Gesundheitsmythen Was gegen Erkältung hilft - und was nicht

Wen eine Erkältung plagt, dem versprechen etwa Mittel gegen Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen die Rundum-Wohlfühl-Keule. Was rezeptfreie Medikamente bringen, wenn es Sie erwischt hat.

Fast jedes dritte von rund 2000 überprüften rezeptfreien Medikamenten ist laut Stiftung Warentest wenig gegen Erkältungen geeignet. Darunter fallen bekannte Mittel gegen Erkältung, Schnupfen, Halsentzündung, Verstopfung, Durchfall oder Insektenstiche. Oft schneiden die Kombinationen verschiedener Wirkstoffe schlecht ab, etwa von Schmerzmitteln und anregenden Mitteln in Erkältungsmedikamenten. In anderen Fällen bemängeln die Tester hohen Alkoholgehalt etwa bei einem Erkältungsmittel für die Nacht oder ungeeignete Zusammenstellungen bei Tabletten gegen Halsinfektionen. Die 2000 rezeptfreien Medikamente sind Teil einer umfassenderen Datenbank von Stiftung Warentest mit Arzneimitteln. Quelle: dpa
Bei Erkältung und Grippe hat die Apotheke so einiges an rezeptfreien Mitteln zu bieten. Doch viele halten nicht, was sie versprechen. Aspirin Complex Granulat: Nicht sinnvolle Kombination aus einem Schmerzmittel und einem anregenden Mittel, das über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird. Doregrippin Tabletten: Wie beim Aspirin Complex Granulat stuft die Stiftung Warentest die Kombination der Mittel als nicht sinnvoll ein. Grippostad C Kapseln: Enthält ein müde machendes Antihistaminikum, das über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird. WICK DayMed und MediNait (Kapseln und Getränke): Nicht sinnvolle Kombination unter anderem aus einem Schmerzmittel, einem Hustenmittel und einem anregenden Mittel. Alternative: Die einzelnen Erkältungssymptome sollten besser getrennt behandelt werden. Gegen Schmerzen und Fieber reicht Parazetamol allein. Bei Schnupfen ist die kurzzeitige Anwendung von abschwellenden Nasentropfen verträglicher. Quelle: Fotolia
Schnupfen und AllergienRhinopront Kombi Tabletten: Wenig geeignet bei Schnupfen. Nicht sinnvolle Kombination an Mitteln. Reactine duo Retardtabletten: Hilft kaum bei allergischem Schnupfen. Wenig sinnvolle Kombination aus einem Antihistaminikum und einem anregenden Stoff, der über die Blutbahn im ganzen Körper verteilt wird und dabei auch die Schleimhäute abschwillt. Bei Daueranwendung kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. Alternative: Tabletten, Tropfen oder Saft mit Cetirizin oder Loratadin sollen bei akuten Allergie-Beschwerden helfen. Cromoglizinsäure als Nasenspray zur Vorbeugung (früh genug mit der Behandlung beginnen, unkonservierte Präparate bevorzugen). Bei einem normalen Schnupfen ist die kurzzeitige Anwendung von abschwellenden Nasentropfen verträglicher. Quelle: dpa
Nahrungsergänzungsmittel mit Zink und Vitamin C sollen das Immunsystem unterstützen. Natürlich braucht der Körper bestimmte Nährstoffe, damit das Abwehrsystem gegen Bazillen und Viren funktioniert. Doch Vitamin C- und Zinktabletten können Erkältungen nicht heilen oder gar verhindern. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für den Nutzen der bunten Pillen. Die Zufuhr ist normalerweise über die Ernährung sichergestellt, Mangelzustände an Vitamin C und Zink kommen in Deutschland nur selten vor. Gute Vitamin C-Lieferanten sind zum Beispiel Orangensaft, Brokkoli, Kiwi oder rote Paprika. Zink ist zum Beispiel in Fleisch, Ei, Vollkorn- und Milchprodukten enthalten. Die empfohlene Tagesdosis wird etwa bereits durch ein Stück Rindfleisch (150 Gramm) und ein Glas Milch gedeckt. Quelle: dpa
Doch nicht nur gegen Erkältungssymptome gibt es rezeptfreie Mittelchen, die leider nichts bewirken. Auch gegen andere Wehwehchen ist nutzloses Kraut gewachsen... Quelle: dpa
SchürfwundenBrand- und Wundgel Medice: Das Gel ist laut Stiftung Warentest wenig zur Wundpflege geeignet. Die therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen. Zudem kann der Inhaltsstoff Benzethonium leicht Allergien auslösen. Alternative: Leichten Verbrennungen mit unverletzter Haut unter fließendem Wasser schnell kühlen. Offene Wunden sollten aber nicht selbst behandelt werden. Pyolysin Salbe: Auch diese Salbe für oberflächliche Wunden verfehlt ihre Wirkung. Alternative: Povidon-Jod-Lösung eignet sich zum Desinfizieren, Dexpanthenol-Salbe zur Pflege bei oberflächlichen Schürfwunden. Quelle: Fotolia
