionellen Latrinenputzer stellt die Kunden offenbar zufrieden. Als etwa die Pumpenanlage des Hauptbrunnens im Camp Warehouse in Kabul ausfiel, lobt Brigadegeneral Hans-Christoph Ammon, früherer Kommandeur des deutschen ISAF-Einsatzkommandos in Afghanistan, habe Ecolog als Ersatz „eine Vielzahl von Toiletten kurzfristig bereitgestellt“ und verdiene dafür „eine glatte Eins“. 20.000 Mazedonier stünden auf der Warteliste bei Ecolog, sagt Wachowitz. Denn die Bezahlung von 1000 bis 1500 Euro sei drei- bis viermal so hoch wie die Monatseinkommen leitender Angestellter in Mazedonien. Dafür arbeiten die meisten drei Monate am Stück und machen dann zwei Wochen Heimaturlaub. Im Irak kommen sie nicht aus den US-Kasernen, weil das Risiko draußen viel zu groß wäre. Sie teilen sich zu viert einen 14-Quadratmeter-Container. Ein weiterer Container dient als Aufenthaltsraum. Gefahrenzulagen? Zahlt Ecolog nicht. Jeder Einsatz ist gefährlich. Das Ecolog-Team, das den Tod fand, fuhr von Kabul ins 600 Kilometer entfernte Kandahar, um einen britischen Auftrag zu planen. Vier bewaffnete Afghanen in ihrer Begleitung konnten die Entführung auf dem Rückweg nicht verhindern. Einer der Toten war ein Onkel von Nazif Destani, erzählt Wachowitz. Ein anderer, Mitte 20, habe gerade geheiratet, seine Frau erwarte ein Kind. Destani kümmere sich nun in Tetovo um die Familien. Es war ein Drama mit Ankündigung. Im Februar waren im Irak zwei Ecolog-Leute gekidnappt und nach Zahlung eines Lösegelds freigelassen worden. Im Januar 2004 erschossen dort Aufständische vier Frauen, die für einen Subunternehmer von Ecolog die Wäsche von US-Soldaten reinigten. Nun wird überlegt, wie der Schutz der Mitarbeiter zu verbessern sei. Etwa durch mehr Flüge statt Autofahrten. Oder, so Wachowitz, „indem wir uns aus zu riskanten Gebieten zurückziehen“.

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