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Blick hinter die Zahlen #61 – Blumen- und Gartenmarkt Der Blumenboom: Wie der Gartenmarkt von Corona profitiert

Weil die Deutschen 2020 nicht in ferne Ländern reisen konnten, holten sie sich die Natur nach Hause. Davon profitierte der Blumen- und Gartenmarkt mit Rekordumsätzen.

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Balkonien statt Malediven, Geranien statt Palmen und Sandstrand – den fehlenden Urlaub in Pandemiezeiten haben viele Deutsche mit der Begrünung ihres Heimes zu kompensieren versucht. Dementsprechend florierte der Markt für Gartengeräte, Blumen und Heimwerkerbedarf im Pandemiejahr 2020 überdurchschnittlich stark.

Der Handel mit Blumen und Pflanzen konnte 2020 einen Rekordumsatz von 9,4 Milliarden Euro verbuchen, fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die beliebtesten Schnittblumen sind dabei die klassischen Rosen, vor Tulpen, Chrysanthemen und Sonnenblumen.

Auch bei den Bäumen gibt es klare Favoriten, wie eine neue Umfrage der Kettensägenfirma Stihl zeigt. Die Liste der beliebtesten Obstbäume führt darin der Apfelbaum klar vor dem Kirschbaum an, als beliebtester Laubbaum gewinnt der Ahorn vor der Birke.

Umsätze im Handel mit Blumen und Pflanzen

Doch nicht nur Blumen und Bäume waren 2020 gefragt. Wenn schweres Gerät benötigt wurde, um Heim oder Garten zu verschönern, griffen offenbar viele zur durchschlagskräftigem Werkzeug, wie neue Zahlen der Kettensägenfirma Stihl zeigen. Sie konnte 2020 ihren Umsatz um 16,5 Prozent steigern.

Jahresumsatz der Kettensägenfirma Stihl

Seit März 2020 können Kunden bei Stihl ihre Kettensägen und andere Produkte auch über den unternehmenseigenen Online-Shop bestellen. Damit geht der Hersteller aus dem baden-württembergischen Waiblingen mit dem coronabedingten Trend. Neben Kettensägen scheinen die Deutschen während der Pandemie auch Blumen und andere Gartenprodukte vermehrt online zu bestellen. Der Internethandel legte um 31 Prozent zu und kommt mittlerweile auf einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Außer Shoppingmöglichkeiten bietet das Internet Gartenfreunden aber auch viele Tipps, wie sie ihre Buchsbäume, Rasenflächen und Sommerlauben verschönern können. Wenn der Frühling kommt, steigt alljährlich das Bedürfnis nach Ratschlägen und Informationen rund um ein schönes, privates Draußen sprunghaft an, wie Zahlen der Suchmaschine Google nahelegen.

Googlesuche nach dem Stichwort Garten

Während im Wintermonat Dezember nur sehr wenige nach dem Wort „Garten“ suchen, ist er im April alljährlich ein populärer Suchbegriff. Besonders im letzten Jahr schien sich der pandemiebedingt gestiegene Bedarf nach hauseigener Natur im online Suchverhalten widerzuspiegeln – im April 2020 googelten doppelt so viele Menschen in Deutschland das Wort „Garten“ wie im selben Monat 2017.

Die gewonnenen Erkenntnisse für den grünen Daumen tragen die Menschen dann im Mai in die Gartenmärkte – er ist für die Gilde traditionell der umsatzstärkste Monat des Jahres. 2020 konnte er seinen Vorsprung gegenüber den anderen Monaten noch steigern.

Mehrumsatz im Mai im Vergleich zum Jahresdurchschnitt

Das lag auch an den angeordneten Schließungen. Während einige Bundesländer auch im März 2020, dem ersten Pandemiemonat, die Bau- und Gartenmärkte offenließen, durften die Kunden in den übrigen Ländern wie Bayern, Sachsen oder Schleswig-Holstein erst Ende April wieder zurück in die Märkte.

Die neue bundeseinheitliche Fassung des Infektionsschutzgesetzes, die sogenannte „Notbremse“, legt jetzt fest, dass Blumenfachgeschäfte und Gartenmärkte als Ausnahmen gelten und somit auch bei einer hohen Inzidenz weiter öffnen dürfen. Baumärkte hingegen müssen ab einen Inzidenzwert von 150 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern schließen. Unter diesem Wert ist Einkaufen nur mit Termin und einem negativen Coronatest möglich.

Ob die Gartenmärkte 2021 ihren Umsatz noch weiter werden steigern können, ist fraglich. Auf einer Veranstaltung des Industrieverbands Garten (IVG) äußerte sich etwa Branchenanalyst Klaus Peter Teipel eher skeptisch: „Angesichts des erreichten Umfangs ist für den Gartenmarkt 2021 nicht von weiteren Zuwächsen auszugehen“.

Die Rubrik „Blick hinter die Zahlen“ entsteht mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Für die Inhalte der Beiträge ist ausschließlich die WirtschaftsWoche verantwortlich.

Logo des Statistischen Bundesamtes (Destatis)

Mehr zum Thema: Familienbesuche, Hobby, Urlaub – vieles war und ist wegen der Pandemie nicht möglich. Baumärkte haben davon bereits im Frühjahr profitiert, auch im Onlinehandel. Jetzt wollen sie den Boom aufrechterhalten. So sollten sich Baumärkte für den Kampf gegen Amazon rüsten

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