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Solarförderung Umweltminister Röttgen will der Solarbranche an den Kragen

Dass dieser Tag kommt, war klar. Nur hat die Solarbranche gehofft, dass er nicht so bald kommt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen will der "klaren Überförderung" der Solarbranche ein Ende setzen. Das heißt, er will an die Melkkuh der Solarbranche ran – das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Ein Techniker begutachtet auf Quelle: dpa/dpaweb

Fotovoltaikanlagen sind in Deutschland ein sehr profitables Geschäft.

Für die Handwerker, die die Anlagen aufs Dach schrauben und für die Hersteller – auch wenn sie im letzen halben Jahr Federn lassen mussten.

Sehr lukrativ sind die Sonnenanlagen auch für Privatleute: Wer sich dieses Jahr eine Solaranlage zulegt, bekommt für die nächsten 20 Jahre für jedes produzierte Kilowatt Sonnenstrom 43 Cent.

Das ist im EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)so festgelegt.

Zum Vergleich: Strom kostete im Herbst an der Leipziger Strombörse gerade mal fünf Cent. Die Differenz brummen die Energieversorger ihren Endkunden auf.

Die Solarfachzeitschrift Photon geht davon aus, dass dieses Jahr mindestens 3000 Megawatt Leistung neu installiert wurden.

Wenn das stimmt, müssen die Verbraucher nach Schätzungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für diese Anlagen in den nächsten 20 Jahren 17 Milliarden Euro aufbringen. Für die Anlagen, die zwischen 2000 und 2008 installiert wurden, kommen noch 31 Milliarden dazu.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz soll den Klimaschutz fördern, nicht die deutsche Wirtschaft

Jetzt ist ein Ende der Party absehbar.

Und das ist gut so. Denn man sollte sich überlegen, welchen Zweck das EEG erfüllen soll.

Und es geht ganz sicher nicht darum, die deutsche Wirtschaft, das deutsche Handwerk und die Privatanleger zu begünstigen. Es geht um eine klimaverträgliche Energieversorgung in der Zukunft. Es geht darum, den wachsenden Energiehunger der Welt zu stillen, ohne noch mehr CO2 in die Luft zu pusten.

Und dafür ist es egal, ob einige deutsche Unternehmen pleite gehen oder fusionieren müssen. Denn andere werden sich dem Druck beugen und endlich ihre Anlagen modernisieren. Sie werden effizientere Solarzellen entwickeln, die noch mehr Sonnenlicht in Strom umwandeln. Das bringt dem Klima mehr als eine üppige Förderung. Und die Unternehmen werden endlich den Preisverfall bei den Solarmodulen an die Endverbraucher weitergeben. Denn von dem fast 40-prozentigen Preissturz des vergangenen Jahres ist bei dem Kunden bis jetzt wenig angekommen.

Was sich ändern soll, ist noch nicht klar. Eine radikale Absenkung der Vergütung ist denkbar oder auch eine Deckelung der jährlichen Fördersumme. Eine Solaranlage auf dem eigenen Dach kann trotzdem noch profitabel bleiben.

Und selbst wenn sich das Interesse der deutschen Verbraucher am Sonnenstrom abkühlt - dem Klima ist es egal, in welchem Land die Anlagen stehen. Röttgens Vorstoß wird den Teilnehmern der Klimakonferenz in Kopenhagen jedenfalls klar machen, dass es Deutschland wirklich um den Klimaschutz geht. Und nicht um das Prinzip „Hauptsache fördern“.

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