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Studie Jungen Arbeitnehmern droht Altersarmut

Die Jungen sollten die Hauptprofiteure der Reform sein. Darin waren sich die Experten einig, als vor zehn Jahren eine umfassende Förderung der ergänzenden Altersvorsorge eingeführt wurde, um die schrittweise Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus auszugleichen. Doch viele Berufseinsteiger schließen die Versorgungslücke nicht.

Für das Alter zusätzlich vorzusorgen, ist vor allem ein Thema für die materiell gut aufgestellten Jugendlichen. Quelle: dpa

BERLIN. Berufsanfänger hätten ein ganzes Erwerbsleben, um mit Riesterrente und Gehaltsumwandlung die bis 2030 drohende rund 20-prozentige Versorgungslücke bei der gesetzlichen Rente zu schließen, sagte der ehemalige Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, damals.

Nun sorgt eine im Auftrag des Versorgungswerks Metall-Rente erstellte Studie des Jugendforschers Klaus Hurrelmann für Ernüchterung: Zwar ergab die Befragung von 2 500 repräsentativ ausgewählten 17- bis 27-Jährigen, dass die Jugendlichen zur Zusatzvorsorge bereit sind. Doch sie wissen zu wenig darüber, wie das geht. So haben nur zwölf Prozent schon einmal von der Möglichkeit gehört, einen Teil ihres Bruttogehalts steuer- und sozialabgabenfrei in eine betriebliche Altersversorgung einzuzahlen.

Die Folgen sind schon jetzt absehbar: Nur zehn Prozent der Haushalte, in denen 15- bis 29-Jährige leben, haben nach Untersuchungen des Mannheim Research Institute for the Economics of Age Betriebsrentenansprüche. Unter den Arbeitnehmern mit Betriebsrente sind nur 6,8 Prozent unter 25, während die Gruppe der 55- bis 65-Jährigen mit 13,2 Prozent vertreten ist, obwohl ihre Versorgungslücke klein ist.

"Und die, die vorsorgen, sparen zu wenig", sagt der Geschäftsführer von Metall-Rente, Heribert Karch. Während fast zwei Fünftel der Älteren mehr als 1 200 Euro im Jahr einzahlen sind es bei den Jungen nur 18 Prozent. Weniger als ein Zehntel lassen ihre Einzahlungen mit dem Einkommen wachsen. Die 13 Millionen Riesterpolicen ändern nach Einschätzung Karchs nichts am negativen Befund. Denn daraus resultierende Rentenansprüche seien zu gering, um die Rentenlücke zu schließen. "Hier wird eine Vorsorgeillusion aufgebaut, die zerplatzen wird wie eine Seifenblase", warnt Karch.

Für das Alter zusätzlich vorzusorgen, ist zudem vor allem ein Thema für die Hälfte der materiell gut aufgestellten Jugendlichen. Dagegen sinken die Sparquoten bei den mittelmäßig bis schlecht verdienenden sogar mit zunehmendem Alter. Viele von ihnen hätten bereits resigniert, konstatiert Hurrelmann.

Eine bessere Informationspolitik ist aus seiner Sicht ein notwendiger Schritt, Jugendliche zu mehr Vorsorge zu ermuntern. "Wir brauchen endlich ein Schulfach Wirtschaft, um sie möglichst früh mit dem komplizierten System der Finanzanlage vertraut zu machen." Karch will einen Schritt weiter gehen. Er fordert von der Politik, den Regelungsdschungel bei der Förderung der betrieblichen Altersvorsorge zu lichten. "Die unterschiedlichen Förderkriterien sind so kompliziert, dass jüngst sogar Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt Verständnis dafür zeigte, dass viele Unternehmen darauf verzichten, ihren Beschäftigten den Aufbau einer Betriebsrente anzubieten."

Das Beispiel USA könne helfen. Dort habe es die Regierung vor zwei Jahren zur gesetzlichen Regel gemacht, dass Unternehmen ihren Beschäftigten eine Versorgungszusage machen müssen, wenn sie oder die zur Beitragszahlung verpflichteten Arbeitnehmer sich nicht ausdrücklich dagegen entscheiden. In der Folge stieg der Anteil Beschäftigter mit Betriebsrentenanspruch in den beteiligten Unternehmen auf 80 bis 90 Prozent. Vorher lag er nur bei 37 Prozent.

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