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Local Lounges Unterkunftsvermittler Airbnb erweitert Konzept

Der Unterkunftsvermittler Airbnb hat nun neben der Vermietung von Wohnungen zwischen Privatpersonen auch “Local Lounges” im Programm – ausgewählte Cafés, in denen Ortsunkundige sich orientieren und speziellen Airbnb-Service erhalten können. Diese Idee hat viel Potenzial.

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Der Privatunterkunftsvermittler Airbnb hilft Reisenden, sich in fremden Städten schnell zurecht zu finden Quelle: Presse

Vor einem Jahr erläuterten wir, wie die Grenze zwischen Online und Offline schrittweise verschwimmt. Immer mehr Services, Geräte und Produkte positionieren sich an der Schnittstelle zwischen digital und analog. Die so entstehende Verzahnung der digitalen Welt mit den täglichen Abläufen unseres Lebens gehört zu den großen Trends der nächsten Jahre.

Eine der Webfirmen, welche sich als besondere Triebkraft dieser Entwicklung erweist, ist der kalifornische Privatunterkunftsvermittler Airbnb. Die Plattform nutzt die Möglichkeiten des Digitalen, um Menschen auf Reisen dabei zu helfen, erschwingliche Wohnungen in fremden Städten zu finden – und dabei im besten Fall gleich noch nette Leute kennenzulernen, die ihnen vielleicht sogar die Gegend zeigen und sie in den angesagtesten Club mitnehmen. Klar, die Bettencommunity Couchsurfing ist der eigentliche Pionier in diesem Segment, aber in jüngster Zeit setzt das mit 120 Millionen Dollar Venturecapital ausgestattete Airbnb die entscheidenden Akzente – und bleibt dabei seiner Linie treue, die soziale Komponente in seinem Treiben konsequent weiterzudenken.

Die besten Apps für unterwegs
TAXOMETER errechnet den Fahrpreis, noch bevor Reisende ihr Taxi bestellen. So können Eilige besser entscheiden, ob ihnen die Fahrt das Geld wert ist. Wenn ja, lässt sich it er App per Taxiruf ein Fahrzeug bestellen. Für iOs Quelle: dpa
FLINC ist eine mobile Mitfahrzentrale. Autofahrer können ihre Reiseziele eingeben. Wer eine Mitfahrgelegenheit dorthin sucht, bekommt das auf dem Handy angezeigt. Bestätigt er, wird der Fahrer per Navi zu ihm geleitet. Für iOs, PC Quelle: AP
TRAPSTER zeigt Radarfallen und Ampelblitzer an und warnt Autofahrer, die sich ihnen nähern. Nutzer können zudem Blitzer und Laserfallen melden und so andere Verkehrsteilnehmer warnen. Für Android, Blackberry, webOS, Windows Phone Quelle: dpa
DB-NAVIGATOR ist die App der Deutschen Bahn, mit der Reisende Verbindungen suchen und Tickets buchen können. Zudem sehen sie, wo sich ihr Zug befindet und ob er Verspätung hat. Für Android, iOs, Symbian, webOS, Windows Phone Quelle: dapd
AIR BERLIN bietet eine App, mit der Passagiere Flüge buchen, einchecken und das Flugzeug boarden können. Zudem lassen sich gebuchte Flüge sowie das Meilenkonto einsehen. Vielflieger bekommen mit dem App Zugang zur Lounge. Für iOS Quelle: dpa
LUFTHANSA ähnelt mit ihrem App-Angebot dem von Air Berlin. Allerdings bietet die Software auch noch Informationen zu wichtigen Zielen - und sie läuft auf mehr Handyplattformen. Für Android, Blackberry, iOs, Symbian Quelle: dapd
MBRACE des Autoherstellers Daimler bietet einen Ausblick auf die Vernetzung von Auto und mobilem Internet. Die US-App erlaubt es Nutzern, ihren Mercedes per Handy zu ver- oder entriegeln und mit dem Navi zu interagieren. Für Blackberry, iOS Quelle: AP

Zwei Neuerungen

In der Nacht gab das Unternehmen, das mit 9flats, Wimdu und Housetrip diverse Nachahmer aus D-A-CH hervorgebracht hat, zwei Neuerungen bekannt. In den meisten Berichten dazu in der englischsprachigen Tech-Presse erhält das “Nachbarschafts”-Feature besonderen Raum. In einer Reihe von internationalen Metropolen können nach einer Unterkunft Suchende nun verschiedene Kriterien rund um die gewünschte Nachbarschaft angeben, um am Ende nicht nur eine sympathische Bleibe zu finden, sondern sich auch in der jeweiligen Gegend wohl zu fühlen (Beispiel Berlin). Das ist nützlich, aber nichts, was das Konzept von Airbnb nennenswert erweitert.

Ein zweites Angebot, das zum Start nur in San Francisco lanciert wird, kann da mittelfristig, sofern weiter forciert, eine ganz andere Tragweite entwickeln: Local Lounges. Dabei handelt es sich um von Airbnb anhand diverser Kriterien ausgewählte Cafés, die Airbnb-Nutzern ein gelungenes Willkommen in der Nachbarschaft bereiten sollen. Ganz wichtig dabei: Partizipierende Gastronomiebetriebe müssen kostenfreies WLAN anbieten. Zu erkennen sind Local Lounges an einem entsprechende Aufkleber an der Tür, außerdem werden sie auf der Airbnb-Website vorgestellt.

Wer sich gegenüber den Angestellten als Airbnb-Nutzer zu erkennen gibt, erhält eine persönliche Begrüßung sowie einen kostenfreien Print-Travel-Guide, der von Airbnb-Anwendern zusammengestellte Empfehlungen und Tipps zur jeweiligen Stadt enthält.

