Der Einfluss der Krise Warum uns schlechte Nachrichten krank machen

Wer häufig unter Stress leidet, der schaut vielleicht zu viel "Tagesschau". Denn eine aktuelle US-Studie legt nahe: Schlechte Nachrichten verursachen auf Dauer körperlichen Stress.

Eine Frau vor einem Monitor Quelle: dpa

Ob die Anschläge auf das World Trade Center, den Boston Marathon oder Oklahoma City – solche Ereignisse können bei Menschen starken Stress verursachen, vor allem bei Nachrichtenjunkies.

Für eine Studie des amerikanischen Radiosenders NPR in Zusammenarbeit mit der Robert Wood Johnson Stiftung und der Harvard School of Public Health wurden 2500 Amerikaner befragt. Ein Viertel der Teilnehmer gab an, im letzten Monat gestresst gewesen zu sein. Als größte Ursache dafür nannten sie den Konsum von Nachrichten. Ob im Netz, in der Zeitung im Fernsehen oder Radio: Schlechte Meldungen können demnach krank machen.

Für die Psychologin Mary McNaughton-Cassill von der Universität Texas in San Antonio ist das Ergebnis keine Überraschung. Sie beschäftigt sich seit der Explosion in Oklahoma City mit der Wirkung von Nachrichten auf unser Stressempfinden.

Bei dem Anschlag im April 1995 detonierte vor einem neunstöckigen Behördenhochhaus eine 2160 Kilogramm schwere Autobombe. 168 Menschen starben bei der Explosion, darunter auch 19 Kinder - im ersten Stock des Gebäudes befand sich ein Kindergarten.

So unterschiedlich reagieren wir auf Stress

McNaughton-Cassill befand sich zu diesem Zeitpunkt zwar hunderte Kilometer von Oklahoma entfernt, trotzdem spürte sie Anzeichen von Stress. Die Information über den Kindergarten im ersten Stock des Hauses ließ sie an ihre eigenen kleinen Kinder denken, die sich zu diesem Zeitpunkt auch in einer Krippe befanden. Die Nachricht vom Bombenanschlag traf sie somit besonders emotional und verängstigte sie.

Daher begann sie auf diesem Gebiet zu forschen. Gemeinsam mit Kollegen konnte sie in zahlreichen Studien belegen, dass bestimmte Nachrichten uns emotional so sehr berühren, dass wir dadurch unter Stress geraten. Den größten Effekt zeigten dabei traumatische Ereignisse, die von den Medien besonders sensationslüstern aufbereitet wurden.

Dem zu entgehen sei schwer, meint die Psychologin. Die vielen verschiedenen Kanäle, die bei der Nachrichtenverbreitung um unsere Aufmerksamkeit kämpfen, konkurrieren so stark miteinander, dass Informationen immer spektakulärer übermittelt werden.

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Auch andere Studien beschäftigen sich mit dem Thema: Nach dem Anschlag auf den Boston Marathon fragte eine Gruppe von Wissenschaftler 4500 Amerikaner nach ihrer Reaktion auf das Unglück. Das überraschende Ergebnis: Wer sich nach dem Anschlag sechs Stunden oder länger der Berichterstattung aussetzte, wies mehr akute Stresssymptome auf - sogar mehr als diejenigen, die sich zum Zeitpunkt der Explosion am Ort des Geschehen aufhielten.

Doch die Lage sei nicht hoffnungslos, meint McNaughton-Cassill. Es gebe Mittel und Wege, dem durch schlechte Nachrichten ausgelöstem Stress zu entgehen. Etwa indem die Nachrichtensender eine Warnung aussprechen, bevor sie besonders verstörende Bilder zeigen. Außerdem sollten die Menschen nach Ereignissen wie dem 11. September nicht permanent vor dem Bildschirm hocken - wie so oft sei das richtige Maß entscheidend.

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