HalsschmerzenDobendan Strepsils Dolo bzw. Dolo-Dobendan Lutschtabletten: Die Kombination der Inhaltsstoffe ist nicht sinnvoll: Antiseptika wie Cetylpyridiniumchlorid sind gegen Viren nur lückenhaft oder gar nicht wirksam. Bakterien in tieferen Schleimhautschichten werden zudem nicht erreicht. Das schmerzstillende Benzokain kann leicht Allergien hervorrufen. Dorithricin Lutschtabletten/ Lemocin Lutschtabletten: Auch diese Tabletten helfen nicht wirklich gegen Entzündungen im Hals. Das Antibiotikum Tyrothrizin wirkt nur oberflächlich und erreicht Bakterien in tieferen Gewebeschichten nicht. Auch hier ist das schmerzstillende Benzokain enthalten, das leicht Allergien auslösen kann. Locabiosol 0,125 mg Spray: Die therapeutische Wirksamkeit des Antibiotikums Fusafungin bei Halsinfektionen ist nicht ausreichend nachgewiesen. Die Anwendung als Spray kann bei empfindlichen Personen zu Asthmaanfällen führen. Alternative: Halsentzündungen werden häufig durch Viren verursacht, bei denen Antibiotika nicht wirken. Zuckerfreie Halsbonbons befeuchten die Schleimhäute und  können Schluckbeschwerden lindern. Lutschtabletten mit Ambroxol oder Lidokain wirken schmerzstillend. Quelle: Fotolia
VerstopfungAbtei Abführkapseln SN/ Doppelherz Abführ-Kapseln Rizinol 1000 mg: Das enthaltene Rizinusöl wirkt drastischer als geeignete Mittel und kann häufiger Nebenwirkungen auslösen. Jacobus Schwedenkräuter N Pulver: Auch die Schwedenkräuter sind nicht zu empfehlen, weil die Zubereitung mit hochprozentigem Alkohol laut den Experten von "Stiftung Warentest" abzulehnen ist. Chol-Kugeletten Mono überzogene Tabletten/ Kräuterlax Dr. Henk 15 mg Kräuter-Dragees zum Abführen: Hier wirkt Aloe drastischer und stärker irritierend auf den Darm als geeignete Mittel und kann ebenfalls öfter Nebenwirkungen auslösen. Obstinol M Emulsion: Das zugesetzte Paraffin kann sich in Lymphknoten ablagern.Alternative: Verträgliche Abführmittel sind Flohsamen, Laktulose oder Macrogol. Quelle: Fotolia
KreislaufbeschwerdenKorodin Tropfen: Die therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen. Alternative: Regelmäßiges Spazierengehen oder leichter Ausdauersport stabilisieren den Kreislauf nachhaltig. Quelle: Fotolia
Mundschleimhautentzündung und ParadonthoseSolcoseryl akut Paste: Die therapeutische Wirksamkeit von Kälberblutkonzentrat ist nicht ausreichend nachgewiesen. Pyralvex-Lösung: Wenig geeignet bei Mundschleimhaut- und Zahnfleischentzündung, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Außerdem sollten enthaltene Salizylate nicht in der Mundhöhle nicht angewendet werden. Alternative: Lidokain oder Polidocanol lindern akute Schmerzen. Chlorhexidin wirkt desinfizierend und kann bei Entzündungen die Heilung unterstützen. Quelle: Fotolia
DurchfallTannacomp Tabletten: Wenig geeignet bei akutem Durchfall, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Beide Inhaltsstoffe ( Tanninalbuminat + Ethacridinlaktat) können leichte Allergien auslösen. Alternative: Als Basistherapie empfehlen die Experten Elektrolytlösung, bei schmerzhaften Darmkrämpfen ab einem Alter von 12 Jahren auch kurzzeitig Loperamid. Quelle: dpa
LäuseJacutin Pedicul Spray: Bei einem Spray können die Wirkstoffe versehentlich eingeatmet werden und bei empfindlichen Personen Asthmaanfälle auslösen. Paranix Spray: Das Medikament enthält Ylang-Ylang, ein Duftstoff mit hohem Allergie-Potenzial. Alternative: Die Experten empfehlen Lösungen zum Auftragen auf die Haare mit Permethrin oder Dimeticon . Quelle: Fotolia
NarbenContractubex Gel: Auch bei diesem Gel gegen vernarbte Stellen ist die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen. Alternative: Wulstige Narben können operativ verkleinert werden. Quelle: Fotolia
HerzbeschwerdenCor-Vel Truw, Herzsalbe: Wenig geeignet bei Herzbeschwerden, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Alternative: Bei unklaren Herzbeschwerden immer ärztlichen Rat einholen. Die Informationen darüber wie sinnvoll die Mittel sind, hat die Stiftung Warentest in einer Datenbank hinterlegt. Quelle: Fotolia
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