Für Abenteuerlustige und Kurzentschlossene

Wohnen im Weinfass, Schlafen im Stall
Im ehemaligen Untersuchungsgefängnis in Kassel können Gäste ihre Nächte verbringen. Draußen auf den Mauern windet sich Stacheldraht, drinnen reiht sich auf den mit Linoleum ausgelegten Gängen eine Zelle an die nächste: eng, mit brüchigen Fliesenböden und Neonröhrenbeleuchtung. Duschen gibt es nur auf dem Flur. „Die Leute nehmen das super gut an", sagt Betreiber Gotthard Fels. „Und über 90 Prozent sagen hinterher: Das war eine tolle Erfahrung." Quelle: dpa
Das 2009 geschlossene Gefängnis bietet anlässlich der Kunstschau Documenta zunächst nur bis zum 16. September Schlafplätze. Was danach mit dem Gebäude geschieht, ist noch nicht geklärt. Quelle: dpa
Auf Natur kommt es den Gästen des Indoor-Campingplatzes in Berlin-Neukölln gerade nicht an. Der „Hüttenpalast" ist in die rustikalen Gemäuer einer ehemaligen Möbelfabrik gebaut. Jeweils drei individuell gestaltete Wohnwagen und -hütten stehen in dem lichtdurchfluteten Raum im Halbkreis beieinander. Die Einrichtung wurde im Mai 2011 eröffnet.Auf dem Gelände solle vor allem das Gefühl von Geborgenheit und Zusammenhalt, wie es dies auch auf anderen Campingplätzen gibt, vermittelt werden, sagte Gründerin und Inhaberin Sabine Lorenzen. Zurzeit ist der „Hüttenpalast" an allen Wochenenden bis Oktober ausgebucht. Eine Nacht im Wohnwagen kostet 65 Euro für zwei Personen. Quelle: Presse
In den Zellen des alten Amtsgerichts im nordrhein-westfälischen Petershagen übernachten pro Saison bis zu 700 Gäste (Archivfoto). Stilecht wird dort in metallenen Doppelstockbetten geschlafen und wer will, kann sich sogar einen gestreiften Sträflingsanzug leihen. Die Nacht kostet 25 Euro pro Person. Quelle: dpa
Auch in Brandenburg können Gäste an ungewöhnliche Orten schlafen. So verbringen Touristen in einem ehemaligen Hafengelände nahe Groß Neuendorf ihre Nächte in umgebauten Eisenbahnwaggons. Quelle: dpa
In Brandenburg sind auch schwimmende Ferienhäuser auf der Havel oder in der künstlichen Seenlandschaft der Lausitz gefragt. Quelle: Presse
Doch es gibt noch einfachere Schlafstellen: Wer schon immer mal in einem Kanalisationsrohr träumen wollte, kann dies in Bottrop erleben. Das Parkhotel bietet seit 2011 Schlafplätze in fünf Rohren, die auf dem ehemaligen Gelände einer Kläranlage aufgestellt sind. „Anfänglich hatten wir gedacht, dass vor allem Radfahrer kommen würden, die eine günstige Übernachtungsmöglichkeit suchen", sagt Gregor Evers, der für das Hotel der Arbeitsförderungsgesellschaft Gafög zuständig ist. Doch es habe sich herausgestellt, dass der Kreis der Interessenten viel größer sei. Quelle: dpa

Die Idee der Local Lounges ist so simpel wie reizvoll: Indem es Touristen, die erstmals in einer Stadt sind und sich überhaupt nicht auskennen, eine Art erste Anlaufstelle bietet, in der sie sich stärken, im Netz surfen und eventuell direkt eine Airbnb-Wohnung buchen können, erhöht das Wohnungsportal die Wahrscheinlichkeit spontaner Mieten und animiert gleichzeitig Abenteuerlustige und Kurzentschlossene dazu, auf gut Glück neue Umgebungen zu erkunden.

Verkehrs-Apps

Abseits festgetretener Touristenpfade

Sicherlich kann man auch einfach an der nächsten Touristeninformation halt machen, die Bedienung im Starbucks fragen oder an der Rezeption eines beliebigen Hotels versuchen, die benötigten Details in Erfahrung zu bringen. Eine wirkliche Erfolgsgarantie gibt es dafür aber nicht – besonders dann nicht, wenn man auf der Suche nach urbanen Erlebnissen abseits eingetretener Touripfade ist. Sofern das Personal der Local Lounges tatsächlich in der Lage ist, kompetent und maßgeschneidert für die typische Airbnb-Crowd weiterzuhelfen, dann könnten sich die beteiligten Cafés zu den inoffiziellen “Lobbys” der Airbnb-Wohnungen in einer Nachbarschaft oder Stadt mausern – und vielleicht auch zum Treffpunkt von generellen Anhängern des Airbnb-Konzepts, die einfach gerne in Kontakt mit anderen Sympathisanten des kollaborativen Konsumtrends kommen.

Digitale Welt



Was für die Cafés dabei rausspringt, ist offensichtlich: viele neue Kunden und Publicity. Inwieweit Airbnb sich auch noch anderweitig erkenntlich zeigt, ist unklar. Eine Provision für vor Ort vermittelte Unterkünfte wäre durchaus logisch.

Airbnb hat bereits angekündigt, die Idee der Cafés als informelle Außenstellen der Plattform nach der momentanen Pilotphase in allen wichtigen Märkten einzuführen. Welche Auswirkungen dies auf die Buchungen haben wird, ist derzeit zwar noch nicht absehbar. Die Airbnb-Community aber kann auf diese Weise nur dazugewinnen. Und Menschen, die in einer ihnen unbekannten Stadt eintreffen, werden künftig vielleicht als aller erstes eine der Local Lounges besuchen.

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