30 bis 2030 | Alicia von Schenk: Laborexperimente mit Künstlicher Intelligenz
Alicia von Schenk
Foto: PRWie soll ein durch künstliche Intelligenz (KI) gesteuertes, selbst fahrendes Auto reagieren, wenn plötzlich ein Kind auf die Straße läuft und der Versuch, diesem auszuweichen unweigerlich zum Zusammenstoß mit einem älteren Fußgänger führt? Es sind moralische Dilemmata wie dieses, über die sich Alicia von Schenk den Kopf zerbricht.
Die 28-jährige Juniorprofessorin für Angewandte Mikroökonomik an der Universität Würzburg forscht über Themen, die als zukunftsentscheidend gelten: Wie verändern KI und Big Data die Gesellschaft? Gefährden die neuen Technologien den sozialen Zusammenhalt oder fördern sie die menschliche Kooperation? Zerstören sie Jobs oder schaffen sie neue?
Um Antworten auf diese Fragen zu geben, muss man Ökonomik und Mathematik gleichermaßen beherrschen. Bei Alicia von Schenk ist dies der Fall. Die geborene Heidelbergerin hat eine Bilderbuchkarriere à la Wunderkind hinter sich. Mit vier Jahren eingeschult, mit 15 Abitur (Note 1,0), mit 16 Aufnahme des Studiums der Mathematik, später parallel dazu Studium der Wirtschaftswissenschaften. Master in beiden Fächern, anschließend Promotion in quantitativer Ökonomik über das Thema: Ökonomik der Organisation und die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz.
Schließlich mit 26, einem Alter, in dem andere noch studieren, Berufung zur Juniorprofessorin auf den Lehrstuhl für Mikroökonomik, insbesondere Mensch-Maschine-Interaktionen, in Würzburg.
Forschen und Gründen
Mikroökonomik, das ist der Teil der Wirtschaftswissenschaften, der sich mit dem Verhalten einzelner Individuen beschäftigt. Dieses wird meist in mathematische Formeln und Gleichungen gegossen. Das perfekte Sujet also für einen mathematisch begabten Menschen wie Alicia von Schenk.
Sie habe sich für ein Mathematikstudium entschieden, weil sie das analytische, logisch-strukturierte Denken mag, sagt sie. Das will sie auch ihren Studenten beibringen. Als Kind habe sie dem Unterricht ihrer Großeltern beiwohnen dürfen, die Lehrer waren. Die Dinge hinterfragen, ihnen auf den Grund gehen und die gewonnenen Erkenntnisse weitervermitteln, das mache ihr Spaß, sagt sie. „Ich arbeite am Schnittpunkt von Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik“, beschreibt die Professorin ihre Arbeit an der Uni.
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Erkenntnisse gewinnt von Schenk unter anderem durch Laborexperimente, bei denen sie künstliche Intelligenz einsetzt. Sie ist zuversichtlich, dass KI den Menschen helfen wird, effizienter zu arbeiten. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat von Schenk ein Start-up gegründet, das Menschen mit ähnlichen beruflichen, geschäftlichen und wissenschaftlichen Interessen und Zielen durch den Einsatz von KI zusammenbringen und so ein fruchtbares Netzwerk für Ideen schaffen soll.
Jüngst hat sie für ihre Forschung eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Höhe von 250.000 Euro erhalten. In dem auf drei Jahre angelegten Projekt geht es um die Frage, wie KI die Entscheidungsprozesse und strategischen Planungen von Unternehmen verbessern kann, ohne dass dabei die menschliche Kontrolle verloren geht.
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